Tipp

Schwangerschaftsvorsorge: Neue Struktur nötig?

Risikoprofil ermöglicht eine individualisierte Vorsorge jeder Schwangeren

Ultraschalluntersuchungen helfen bei der Risikoabschätzung

Ultraschallunter- suchungen helfen bei der Risiko- abschätzung
(Quelle: fStop)

Je weiter eine Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto engmaschiger muss man die werdende Mutter untersuchen – dachte man bisher. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass durch eine genaue Vorsorgeuntersuchung schon nach drei Monaten Risiken frühzeitig erkannt werden können. Das erleichtert einerseits rechtzeitiges Eingreifen zum Wohle von Mutter und Kind, andererseits können, wenn keine Probleme vorliegen, die Untersuchungen im letzten Schwangerschaftsdrittel sogar reduziert werden.

Die Routine-Untersuchungen in den ersten 32 Schwangerschaftswochen erfolgen bisher im Abstand von vier Wochen und anschließend bis zum Entbindungstermin alle zwei Wochen. Diesem Konzept liegt zugrunde, dass Komplikationen in der Schwangerschaft typischerweise im letzten Drittel auftreten, eine Risikovorhersage in früheren Schwangerschaftswochen und somit eine Vermeidung späterer Komplikationen nicht möglich sei.

In den vergangenen Jahren wurde jedoch gezeigt, dass dieses Konzept überdacht werden sollte. Schon zwischen der 12. und 14. Schwangerschaftswoche kann das persönliche Risikoprofil einer Schwangeren für viele potenzielle Komplikationen in der Schwangerschaft ermittelt werden. So kann die ärztliche Betreuung früher auf ein eventuell erhöhtes Risiko ausgerichtet werden, indem zusätzliche Untersuchungen, intensivere Überwachung oder auch eine medikamentöse Therapie vorgenommen werden. Dadurch kann die Schwangerenbetreuung individualisiert und optimiert werden.

Kypros Nicolaides vom Kings College in London empfiehlt deshalb, zunächst ausführlich zwischen der 12. und 14. Schwangerschaftswoche mögliche Risiken zu erfassen. Bei einem erhöhten Risikoprofil würden die Schwangeren dann von Spezialisten betreut. Schwangere mit einem niedrigen Risikoprofil sollten im Sinne der Regelversorgung weiter betreut werden. Nicolaides schlägt in diesen Fällen sogar vor, die Anzahl der ärztlichen Kontrollen zu verringern.

In jedem Fall aber sollten alle Schwangerschaften mittels Ultraschall um die 22. Woche herum erneut beurteilt werden, um Fehlbildungen kindlicher Organe erkennen und das Risiko für schwangerschaftsbedingte Bluthochdruckerkrankungen (Präeklampsie) oder eine Frühgeburt besser einschätzen zu können. In einer weiteren Ultraschalluntersuchung um die 37. Schwangerschaftswoche sollte das kindliche Wachstum beurteilt und die Art der Geburt diskutiert werden.

Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Vom Kopf auf die Füße – Vorsorge für Schwangere wird allmählich umgebaut. 01. Dezember 2011

Alle News

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 06.12.2011
 
Tipp