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Organtransplantation

Mit einer Organtransplantation kann die Lebensqualität des Betroffenen verbessert werden

Mit einer Organtransplantation kann die Lebensqualität des Betroffenen verbessert werden
(Foto: DynamicGraphicsValue)

Organtransplantation bezeichnet die Entnahme von Organen und Geweben aus ihrem ursprünglichen Ort und die Verpflanzung an eine andere Körperstelle am eigenen Körper (autologe Organtransplantation) beziehungsweise in den Körper eines anderen Menschen (allogene Organtransplantation). Die Organtransplantation zwischen Individuen verschiedener Arten, beispielsweise vom Schwein auf den Menschen, wird xenogene Transplantation genannt. Die Organtransplantation unterliegt in Deutschland – wie auch die Organspende – dem Transplantationsgesetz (TPG).

In Deutschland gibt es etwa 50 spezialisierte Transplantationszentren, in denen Organtransplantationen routinemäßig durchgeführt werden. Täglich werden ungefähr elf Organe verpflanzt. Besonders häufig handelt es sich dabei um eine Niere, gefolgt von Leber, Herz, Bauchspeicheldrüse und Lunge. Seit 1963 wurden in Deutschland etwa 93.500 Organtransplantationen durchgeführt. Aktuell werden etwa 12.000 Spenderorgane benötigt. Das sind weit mehr als zur Verfügung stehen. Auf eine Million Bundesbürger kommen im Schnitt etwa 14,6 Menschen, die einer Organspende zustimmen und sich damit bereit erklären, dass ihnen nach dem Tod Organe entnommen und einem anderen, schwerkranken Menschen, verpflanzt werden.

Folgende Organe können nach einer Organspende auf einen anderen Menschen transplantiert werden: Herz, Herzklappen, Leber, Lungen, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Darm, Teile der Haut, Hornhaut der Augen, Gehörknöchelchen, Blutgefäße, Knochen- und Knorpelgewebe, Sehnen und Hirnhaut.


Vorbereitung einer Organtransplantation

Bevor eine allogene Transplantation durchgeführt werden kann, muss der Betroffene verschiedene Kriterien erfüllen.

  • Seine Erkrankung muss so schwer sein, dass sie einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen könnte oder bereits lebensbedrohlich ist.
  • Eine andere Behandlung, beispielsweise Medikamente oder eine Operation, verspricht keine Verbesserung des Gesundheitszustands.
  • Eine Organtransplantation kann ein verlängertes Leben des Betroffenen bei besserer Lebensqualität ermöglichen. Diese Verbesserung des Gesundheitszustands ist ohne Organtransplantation nicht zu erreichen.
  • Der Gesundheitszustand des Organempfängers muss stabil genug sein.
  • Der Betroffene muss auf einer Warteliste für ein Spenderorgan geführt werden.


Es muss ein Organspender zur Verfügung stehen, der entweder in einer Lebendspende (Leber oder Niere) oder nach seinem Tod ein passendes Organ zur Verfügung stellt. Dieses Organ muss mit seinen Eigenschaften möglichst gut zum Organismus des Empfängers passen. So müssen bei Organspender und Organempfänger beispielsweise die Blutgruppen und andere genetische Eigenschaften übereinstimmen. Auch die Größe des Organs muss zum Empfänger passen.


Ablauf einer Organtransplantation

Bei der autologen Transplantation – beispielsweise bei einer Hauttransplantation nach einer Verbrennung – wird dem Betroffenen eigene Haut von einer intakten Körperstelle entnommen und damit die geschädigte Stelle bedeckt. Es existieren spezielle Verfahren, mit denen die entnommene Haut auf ein Vielfaches ihrer eigentlichen Größe ausgedehnt werden kann. Somit lassen sich auch größere Wunden bedecken.

Bei der allogenen Transplantation wird der Empfänger sehr kurzfristig über die Verfügbarkeit eines passenden Organs informiert und muss sich dann rasch in ein Transplantationszentrum begeben, wo er für die Operation vorbereitet wird. Bei einer Herztransplantation wird zunächst das eigene, kranke Organ aus dem Körper entfernt, bevor das Spenderorgan eingesetzt wird.

Nach einer erfolgreichen Organtransplantation verbringt der Betroffene noch einige Zeit auf der Intensivstation, wo sein Gesundheitszustand überwacht wird und sich nach der Operation noch weitere Untersuchungen anschließen. Es folgt in der Regel eine Behandlung im Rehabilitationszentrum, bevor der Betroffene nach Hause entlassen wird.

Nach einer Organtransplantation muss der Operierte lebenslang Medikamente einnehmen, die verhindern, dass die fremden Organe vom eigenen Immunsystem abgestoßen werden.


Wann werden Organtransplantationen notwendig?

Die Verpflanzung der Organe geschieht, um kranke, funktionsschwache oder fehlende Organe zu ersetzen. Durchgeführt werden beispielsweise Verpflanzungen der eigenen Haut nach Verbrennungen sowie Herzklappen- oder Knochentransplantationen. Gängig ist die Transplantation von eigenen Blutgefäßen aus dem Bein als Ersatz für geschädigte Herzkranzgefäße.

Im Endstadium verschiedener Erkrankungen von Nieren, Leber, Bauchspeicheldrüse, Herz oder Lunge ist eine Organtransplantation oft die einzige verbleibende Möglichkeit, das Leben des Betroffenen zu verlängern und Lebensqualität zurück zu gewinnen.


Komplikationen und Risiken von Organtransplantationen

Während es bei der autologen Transplantation in der Regel zu keinen Problemen kommt, da Organe des eigenen Körpers verpflanzt werden, kann die allogene Organtransplantation schweren Komplikationen hervorrufen.

Bei der Organtransplantation von einem Menschen auf einen anderen (Organspende) kann es zwischen dem Körper des Betroffenen und dem gespendeten Organ zu einer Unverträglichkeitsreaktion kommen. Das bedeutet, dass der Körper des Organempfängers das eingepflanzte Organ zerstört, da es aufgrund genetischer Unterschiede vom Körper als fremd erkannt wird. Dieser Vorgang wird Abstoßungsreaktion genannt. Je größer diese genetischen Unterschiede zwischen dem Organspender und dem Empfänger des Organs sind, desto stärker kann die Reaktion des Immunsystems ausfallen. Bei der allogenen Organtransplantation muss der Empfänger des Organs daher nach erfolgreicher Operation ein Leben lang Medikamente einnehmen, womit das Risiko von Nebenwirkungen verbunden ist. Die Unterdrückung des Immunsystems ist wiederum mit einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Tumoren verbunden.

Psychische Belastung einer Organtransplantation

Eine Organtransplantation stellt für die Betroffenen eine besondere psychische Belastungssituation dar. Sowohl die Wartezeit auf ein passendes Spenderorgan als auch die Zeit kurz vor der Operation sowie die Phase nach der Verpflanzung sind mit Gefühlen wie Angst, Zweifel, Hoffnung oder Dankbarkeit verbunden. Die Stimmungslage kann schwanken und den Betroffenen in ein euphorisches Hoch oder ein emotionales Tief versetzen. Frisch transplantierte Menschen müssen lernen, mit dem Verlust des eigenen Organs umzugehen und das Spenderorgan zu akzeptieren. Eine psychologische Begleitung kann dabei helfen, mit diesen Problemen besser zurechtzukommen.


Organtransplantation: die letzte Alternative

Nach einer langjährigen Erkrankung an Organen wie Leber, Herz, Lunge oder Nieren stellt die Organtransplantation oft die einzige Alternative und letzte Möglichkeit dar, um das Leben des Betroffenen zu verlängern und Lebensqualität zurück zu gewinnen. So geht der Transplantation einer Niere beispielsweise oft eine Dialysebehandlung voraus und die Verpflanzung der Augenhornhaut kann sehgeschädigten Menschen wieder zum Sehen verhelfen.


Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen zur Organtransplantation in der Hausarzt-Expertenrat.

Wenden Sie sich bei psychischen Problemen vor oder nach einer Organtransplantation an unsere Experten auf dem Portal MeinPsychiater.

Quellen:
Krukemeyer, M .G. und Lison, A. E. (Hrsg.). Transplantationsmedizin. Ein Leitfaden für den Praktiker. De Gruyter, Berlin 2006
Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln: http://www.organspende-info.de (Stand: Mai 2009)
Online-Informationen der Deutschen Stiftung Organtransplantationen (DSO), Frankfurt am Main: http://www.dso.de (Stand: Mai 2009)
Online-Informationen des Statistischen Bundesamtes, Bonn: http://www.gbe-bund.de (Stand: Mai 2009)

 

Autor: Jessica Schmid 
Letzte Änderung am: 26.06.2009
 
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