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Krebs schon im Frühstadium bekämpfen

Wissenschaftler entdecken neuen möglichen Therapieansatz

Protein ermöglicht frühe Erkennung und Therapie von Krebs

Protein ermöglicht frühe Erkennung und Therapie von Krebs
(Quelle: Photodisc)

Zellen nutzen zur Kommunikation untereinander eine ganze Reihe an Proteinen. Darunter auch ein Zelloberflächenprotein, das in bestimmten Fällen die Entstehung von Krebs fördert. Berner Zellbiologen fanden heraus, dass man Krebs hemmen oder sogar verhindern kann, wenn man es ausschaltet. Da dieses Protein bereits in den ersten sich teilenden Krebszellen vorhanden ist, versprechen diese Ergebnisse völlig neue Ansätze zur Krebsbekämpfung in einem sehr frühen Stadium.

Die Wissenschaftler um Prof. Eduardo Moreno vom Institut für Zellbiologie der Universität Bern identifizierten einen „Oberflächencode“, mit welchem Zellen ständig ihre Fitness im Vergleich zum ganzen Zellverband ermitteln. Zeigen diese Oberflächenproteine über längere Zeit an, dass ein Mitglied schwächlich ist, wird diese Zelle zum Aufgeben – zum Zelltod – gezwungen und eine Nachbarzelle teilt sich, um deren Raum auszufüllen. Normalerweise sichert dieser Mechanismus eine optimale Zusammensetzung der Gewebe, kann aber von Krebszellen auf gefährliche Art missbraucht werden: Diese signalisieren nämlich auch gesunden Zellen, dass sie ihnen an Fitness weit überlegen sind, was deren Absterben bewirkt und Platz für die schnell wachsenden Krebszellen schafft. Das Protein, das die Krebszellen dafür missbrauchen, heißt „Flower“.

Die Forscher haben jetzt herausgefunden, dass das Flower-Protein auch gegen die Krebszellen eingesetzt werden kann: „Es markiert diese nämlich beim Einsatz von chemischen Substanzen farblich anders als die gesunden Zellen – und dies bereits in einem sehr frühen Stadium, wenn sich die Krebszellen erst zu teilen beginnen“, erklärt Moreno. Das Protein könnte damit zweifach zur Krebsbekämpfung eingesetzt werden: Sowohl als Marker zur Früherkennung von Krebszellen, als auch als „Zielscheibe“ für Arzneimittel, die es unterdrücken und dadurch die weitere Ausbreitung des Krebses verhindern können.

Untersuchungen der Wissenschaftler an Mäusen zeigten, dass 20 Prozent der Tiere, deren Produktion des Flower-Proteins unterdrückt wurde, gar nicht an Hautkrebs erkranken – und bei den restlichen Mäusen schreitet der Prozess nur sehr langsam fort. Gleichzeitig zeigten die Tiere keine Defekte, obwohl ihnen dieses Zellwettbewerb-Protein fehlte. Das Flower-Protein biete deshalb ideale Voraussetzungen, um einen therapeutischen Ansatz zu entwickeln. „Mit Antikörpern gegen das Flower-Protein könnte demnach die Krebsenwicklung gehemmt werden“, erläutert Moreno.

Zusätzlich kann das Protein eingesetzt werden, um Hautkrebs im Entstehungsstadium zu erkennen. Unter bestimmten Bedingungen markiert es Krebszellen, noch während diese sich im „normalen“ Zellwettbewerb teilen – also noch bevor sie zu wuchern beginnen. Für dieses frühe Stadium der Krebsentwicklung gibt es noch keine diagnostischen Möglichkeiten. „Der anfängliche Prozess, in dem gesunde Zellen von krebsartigen über das Flower-Protein verdrängt werden, ist mit dem Auge nicht erkennbar, da die Krebszellen auf Kosten der normalen Zellen wachsen“, erläutert Dr. Christa Rhiner. Sichtbar werden sie erst in einem fortgeschrittenen Stadium: Kleine Tumore, die später vom Pathologen erkannt werden, bestehen meist schon aus Millionen von kanzerogenen Zellen.

Weitere Informationen zum Thema:

Pressemitteilung der Universität Bern: Möglicher neuer Ansatz gegen Krebs im Frühstadium entdeckt. 25. Mai 2012

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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 26.05.2012
 
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