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Schlechter Schlaf macht schmerzempfindlicher

Wissenschaftler entdecken Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Schmerzen

Ein schlechter Schlaf kann Schmerzen verstärken

Ein schlechter Schlaf kann Schmerzen verstärken
(Quelle: BananaStock)

„Nur eine einzige Nacht erholsam schlafen“, dieser Wunsch ist gerade bei Rückenschmerzpatienten häufig. Wie sehr sich Schlaf und Schmerz gegenseitig beeinflussen, haben aktuelle Studien gezeigt. So leiden fast 60 Prozent der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen an Schlafstörungen. Selbst gesunde Menschen sind nach einer schlecht geschlafenen Nacht um rund 30 Prozent schmerzempfindlicher.

In Deutschland wird nur wenig zum Thema Schmerz und Schlaf geforscht, obwohl die klinische Bedeutung von Schlafstörungen beim chronischen Schmerz immer wieder bestätigt wird. Studien zufolge geben fast 60 Prozent aller Rückenschmerzpatienten an, unter Einschlafschwierigkeiten, geringerer Schlafdauer, schlechterem Schlaf und Leistungseinbußen am nächsten Tag zu leiden. Erstaunlich dabei ist, dass objektiv gemessen weder die Schlafeffizienz noch die Aktivitäten während des Schlafs beeinträchtigt sind. „Das zeigt, wie wichtig es ist, auch die subjektive Bewertung des Schlafs einzubeziehen“, unterstreicht Prof. Dr. Stefan Lautenbacher von der Universität Bamberg.

Schon gesunde Menschen sind nach gestörtem Schlaf schmerzempfindlicher: Eine US-Studie belegt, dass wer weniger als sechs Stunden pro Nacht schläft, Schmerzen am nächsten Tag um 30 Prozent schlimmer empfindet. Überraschenderweise sind jedoch die für die Schmerzverarbeitung zuständigen Hirnbereiche weniger aktiv. Die Forscher erklären diesen Widerspruch damit, dass nach Schlafentzug der Thalamus mit seiner Funktion als „Tor zum Bewusstsein“ für äußere Reize und somit auch schmerzhafte Reize unempfindlicher ist. Dass der Schmerz dennoch stärker empfunden wird, könnte an einer durch den Schlafmangel fehlerhaft gesteuerten Aufmerksamkeit liegen. Vor allem die Störung der Tiefschlafphasen ist bedeutend.

Besonders schwierig wird es bei Patienten, die zusätzlich zur Schmerzkrankheit auch Depressionen haben – eine häufige Kombination. Erste Studien haben gezeigt, dass wiederholter Schlafentzug bei schwer depressiven Patienten gut für die Stimmung war, aber die Schmerzempfindlichkeit erhöhte und schmerzhafte Stellen am Körper der Patienten vermehrte. „Für den Schmerz scheint zu gelten, dass auch ein qualitativ so schlechter Schlaf wie der bei Depressionen für das Schmerzsystem noch erholsam wirkt, obwohl er für die Stimmung schon krankmachend ist“, erklärt Lautenbacher.

Die zugrunde liegenden Wirkungsmechanismen, wie unterbrochener und verkürzter Schlaf die Schmerzempfindlichkeit verstärkt, sind noch weitgehend unklar. Zudem ist noch offen, von welcher Qualität Schlaf sein muss, um das Schmerzsystem zu normalisieren beziehungsweise zu stabilisieren. Die Aufklärung dieser Mechanismen ist Gegenstand von Forschungen der kommenden Jahre im Rahmen eines europäischen Forschungsverbundes.

Weitere Informationen zum Thema:

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS): Deutscher Schmerzkongress 2011 in Mannheim: Schmerz und Schlafstörungen – eine fatale Liaison. 28. September 2011

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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 28.09.2011
 
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