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Rauchen: Gene machen süchtig

Forscher entdecken eine genetische Ursache für Nikotinabhängigkeit

Eine Genmutation erhöht das Risiko für Nikotinabhängigkeit

Eine Genmutation erhöht das Risiko für Nikotinabhängigkeit
(Quelle: Pixelio/Knipserlein)

Dass Rauchen süchtig macht, ist offenbar auch genetisch bedingt. Forscher vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin entdeckten, dass beim Entstehen der Nikotinabhängigkeit eine Region im Zwischenhirn, die Habenula (lateinisch für „kleine Zügel“), eine Schlüsselrolle spielt, und erhellten so den Mechanismus, der zur Sucht führt.

Rauchen fordert jedes Jahr nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit etwa fünf Millionen Tote. Viele von ihnen sterben an Lungenkrebs. Bereits vor zwei Jahren zeigten Studien, dass genetische Veränderungen in einer bestimmten Gengruppe Risikofaktoren für Nikotinabhängigkeit und Lungenkrebs sind. Licht in den Entstehungsmechanismus der Sucht brachten jetzt Dr. Inés Ibañes-Tallon und ihre Mitarbeiter vom MDC.

Die Wissenschaftler untersuchten im Tierversuch einen spezifischen Rezeptor für den Botenstoff Acetylcholin, der von dieser Gengruppe gebildet wird. Diese Andockstelle ist nur in sehr wenigen Regionen des Gehirns, unter anderem in der Habenula, vorhanden und wird bei Rauchern durch Nikotin aktiviert. Ein Gen dieser Gruppe ist alpha5. Vorherige Studien zeigten bereits, dass dieses Gen bei starken Rauchern eine Veränderung in seinem Erbgut hat und diese Mutation das Risiko für eine Nikotinabhängigkeit und Lungenkrebs erhöht.

Um den Mechanismus der Suchtentstehung weiter aufzuklären, aktivierten die Forscher ein zweites Gen (beta4) der Gengruppe. Es zeigte sich, dass Mäuse durch die Überaktivität von beta4 eine starke Abneigung gegen das Tabakgift entwickelten: Sie tranken nur Wasser ohne Nikotin. Wurde in den Mäusen die mutierte Variante des alpha5-Gens mithilfe eines Virus aktiviert, verschwand der Widerwillen gegen Nikotin aber nach kurzer Zeit wieder. Bereits nach zwei Wochen bevorzugten die Mäuse nur noch nikotinhaltiges Wasser.

Die Wissenschaftler kommen deshalb zu dem Schluss, dass nur eine ausbalancierte Aktivität beider Gene den Nikotinverbrauch zügeln kann.

Weitere Informationen zum Thema:

Pressemitteilung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch: Nikotinabhängigkeit am „Zügel“ – MDC-Forscherinnen: Hirnregion Habenula spielt Schlüsselrolle. 12. Mai 2011

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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 13.05.2011
 
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