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Gebärmutterhalskrebs: Nachweislicher Nutzen des HPV-Tests

Krebsvorstufen können früher erkannt und behandelt werden

Mit dem HPV-Test können Krebsvorstufen erkannt werden

Mit dem HPV-Test können Krebsvorstufen erkannt werden
(Quelle: Susanne Berndobler/Pixelio)

Die Ursache für Gebärmutterhalskrebs ist in den meisten Fällen eine frühe Infektion mit so genannten humanen Papilloma-Viren (HPV). Mithilfe eines Tests auf diese Viren können Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses früher erkannt und behandelt werden, sodass Tumoren seltener auftreten. Allerdings kann dieser Test auch zu unnötigen Folgebehandlungen (Übertherapie) führen. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Derzeit bieten die gesetzlichen Krankenkassen eine jährliche zytologische Untersuchung der Schleimhautzellen aus einem Abstrich vom Gebärmutterhals (Zervix), den Pap-Test, zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs an. Seit bekannt ist, dass humane Papilloma-Viren der Hauptrisikofaktor für ein Zervixkarzinom sind, diskutieren Experten darüber, ob sich auch ein HPV-Test für das Screening eignet oder dem Pap-Test sogar überlegen ist. Den HPV-Test zahlen die gesetzlichen Krankenkassen bislang aber nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei einem unklaren Pap-Befund.

Eine Krebsfrüherkennung wird üblicherweise danach bewertet, ob sie nachweislich dazu beiträgt, krebsbedingte Todesfälle zu vermeiden. Beim Gebärmutterhalskrebs kann ein Kriterium für den Nutzen aber auch darin bestehen, dass voll entwickelte Tumoren seltener auftreten. Denn – ähnlich wie beim Darmkrebs – zielt das Screening darauf ab, bereits Zellveränderungen zu entdecken und zu behandeln, aus denen sich ein Krebsgeschwür entwickeln könnte. Denn die Behandlung fortgeschrittener Krebsvorstufen ist für die Patientinnen deutlich weniger belastend als die spätere Behandlung des Tumors.

Die Wissenschaftler des IQWiG suchten nach Studien, die die HPV-Diagnostik allein oder in Kombination mit einem zytologiebasierten Verfahren wie dem Pap-Test mit einer Strategie verglichen, die ausschließlich zytologiebasierte diagnostische Tests einsetzt. Dabei bewerteten sie die Daten von sechs Studien mit insgesamt mehr als 230.000 Frauen. Einerseits betrachteten die Wissenschaftler die Zahl der invasiven Zervixkarzinome und fortgeschrittenen Krebsvorstufen zusammen, andererseits die Anzahl der invasiven Zervixkarzinome allein.

Für beide Bewertungskriterien war die Zahl der Krebsdiagnosen bei Frauen, die mit dem HPV-Test untersucht wurden, niedriger als in der Gruppe der Frauen, die allein mit einem zytologiebasierten Verfahren untersucht worden waren. Dieses Ergebnis ist ein Hinweis auf einen Nutzen des HPV-Tests. Auffällig war aber, das in den Studien bereits mittelgradige und zum Teil auch schon niedriggradige Vorstufen behandelt wurden, die sich in den meisten Fällen von allein zurückbilden und nur selten zu Karzinomen weiterentwickeln.

Pressemitteilung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): HPV-Test: Hinweise auf Nutzen im Primärscreening. 24. Januar 2012

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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 27.01.2012
 
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