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Selbstzahler-Leistungen beim Arzt: Welche sind sinnvoll?

Krankenkassen bewerten kostenpflichtige individuelle Gesundheitsleistungen

IGeL-Leistungen beim Arzt sind häufig unnötig

IGeL-Leistungen beim Arzt sind häufig unnötig
(Quelle: DAK/van den Berg)

Nicht alle Leistungen, die in einer Arztpraxis angeboten werden, werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Bei den so genannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) müssen die Patienten selbst in die Tasche greifen. Einen Überblick über den Nutzen und Schaden dieser Leistungen kann man sich jetzt auf einem neuen Internetportal des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes (MDS) informieren, auf dem Selbstzahlerleistungen wissenschaftlich fundiert bewertet werden.

Rund 1,5 Milliarden Euro geben gesetzlich Versicherte pro Jahr für Individuelle Gesundheitsleistungen aus. Nach Meinung des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) sind viele dieser Ausgaben aber unnötig. „Bei den IGeL-Leistungen geht es vorrangig um wirtschaftliche Interessen von Ärzten und nicht um notwendige medizinische Leistungen für Kranke“, erläutert Dr. Doris Pfeffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes. „Das neue Informationsportal des MDS versetzt Versicherte in die Lage, auf der Grundlage empirisch-medizinischer Bewertungen eine Entscheidung zu treffen.“

Die Bewertungen des IGeL-Monitors basieren auf den Methoden der evidenzbasierten Medizin (EbM). Das heißt: Für die Bewertung von Nutzen und Schaden einer IGeL-Leistung recherchiert das aus Medizinern und anderen EbM-Experten bestehende Team beim MDS in medizinischen Datenbanken, trägt die Informationen nach einer definierten Vorgehensweise zusammen und wertet sie systematisch aus. Um Versicherte bei der eigentlichen Entscheidungsfindung für oder gegen eine IGeL-Leistung zu unterstützen, wägt das Team Nutzen und Schaden gegeneinander ab und fasst das Ergebnis in einem Gesamtfazit zusammen.

Bisher sind 24 IGeL-Leistungen auf der Internetseite veröffentlicht, darunter solche, die häufig angeboten werden wie die Glaukom-Früherkennung oder die Akupunktur zur Spannungskopfschmerz-Prophylaxe. In diesen Fällen kamen die Wissenschafter zu dem Ergebnis, dass die Leistung als „tendenziell negativ“ zu bewerten ist. Bei vier Bewertungen wog der Schaden sogar deutlich schwerer als der Nutzen – als Fazit bedeutete dies „negativ“. Lediglich zwei IGeL-Leistungen erhielten die Bewertung „tendenziell positiv“. „Wenn man eine erste Bilanz unserer Bewertungen ziehen möchte, so schneidet die Mehrzahl der IGeL nicht gut ab, einige sogar richtig schlecht“, fasst Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS, zusammen. „Für die Versicherten bedeutet dies, hier besonders vorsichtig zu sein.“

Zum IGeL-Monitor

Weitere Informationen zum Thema:

Pressemitteilung des MDS und GKV-Spitzenverband: Individuelle Gesundheitsleistungen auf dem Prüfstand: Neues Internetportal „IGeL-Monitor“ informiert über Nutzen und Schaden. 25. Januar 2012

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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 27.01.2012
 
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