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Gen legt Schlafdauer fest

Wissenschaftler vermuten Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Stoffwechselstörungen

Ein Gen entscheidet über Langschläfer oder Frühaufsteher

Ein Gen entscheidet über Langschläfer oder Frühaufsteher
(Quelle: BananaStock)

Die Schlafdauer eines Menschen ist individuell unterschiedlich. Der Legende nach soll Napoleon nicht mehr als vier Stunden Schlaf am Stück benötigt haben. Andere dagegen kommen nur nach zehn Stunden Nachtruhe fit aus den Federn. Verantwortlich für diese Unterschiede zwischen früh erwachenden „Lerchen“ oder späten „Eulen“ sind unter anderem das Alter, Geschlecht und der Chronotyp. Wissenschaftler entdeckten jetzt außerdem ein Gen, das die Dauer des Schlafes beeinflusst.

Ein internationales Forscherteam um die Chronobiologen Professor Till Roenneberg und Dr. Karla Allebrandt von der Ludwig-Maximilians-Universität München führte eine so genannte genomweite Assoziationsstudie durch. Bei dieser Studie wurden mehr als 4.000 Testpersonen aus sieben europäischen Populationen von Estland bis Italien zu ihren Schlafgewohnheiten befragt. Dabei zeigt sich, dass Personen, die über zwei Kopien einer bestimmten Variante des Gens ABCC9 verfügten, in einer störungsfreien Umgebung deutlich weniger schlafen als Menschen mit zwei Kopien einer anderen Version.

Das Gen ABCC9 kodiert für das Protein SUR2, eine Untereinheit eines Kaliumskanals, der als Sensor für den Energiestoffwechsel in der Zelle fungiert. „Es ist besonders spannend, dass dieses Protein auch bei Herzleiden und Diabetes eine Rolle spielt, wie funktionale Studien erwiesen haben“, erklärt Dr. Karla Allebrant. „Ein Zusammenhang von Schlafdauer und Stoffwechselstörungen kann daher möglicherweise durch gemeinsam benutzte molekulare Mechanismen erklärt werden.“

Das Gen ABCC9 und entsprechende genetische Faktoren sind weit verbreitet: Das Team um Roenneberg blockierte das entsprechende Gen in Fruchtfliegen, woraufhin die Tiere eine deutlich verkürzte Schlafdauer zeigten. Bei Säugetieren ist das Gen in verschiedenen Geweben aktiv, unter anderem im Herz, dem Skelettmuskel und dem Gehirn sowie in Teilen der Bauchspeicheldrüse. Dass ABCC9 auch bei Fruchtfliegen verkürzt, könnte ein Hinweis darauf sein, dass die genetische Kontrolle der Schlafdauer bei den unterschiedlichsten Tierarten auf ähnlichen Mechanismen beruht.

Weitere Informationen zum Thema:

Pressemitteilung der Ludwig-Maximilians-Universität München: Das ABCC9 des Schlafs – Genetischer Faktor reguliert Dauer der Nachtruhe. 24. November 2011

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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 25.11.2011
 
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