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Mit Viren und Immunzellen gegen den Krebs

Viro-Immuntherapie zerstört gezielt Krebszellen im Körper

Maßgeschneiderte Viren können Tumorzellen gezielt bekämpfen

Maßgeschneiderte Viren können Tumorzellen gezielt bekämpfen
(Quelle: iStockphoto)

Jeder dritte Krebspatient stirbt nach wie vor an seiner Krankheit. Die Virotherapie ist eine neue therapeutische Strategie, bei der so genannte onkolytische, also „krebsauflösende“, Viren die Tumorzellen gezielt infizieren und zerstören. Erste Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass diese neue Form der Therapie gut verträglich ist. Allerdings muss ihre Wirksamkeit noch verbessert werden. Heidelberger Wissenschaftler entwickeln deshalb neue effizientere Generationen solcher Viren.

Mithilfe der Virotherapie können Krebszellen zerstört werden, die auf die üblichen Therapien nicht ansprechen. Dabei greifen im Labor maßgeschneiderte Viren gezielt Krebszellen an, vermehren sich darin und töten diese ab. Die Viren infizieren lediglich Tumoren und Metastasen, gesundes Gewebe bleibt verschont. Besonders interessant ist, dass Viren für unterschiedliche Anwendungen in der Krebstherapie weiter optimiert werden können. So erforschen die Wissenschaftler um Dr. Dirk Nettelbeck von der Universitäts-Hautklinik Heidelberg, wie die Wirkung der Virotherapie durch die Unterstützung des Immunsystems verstärkt werden kann. Ziel ist es, zur Tumorzerstörung auch körpereigene Immunzellen zu aktivieren.

Vorherige Studien haben gezeigt, dass menschliche Immunzellen tatsächlich derart aktiviert werden können, dass sie Tumorzellen zerstören. Jedoch gelangen gegen den Krebs aktivierte Immunzellen oft gar nicht erst in den Tumor und können folglich ihre therapeutische Wirkung nicht entfalten. „Hier könnte unsere Strategie greifen, die Immunzellen durch eine Infektion mit onkolytischen Viren in den Tumor zu locken und dort zu aktivieren“, erläutert Nettelbeck sein Vorhaben.

Bisherige Ergebnisse zeigen, dass eine Infektion mit onkolytischen Viren allein nicht ausreicht, um die Aufmerksamkeit der Immunzellen zu lenken. Zwingt man die Tumorzellen jedoch, bestimmte Lockstoffe freizusetzen, werden Immunzellen rekrutiert. Die Forscher möchten daher die Viren weiterentwickeln, damit diese die notwendigen Lockstoffe selbst herstellen. Die dadurch angezogenen Immunzellen könnten das Wirken der Viren ergänzen und insbesondere diejenigen Krebszellen zerstören, die von den Viren nicht erreicht werden.

Die Wissenschaftler halten den kombinierten Ansatz der Viro-Immuntherapie für sehr viel versprechend, weil sich beide Methoden ideal ergänzen: Die Virotherapie kann eine Zerstörung auch größerer Tumormassen bewirken. Es besteht aber die Gefahr, dass Tumorzellen verbleiben, wenn die Viren sie aufgrund unüberwindlicher anatomischer Barrieren nicht erreichen. Mit der kombinierten Viro-Immuntherapie soll nun eine zusätzliche, gegen den Tumor gerichtete Immunaktivierung (Tumorimpfung) die nachhaltige Zerstörung verbliebener Krebszellen überall im Körper bewirken.

Pressemitteilung der Wilhelm Sander-Stiftung: Viren und Immunzellen – mit vereinten Kräften gegen Krebs. 07. Oktober 2011

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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 07.10.2011
 
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