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Aktiv gegen die Demenz

Neues Therapieprogramm kann Fortschreiten der Erkrankung aufhalten

Neue Therapie hält Fortschreiten von Alzheimer auf

Neue Therapie hält Fortschreiten von Alzheimer auf
(Quelle: Fotosearch)

Mit einem speziellen Programm aus Bewegung, geistiger Aktivität und alltagspraktischem Training kann das Voranschreiten einer Demenz nachhaltig verzögert werden – und das ganz ohne Medikamente. Dies hat eine Studie von Forschern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ergeben. Die Wissenschaftler entwickelten eine Therapie für Demenzkranke und haben die ein Jahr lang gemeinsam mit Bewohnern von Pflegeheimen in Bayern erprobt – mit positivem Ergebnis.

Die neue Aktivierungstherapie „MAKS“ der Erlanger Forscher umfasst ein ganzheitliches Therapiekonzept, das auf Bewegung, Denken und Selbstständigkeit im Alltag einwirkt. Die Abkürzung MAKS steht dabei für „motorisch, alltagspraktisch, kognitiv und spirituell“. Sportspiele wie Bowling und Krocket, Gleichgewichtsübungen und kognitive Aufgaben wie Buchstabenrätsel sind Bestandteile des Programms, aber auch Alltagsaktivitäten wie das Zubereiten von Essen, Gartenarbeit und Basteln gehören dazu. Darüber hinaus schließt die MAKS-Therapie ein „spirituelles Element“ ein, das unter anderem existenziellen Fragen des höheren Lebensalters Rechnung trägt, aber auch gemeinsames Singen einschließt.

„Die einzelnen Elemente der Therapie sind zwar nicht neu“, betont Prof. Dr. Elmar Gräßel von der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik am Universitätsklinikum der Universität Erlangen-Nürnberg, „wir haben sie jedoch weiter entwickelt, das heißt auf die Fähigkeiten von Menschen mit Demenz angepasst.“ In einem Handbuch haben die Wissenschaftler eine Vielzahl von verschiedenen Aufgaben detailliert beschrieben und die kognitiven Übungen neu erstellt, sodass sie in abgestuften Schwierigkeitsgraden vorliegen. So kann die MAKS-Therapie in allen Pflegeeinrichtungen nach dem gleichen Konzept angegangen werden.

An der Studie zur Erprobung der Aktivierungstherapie nahmen insgesamt 50 Bewohner aus fünf bayerischen Pflegeeinrichtungen teil, die in Gruppen von zehn Personen zwei Stunden pro Tag, sechs Tage in der Woche mit dem MAKS-Programm gefördert wurden. Zwölf Monate nach Therapiebeginn zeigten sich die geistigen und alltagspraktischen Fähigkeiten der MAKS-Teilnehmer noch immer stabil. Bei der ebenfalls 50 Personen umfassenden Kontrollgruppe hingegen nahmen diese Fähigkeiten weiter ab, ganz besonders im zweiten Halbjahr der Untersuchung.

„Vergleicht man nun die Wirkstärke der MAKS-Aktivierung mit der von Arzneimitteln gegen die Alzheimer-Demenz aus anderen Studien, zeigt sich folgendes Bild: Bei milder oder moderater Demenz wirkt die MAKS-Therapie auf die geistigen Fähigkeiten der Demenz-Patienten genau so effektiv wie spezielle Arzneimittel zur Behandlung der Alzheimer-Demenz, auf die alltagspraktischen Fähigkeiten sogar deutlich stärker“, fasst Gräßel die Ergebnisse der Untersuchung zusammen. Das zeige, dass die MAKS-Therapie dazu geeignet sei, die Lebensqualität von Demenzpatienten in Pflegeheimen zu verbessern. Zudem sei aus den Heimen viel positives Feedback zu hören, einige Teilnehmer seien beispielsweise wacher, besser gelaunt, finden mehr Anschluss und zeigten mehr Eigeninitiative.

Weitere Informationen zum Thema:

Pressemitteilung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg: Aktiv gegen das Vergessen. 09. März 2012

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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 10.03.2012
 
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