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Chronische Bauchschmerzen ernst nehmen

Bauchhirn spielt eine Rolle bei der Entstehung anhaltender Beschwerden

Ständige Bauchschmerzen sollten adäquat behandelt werden

Ständige Bauchschmerzen sollten adäquat behandelt werden
(Quelle: Susanne Berndobler/Pixelio)

Etwa ein Drittel der Bevölkerung leidet unter chronischen Bauchschmerzen. Die Entstehung dieser ständig anhaltenden Beschwerden ist mit derer anderer chronischer Schmerzen wie beispielsweise Rückenschmerzen vergleichbar. Ähnlich wie bei den Prozessen der Chronifizierung von Schmerzen im zentralen Nervensystem seien chronische Bauchschmerzen auf ein Schmerzgedächtnis im so genannten Bauchhirn zurückzuführen und sollten daher ernst genommen und multimodal behandelt werden.

Laut Schätzungen leiden bis zu 30 Prozent der Bevölkerung unter chronischen Bauchschmerzen, Frauen sind häufiger betroffen. Zusätzlich treten bei vielen Patienten Durchfälle, Schlafstörungen und andere psychovegetative Folgeerkrankungen auf. Die Symptome können sich im Laufe der Zeit ändern, stärker oder schwächer werden, verschwinden und wiederkommen. Doch in den meisten Fällen bleiben die Beschwerden ein Dauerbegleiter. Häufig machen wie Betroffenen allerdings die Erfahrung, dass ihre Beschwerden weder ernst genommen, noch adäquat behandelt werden. „Es werden Totschlagsdiagnosen wie Reizdarm-Syndrom oder somatoforme Störungen gestellt, kombiniert mit therapeutischem Nihilismus“, kritisiert Dr. Günther Bittel, Schmerztherapeut aus Duisburg, auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2012 in Frankfurt.

Bei chronischen Bauchschmerzen geht es mehr als um eine reine Darmerkrankung. Der ganze Magen-Darm-Trakt ist betroffen. „Eine wichtige Rolle spielt dabei das so genannte Darmhirn, das kurz ENS genannte enterale Nervensystem“, erklärt Bittel. Mit seinen 150 Millionen Nervenzellen ist das ENS das größte zusammenhängende Nervensystem außerhalb des zentralen Nervensystems ZNS. In ihm laufen Prozesse nach ähnlichen Spielregeln ab wie im Rückenmark oder im Gehirn. Darum sei es nicht verwunderlich, dass sich auch im Nervensystem unseres Magen-Darm-Trakts Chronifizierungsprozesse abspielen können, die der Entwicklung eines Schmerzgedächtnisses im ZNS ähneln. Wie bei der Chronifizierung von Rückenschmerzen wirken auch bei der Chronifizierung von Bauchschmerzen innere und äußere Faktoren zusammen: emotionale Aspekte, Entzündungsprozesse, Ernährung aber auch die mikrobiellen Bewohner des Darms, die Mikroflora.

Schmerztherapeuten setzen, ähnlich wie bei anderen chronischen Schmerzformen, auch bei chronischen Bauchschmerzen heute auf multimodale Therapien, also Behandlungen, in denen verschiedene Strategien miteinander kombiniert und den individuellen Bedürfnissen eines Patienten angepasst werden. „Diese modernen Ansätze, bei denen Medikamente, psychosomatische und psychotherapeutische Strategien mit Ernährungsmedizin, mikrobiologischen Therapien und Naturheilverfahren kombiniert werden, haben eine gute Erfolgsrate“, erklärt Bittel.

Weitere Informationen zum Thema:

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie: Die Pein im Leib: Wenn das Bauchhirn den Schmerz erlernt. 15. März 2012

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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 17.03.2012
 
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