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Wie Rizinusöl Wehen auslöst

Wirkmechanismus eines der ältesten Arzneimittel der Menschheit aufgeklärt

ZRizinusöl regt Wehen und Darmtätigkeit an

Rizinusöl regt Wehen und Darmtätigkeit an
(Quelle: BananaStock)

Rizinusöl ist vor allem als effektives Abführmittel bekannt, wurde aber auch bereits in der Antike bei Schwangeren eingesetzt, um die Wehentätigkeit zu fördern. Erst jetzt ist es Wissenschaftlern gelungen, die entscheidenden Details des Wirkmechanismus zu entschlüsseln. Verantwortlich ist demnach ein Rezeptor mit dem Namen EP3 auf den Muskelzellen des Darms und der Gebärmutter, der durch einen Bestandteil des Öls aktiviert wird.

Das aus den Samen des Wunderbaums Ricinus communis gewonnene Öl gehört zu den ältesten Arzneimitteln der Menschheit. Die erste Erwähnung als Abführmittel findet sich bereits in 3.500 Jahren alten ägyptischen Papyrusschriften. Seit vielen Jahrhunderten findet es zusätzlich als wehenförderndes Mittel Verwendung. Die in der Geburtshilfe immer noch zum Einsatz kommenden „Wehencocktails“ enthalten unter anderem dieses Pharmakon. Trotz seines weit verbreiteten Gebrauchs in der Schul- und Volksmedizin war aber bisher unklar, wie Rizinusöl seine abführenden und wehenfördernden Effekte ausübt.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim haben nun das lange gehütete Geheimnis gelüftet: „Es war schon viele Jahre bekannt, dass ein bestimmter Bestandteil, nämlich die im Darm aus dem Öl heraus gelöste Rizinolsäure, für die Wirkung verantwortlich ist“, erklärt Sorin Tunaru, Leiter des Forschungsprojekts. Allerdings nahmen Forscher bisher an, dass dieses seine Wirkung über eine lokale Reizung der Darmschleimhaut ausübe. „Wir konnten nun zeigen, dass es sich um eine echte pharmakologische Wirkung handelt.“

In Untersuchungen fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Rizinolsäure nach ihrer Freisetzung aus dem Rizinusöl zunächst vom Körper über die Darmschleimhaut aufgenommen wird. Anschließend wird der Rezeptor EP3, der sich auf den Muskelzellen des Darms und der Gebärmutter befindet und normalerweise durch das Gewebshormon Prostaglandin E2 aktiviert wird, aktiv. Dies wiederum regt die Darm- und Wehentätigkeit an. EP3 gehört zu der großen Gruppe so genannter G-Protein-gekoppelter Rezeptoren, die im Körper wesentlich an der Signalvermittlung in Zellen beteiligt sind.

Nach Auffassung der Forscher könnte die Aufklärung des Wirkmechanismus dieses alten Medikaments zu einer Neubewertung seines klinischen Nutzens führen. Zwar sei Rizinusöl in der Volksmedizin noch immer weit verbreitet, in der Schulmedizin wurde es aber nicht zuletzt wegen des unklaren Wirkmechanismus in den letzten Jahrzehnten immer weniger propagiert. „Die Ergebnisse unserer Studie könnten dazu beitragen, dass sich dies wieder ändert“, erklärt Stefan Offermann vom MPI. Zudem bestehe die Hoffnung, dass sich für heute bereits genutzte synthetische Wirkstoffe neue Anwendungsgebiete erschließen. „Beispielsweise werden heutzutage zur Steigerung der Wehentätigkeit auch Substanzen verwendet, die den von uns identifizieren für die Rizinolsäure verantwortlichen Rezeptor aktivieren.“ Denkbar sei, dass man aus diesen Substanzen milde Medikamente zur Darmreinigung oder Förderung der Darmaktivität entwickelt.

Weitere Informationen zum Thema:

Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.: Rizinusöl wirkt über einen G-Protein-gekoppelten Rezeptor. 22. Mai 2012

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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 22.05.2012
 
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