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Plastik-Weichmacher begünstigen Diabetes

Experten fordern Austausch gefährlicher Stoffe in Kunststoffen

Infusionsbeutel können gefährliche Weichmacher enthalten

Infusionsbeutel können gefährliche Weichmacher enthalten
(Quelle: s.media/pixelio.de)

Bestimmte Weichmacher in Kunststoffen, so genannte Phthalate, fördern offenbar die Entstehung eines Diabetes mellitus Typ 2. Einer aktuellen schwedischen Studie zufolge sind Menschen mit Diabetes auffällig mit Phthalaten belastet. Weichmacher stecken etwa in Verpackungen und vielen Kosmetikartikeln, aber auch in Medikamenten und Medizinprodukten wie Kathetern oder Blutbeuteln und wurden bereits in der Vergangenheit mit Unfruchtbarkeit oder genitalen Fehlbildungen bei Kindern in Verbindung gebracht. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) fordert deshalb, diese Weichmacher durch unschädliche Stoffe zu ersetzen.

Phthlate werden in sehr großen Mengen industriell erzeugt und als Weichmacher für Kunststoffe wie etwa PVC verwendet. „Man weiß heute, dass diese Stoffe die Gesundheit des Menschen schädigen“, erklärt Prof. Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Endokrinologe aus Bochum. „Sie sind daher innerhalb der Europäischen Union etwa in Kinderspielzeug verboten.“ Für Verpackungen von Lebensmitteln wurden die Richtwerte für Phthalatgehalte inzwischen gesenkt. Aber viele Medizinprodukte wie Blut- und Infusionsbeutel, Schläuche oder Katheter enthalten den Weichmacher noch immer in höheren Konzentrationen. Die Stoffe lösen sich leicht aus dem Kunststoff und gelangen auf diese Weise in den menschlichen Körper.

Etliche Weichmacher stören als „endokrine Disruptoren“ das menschliche Hormonsystem, indem sie zum Beispiel männliche Sexualhormone hemmen. Studien aus Deutschland und den USA fanden wiederholt hormonell aktive Phthalate im Urin der Bevölkerung. Teilweise überschritten die Konzentrationen sogar die empfohlenen Richtwerte. Zudem können sich unterschiedliche Phthalate in ihrer schädigenden Wirkungen steigern. Bei Männern können sie Unfruchtbarkeit fördern und bei Neugeborenen Fehlbildungen der Geschlechtsorgane hervorrufen.

Die neue schwedische Untersuchung zeigt nun einen Zusammenhang zwischen Phthalaten und Diabetes Typ 2. Die Forscher der Universität Uppsala untersuchten gut 1.000 Menschen im Alter über 70 Jahren auf die Erkrankung. Etwa jeder neunte Teilnehmer litt an einem Diabetes. Bei fast allen Patienten fanden die Forscher mindestens vier von zehn Abbauprodukten von Phthalaten. Drei dieser so genannten Metabolite standen im Zusammenhang mit einem erhöhten Diabetesrisiko. Die Forscher vermuten, dass die betroffenen Weichmacher den Zuckerhaushalt beeinflussen. Eine kleine mexikanische Untersuchungsreihe wies ebenfalls auf ein erhöhtes Diabetesrisiko durch Phthalate hin.

„Anscheinend hemmen bestimmte Phthalate die Bildung von Insulin“, erläutert Schatz. „Andere begünstigen dagegen vermutlich eine Resistenz gegen das Hormon. Dieser Zusammenhang muss nun möglichst rasch durch Studien geklärt werden.“ Da bestimmt Weichmacher offenbar auch andere gesundheitliche Schäden hervorrufen können, fordert die DGE, phthalathaltige Medizinprodukte durch phthalatfreie zu ersetzen. Im März 2010 hat die EU zumindest eine Kennzeichnungspflicht für Medizinprodukte, welche Di(2-ethylhexyl)-Phthalat enthalten, erlassen.

Weitere Informationen zum Thema:

Pressemitteilung Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: DGE warnt vor Weichmachern in Plastik: Phthalate begünstigen Diabetes Typ 2. 29. Mai 2012

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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 29.05.2012
 
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