Tipp

Mit Sport gegen Diabetes

Wissenschaftler entdecken hormonellen Mechanismus

Körperliche Aktivität kann Diabetes vorbeugen

Körperliche Aktivität kann Diabetes vorbeugen
(Quelle: DAK/Arne C. Gerson)

Weltweit leiden 366 Millionen Menschen an Diabetes, 4,6 Millionen sterben täglich daran. Mit Sport und körperlicher Tätigkeit lässt sich die verbreitete Zuckerkrankheit lindern, da damit die Produktion von Insulin erhöht wird. Schweizer Wissenschaftler sind nun auf den hormonellen Regelkreis gestoßen, der für diesen Mechanismus verantwortlich ist.

Diabetes entsteht durch eine fortschreitende Abnahme der Insulinproduktion im Körper, die, wenn der Patient übergewichtig ist, wegen des erhöhten Bedarfs nicht mehr ausreicht. Schon länger ist bekannt, dass körperliche Tätigkeit den Diabetes Typ 2, seine häufigste Form, vorbeugen und therapieren kann. Die genauen Mechanismen dazu konnten jetzt erstmals durch eine Forschungsgruppe um Professor Marc Donath von der Universität und Universitätsspital Basel beschrieben werden.

Ein arbeitender Muskel produziert ein Molekül namens Interleukin-6 (IL-6), dessen Bedeutung bisher jedoch unklar war. Bekannt ist daneben, dass die L-Zellen im Darm ein Hormon produzieren, das so genannte Glucagon-like-Peptid-1 (GLP-1). Dieses GLP-1 wird durch Mahlzeiten über den Darm stimuliert und regt die Insulinproduktion an. Die Basler Forscher konnten nun zeigen, dass auch der Muskel selbst direkt das GLP-1 stimuliert, und zwar über IL-6. Zudem wiesen sie nach, dass das IL-6 in den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse auch andere Zellen reprogrammiert, die daraufhin ihre Produktion von Glucagon, das den Blutzucker erhöht, auf GLP-1 umstellen. Dies bewirkt wiederum, dass die benachbarten ß-Zellen vermehrt Insulin produzieren. Bei körperlicher Tätigkeit wird damit über den IL-6-GLP-1-Hormonkreislauf mehr Insulin hergestellt, sodass der Blutzucker sinkt und der Verlauf des Diabetes günstig beeinflusst wird.

Interessanterweise produziert bei Übergewichtigen das Fettgewebe auch IL-6, ebenfalls mit dem Ziel, die Insulinproduktion zu steigern, um dem erhöhten Bedarf zu genügen. Bei einigen Patienten reicht dies aber nicht aus und es kommt zu Diabetes. In diesen Fällen kann körperliche Tätigkeit die IL-6-Produktion aus dem Muskel unterstützen und dem Diabetes vorbeugen oder ihn lindern, wenn die Erkrankung bereits vorliegt.

Der neu entdeckte hormonelle Regelkreis eröffne verschiedene therapeutische Möglichkeiten für Diabetes. So könnten gezielt Sportinterventionen geplant werden, damit es bei den Patienten zu einer möglichst hohen Produktion von IL-6 kommt. Außerdem ließen sich Medikamente einsetzen, die den Abbau von GLP-1 hindern. Kombiniere man diese Medikamente mit körperlicher Tätigkeit, sei ein verbesserter Therapieerfolg zu erwarten.

Weitere Informationen zum Thema:

Pressemitteilung der Universität Basel: Mit Sport gegen Diabetes: Hormoneller Mechanismus entdeckt. 31. Oktober 2011

Alle News

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 02.11.2011
 
Tipp