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Osteoporose

Verformungen der Wirbelsäule können ein Hinweis auf eine Osteoporoseerkrankung sein

Verformungen der Wirbelsäule können ein Hinweis auf Osteoporose sein
(Quelle: iStockphoto.com)

Osteoporose (Knochenschwund) ist die am häufigsten verbreitete Knochenerkrankung im höheren Lebensalter. Sie gilt als Volkskrankheit und zählt weltweit zu den zehn häufigsten Erkrankungen. Jeder vierte Deutsche über 50 Jahre ist betroffen - häufig ohne es zu wissen. Wörtlich übersetzt heißt Osteoporose "löchriger Knochen". Genauer gesagt ist bei der Osteoporose die Struktur der Knochen geschädigt und die Substanz verringert. Männer haben von Natur aus eine höhere Knochendichte und erkranken seltener. Frauen tragen zudem wegen der hormonellen Umstellung nach den Wechseljahren (Menopause) ein höheres Risiko. Nahezu jede dritte Frau erkrankt in dieser Lebensphase an Osteoporose. Es kommt häufig zu Knochenbrüchen (Frakturen). Besonders anfällig sind dafür Hüfte, Handgelenk und Wirbelsäule.

Man unterscheidet bei der Osteoporose zwischen einer primären und einer sekundären Form. Bei der sekundären Form tritt die Osteoporose als Folge einer anderen Krankheit (zum Beispiel Schilddrüsen-Überfunktion, Diabetes mellitus, rheumatische Erkrankungen) auf oder sie ist eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente (zum Beispiel Kortisonpräparate). Meistens (zu 95 Prozent) handelt es sich aber um die primäre Osteoporose, bei der zwei Grundtypen auftreten. Unter Typ I fallen Frauen, die nach den Wechseljahren erkrankt sind (postmenopausale Osteoporose). Unter Typ II versteht man die Altersosteoporose (senile Osteoporose). Diese nimmt ab dem 70. Lebensjahr bei beiden Geschlechtern stetig zu.


Wie entsteht eine Osteoporose?

Mit 40 Jahren setzt bei jedem Menschen ein natürlicher Abbauprozess der Knochenmasse ein. Sie verringert sich jährlich um 0,5 Prozent. Frauen sind dabei im Nachteil: Sie haben generell eine geringere maximale Knochenmasse, die in den Wechseljahren nochmals deutlich abnimmt.


Risikofaktoren für das Entstehen einer Osteoporose sind:
  • zunehmendes Alter
  • weibliches Geschlecht
  • genetische Veranlagung
  • mangelnde körperliche Aktivität
  • ungenügende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D
  • Mangel an Geschlechtshormonen, Östrogenmangel bei Mädchen und jungen Frauen (durch verzögerte Pubertät), früher Eintritt der Wechseljahre
  • starker Zigaretten- und Alkoholkonsum
  • Untergewicht (Body-Mass-Index von 20 und weniger)

Einige dieser Risikofaktoren hängen miteinander zusammen - wie die Einlagerung von Kalzium mit den Geschlechtshormonen und Vitamin D. Für die Festigkeit der Knochen sorgt vor allem der Mineralstoff Kalzium. Um dieses in den Knochen einlagern zu können, braucht der Körper Vitamin D und ein bestimmtes Schilddrüsenhormon (Calcitonin). Eine entscheidende Rolle bei der Steuerung dieses Hormons spielen wiederum andere Hormone: die weiblichen und männlichen Geschlechtshormone (Östrogen und Testosteron). Lässt die Konzentration der Geschlechtshormone im Körper nach, zieht das in einer Kettenreaktion ein Ungleichgewicht im Stoffwechsel nach sich. Die Folge: Es wird nicht mehr ausreichend Kalzium in den Knochen eingelagert - sie verlieren dadurch an Festigkeit.

Während der Sexualhormonmangel bei Männern sich schleichend bis ins hohe Alter entwickelt, ist bei den Frauen der markante Wendepunkt in den Wechseljahren. Die Eierstöcke stellen die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene) ein. Der Östrogenmangel setzt im Körper eine Reaktion in Gang, durch die letztlich die Knochenmasse abnimmt.

Die Osteoporose wirkt sich auf das gesamte Skelett aus (systemische Knochenerkrankung). Dennoch verlieren einige Knochen schneller an Stabilität als andere, weil sie unterschiedlich aufgebaut sind.


Symptome bei Osteoporose

Die Osteoropose verläuft schleichend und bleibt anfangs meistens unbemerkt. Erste Anzeichen können allerdings Knochenschmerzen sein - insbesondere im Rücken. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung begleiten häufig Knochenbrüche - ohne große Unfallursache - die Erkrankung. So kann schon eine ungünstige Drehbewegung oder ein plötzliches Niesen einen Wirbelbruch verursachen. Auch bei Menschen, die mehr als vier Zentimeter "geschrumpft" sind, ist eine Osteoporose wahrscheinlich. Brechen die Wirbelkörper, krümmt sich die Wirbelsäule nach vorn.

Der für die Krankheit typische, geduckte Rundrücken ("Witwenbuckel") entsteht. Das kann einen Größenverlust von bis zu 20 Zentimetern bedeuten. Verkrümmte oder gebrochene Knochen schränken die Beweglichkeit ein und können starke Schmerzen verursachen. Daher nehmen viele eine Schonhaltung ein. Diese führt wiederum zu schmerzenden Muskelverspannungen.


Wie eine Osteoporose festgestellt wird

Im Gespräch stellt der Arzt fest, welche Risikofaktoren für eine Osteoporose bestehen. Die Körpergröße und das Gewicht werden gemessen. Bei der körperlichen Untersuchung können Wirbelsäulenverformungen (Rundrücken) festgestellt werden. Einfache Tests für Muskelkraft und Gleichgewichtssinn geben Aufschluss über bereits vorhandene Bewegungseinschränkungen und das Sturzrisiko.

Üblicherweise werden für die Diagnose bildgebende Verfahren (wie Röntgen und Knochendichtemessung) und Laboruntersuchungen eingesetzt. Es gibt bisher keine Möglichkeit, die Osteoporose frühzeitig festzustellen. Spätere Schäden lassen sich auf dem Röntgenbild erkennen. Anhaltspunkte zur Medikation gibt die Knochendichtemessung (Osteodensitometrie). Bei Verdacht auf Osteoporose wird der Arzt gegebenenfalls weitere Untersuchungsmethoden hinzuziehen, um andere Erkrankungen auszuschließen.


Röntgenuntersuchungen

Bei einer Röntgenuntersuchung können bereits bestehende Knochenbrüche festgestellt werden. Außerdem lassen sich auf dem Röntgenbild in der Knochenstruktur Anzeichen für Osteoporose erkennen - allerdings erst bei einer Abnahme der Knochenmasse von mindestens 30 Prozent.

Knochendichtemessung (Densitometrie)

Eine stark erniedrigte Knochendichte ist Kennzeichen der Osteoporose. Um die Knochendichte zu ermitteln, nimmt der Arzt mit einem speziellen Röntgengerät eine Messung an der Lendenwirbelsäule und im Hüftbereich vor (DXA-Technik). Daraus ergibt sich der so genannten "T-Wert". Dieser ist ein Anhaltspunkt, um im Zusammenhang mit den anderen Untersuchungsergebnissen das Knochenbruchrisiko abschätzen zu können.

Basislaboruntersuchungen

Blutuntersuchungen können klären, ob andere Erkrankungen oder Mangelzustände vorliegen, welche die Entwicklung einer Osteoporose begünstigen (sekundäre Osteoporose).


Therapie der Osteoporose

Je nach Auswirkung der Osteoporose besteht die Therapie darin, den Knochenstoffwechsel günstig zu beeinflussen, Knochenbrüche zu versorgen und die Schmerzen zu lindern.

Oberstes Ziel jeder Therapie ist es, Knochenbrüche weitestgehend zu vermeiden und die Knochenstabilität möglichst zu verbessern. Um das zu erreichen, wird empfohlen:

  • Muskelkraft und Koordination durch Bewegungstherapie auszubauen
  • Sturzrisiken zu vermeiden
  • eine knochengesunde Lebensweise einzuführen
  • Nikotin zu meiden
  • auf eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D zu achten
  • nach ärztlicher Absprache Medikamente zu vermeiden, die das Sturzrisiko erhöhen

Ob darüber hinaus Medikamente zum Knochenaufbau oder zur Schmerztherapie notwendig sind, entscheidet der Arzt im Einzelfall.


Kalzium und Vitamin D

Kalzium und Vitamin D sind Grundlage jeder Osteoporosebehandlung. Insbesondere bei altersbedingter Osteoporose liegt meistens ein Kalzium- und Vitamin-D-Mangel vor. Ab dem 65. Lebensjahr ist es ratsam, täglich 1.500 mg Kalzium zuzuführen. Um ausreichend Vitamin D zu bilden, benötigt der Körper mindestens eine halbe Stunde Sonnenlicht am Tag an Gesicht und Armen. Dieses kann durch eine Einnahme von 400 bis 1.200 mg Vitamin D ersetzt werden. Zusatzmittel sollten jedoch nur in Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Medikamente

Bisphosphonate (Alendronat und Risedronat) reduzieren das Risiko für Knochenbrüche nachweislich um 50 Prozent. Sie verhindern einen übermäßigen Knochenabbau und stärken gleichzeitig den noch vorhandenen Knochen.

Strontiumranelat senkt bei Osteoporose nach den Wechseljahren bei Frauen das Risiko von Wirbelsäulen- und Hüftbrüchen. Es hemmt einen übermäßigen Knochenabbau und steigert die Aktivität der knochenaufbauenden Zellen.

Raloxifen zählt zu den "Selektiven Estrogen Rezeptor Modulatoren" (SERM). Es verhindert Knochenabbau, reguliert den Knochenstoffwechsel und senkt das Risiko an Wirbelbrüchen.

Heutzutage wird von der Östrogen-/Gestagentherapie zur Behandlung von Osteoporose abgeraten. Erstens lässt sich dadurch eine bereits eingetretene Verringerung der Knochenmasse nicht mehr rückgängig machen. Zweitens ist mit der Einnahme von Östrogen ein erhöhtes Risiko für Herzanfall, Schlaganfall und Brustkrebs verbunden.

Je fortgeschrittener die Krankheit ist, desto größer ist das Risiko, dass ein Knochen bricht. Die Nachbehandlung von Brüchen ist somit ein wesentlicher Bestandteil der Therapie.


Verlauf von Osteoporose

Anfangs bleibt die Osteoporose meistens unbemerkt und verursacht keine Schmerzen. Sie schreitet langsam voran. Knochenbrüche zeigen an, dass die Erkrankung bereits sehr weit fortgeschritten ist.

Die Vorbeugung und frühzeitige Behandlung der Osteoporose spielt eine entscheidende Rolle für das Voranschreiten der Krankheit. Bleibt die Osteoporose unbehandelt, führt das langfristig zu:

  • Abnahme der Körpergröße
  • Rundrücken
  • vielfachen Knochenbrüchen
  • heftigen Knochenschmerzen
  • zunehmenden Bewegungseinschränkungen

Durch die starke Bewegungseinschränkung sind die Betroffenen schon früh auf fremde Hilfe angewiesen. Insbesondere im ersten Jahr nach einem Knochenbruch leiden die Betroffenen besonders darunter. Die Lebensqualität wieder herzustellen, ist neben der medizinischen Versorgung in dieser Zeit besonders wichtig.


Wie kann man einer Osteoporose vorbeugen?

Wer der Osteoporose vorbeugt, kann die Krankheit verhindern oder zumindest ihren Ausbruch verzögern. Körperliche Bewegung fördert den Knochenaufbau. Anspannungsübungen, ohne dabei das Gelenk zu bewegen (isometrische Übungen), eignen sich besonders.

Kalzium gibt den Knochen Festigkeit - im Erwachsenenalter sind täglich 1.000 mg und ab dem 65. Lebensjahr 1.500 mg für eine ausreichende Versorgung notwendig.

Um das Kalzium in den Knochen einzubauen, braucht der Organismus Vitamin D. Dieses bildet der Körper mithilfe von Sonnenlicht. Täglich eine halbe Stunde Bewegung an der frischen Luft reicht dafür schon aus.


Weitere Fragen zum Thema Osteoporose können Sie an die Fachärztin im Expertenrat Alterskrankheiten richten.

Weitere Informationen finden Sie bei Netzwerk-Osteoporose e.V.:






Quellen:
Baenkler, H-W., u.a.: Kurzlehrbuch innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2007
Häussler B., Gothe H., Mangiapane S., Glaeske G., Pientka L., Felsenberg, D.: Versorgung von Osteoporose-Patienten in Deutschland. Ergebnisse der BoneEVA-Studie. In: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 103, Heft 39, S. A2542- A2548, (29.9.2006)
Herold, G.: Innere Medizin, Eigenverlag, Köln 2008
Online-Informationen des Kuratorium Knochengesundheit e.V.: http://www.osteoporose.org (Stand April 2008)
Leitlinie des Dachverbandes der Deutschsprachigen Osteologischen Fachgesellschaften zur Osteologie. Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Frauen ab der Menopause, bei Männern ab dem 60. Lebensjahr. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 034/003 (Stand Juni 2006)

 

Autor: Melanie Wilberg 
Letzte Änderung am: 19.06.2013
 
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