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Paukenerguss

Bei Verdacht auf einen Paukenerguss wird das betroffene Ohr sorgfältig untersucht

Bei Verdacht auf einen Paukenerguss wird das betroffene Ohr sorgfältig untersucht
(Quelle: Jupiter Images)

Paukenerguss (Serotympanon), auch Tubenkatarrh genannt, ist eine Störung der Ohrtrompete, bei der sich Flüssigkeit in der Paukenhöhle im Mittelohr ansammelt. Die Paukenhöhle ist Teil des Mittelohrs und durch die Tube oder Ohrtrompete mit dem Nasen-Rachen-Raum verbunden. Das Trommelfell trennt den Gehörgang und die Paukenhöhle voneinander. In der Paukenhöhle befinden sich die Gehörknöchelchen und Luft. Sie ist von innen mit Schleimhaut überzogen. Die Aufgaben der Paukenhöhle sind die Belüftung des Mittelohrs und der Druckausgleich über den Nasen-Rachen-Raum.

Man unterscheidet den akuten und den chronischen Paukenerguss.

Bei Kindern ist der Paukenerguss eine der häufigsten Erkrankungen: Bis zu 90 Prozent aller Kinder unter acht Jahren haben mindestens ein Mal einen akuten Paukenerguss. Einen chronischen, also länger als drei Monate andauernden, haben etwa ein Viertel der Kinder unter sieben Jahren.


Welche Ursachen hat ein Paukenerguss?

Der akute Paukenerguss tritt meist in Folge oder gemeinsam mit einer Erkältungskrankheit mit Atemwegsinfektion auf ? besonders häufig Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen. Auch Allergien können einen Paukenerguss auslösen. Bei Kindern sind besonders häufig vergrößerte Rachenmandeln ("Polypen") die Ursache.

Wie entsteht ein Paukenerguss?

Die Tube schwillt bei einem Paukenerguss an und lässt nicht mehr genügend Luft in die Paukenhöhle. Durch die unzureichende Belüftung kommt es zu einem vermehrten Druck in der Paukenhöhle und es staut sich Flüssigkeit. Gleichzeitig zieht sich das Trommelfell nach innen.

Ein nicht behandelter akuter Paukenerguss wird chronisch. Dabei wird die zunächst dünne Flüssigkeit in der Paukenhöhle zäh. Die Schleimhaut der Paukenhöhle verändert sich und produziert Becherzellen, die wiederum vermehrt zähen Schleim herstellen. Neben einer fortschreitenden Hörminderung besteht vor allem das Risiko einer chronischen Mittelohrentzündung.


Symptome eines Paukenergusses: Hörminderung und Druckgefühl

Typisch bei einem Paukenerguss ist eine Hörminderung auf einem oder beiden Ohren. Die Paukenhöhle ist auch an der Weiterleitung des Schalls beteiligt. So lange der Paukenerguss also nicht behandelt wird, nimmt die Hörminderung weiter zu.

Unspezifisches Druckgefühle, Ohrgeräusche (Tinnitus) oder Schmerzen im Ohr können ebenfalls Anzeichen eines Paukenergusses sein.


Wie wird ein Paukenerguss diagnostiziert?

Nach einem Gespräch über die Krankheitsgeschichte mit dem Hals-Nasen-Ohren-Arzt (Anamnese) wird das Ohr gründlich untersucht. Bei der Ohrenspiegelung (Otoskopie) lassen sich Veränderungen am Trommelfell und Flüssigkeitsansammlungen erkennen.

Hörtest

Um die Funktionen von Trommelfell und Tube besser einschätzen zu können, wird eine Tympanometrie durchgeführt. Die Tympanometrie gehört zu den Impedanzprüfungen. Bei diesen Prüfungen wird der akustische Widerstand des Trommelfells gemessen. Während der Tympanometrie erfolgt dies unter veränderten Druckzuständen.


Wie wird ein Paukenerguss therapiert?

Bei einem akuten Paukenerguss ist die Behandlung mit Medikamenten in der Regel ausreichend. Nasentropfen und -sprays wirken abschwellend und ermöglichen so wieder die Belüftung des Mittelohrs. Bei Kindern kommt es zudem häufig zu einer Spontanheilung ohne Behandlung. Trotzdem ist es ratsam, bei Verdacht auf einen Paukenerguss oder anderen Ohrenbeschwerden einen Arzt, idealerweise einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen.

Operative Behandlungsmethoden: Adenotomie und Parazentese

Der chronische Paukenerguss ist hartnäckiger und häufig nur durch operative Verfahren erfolgreich zu behandeln. Sind vergrößerte Rachenmandeln ("Polypen") die Ursache für die Erkrankung, kann deren Entfernung (Adenotomie) hilfreich sein. Dieser Eingriff ist für Erwachsene nur bedingt geeignet, da die möglichen Nebenwirkungen erheblich schwerer sind als bei Kindern.

Bei der Parazentese wird das Trommelfell leicht eingeritzt und die Flüssigkeit aus der Paukenhöhle abgesaugt. Häufig wird anschließend ein Paukenbelüftungsröhrchen in das Trommelfell eingesetzt. Es gewährleistet langfristig eine ausreichende Belüftung des Mittelohrs und kann nach einigen Monaten wieder entfernt werden. Die Parazentese ist relativ risikoarm und kann in den meisten Fällen ambulant unter lokaler Betäubung stattfinden.


Wie verläuft ein Paukenerguss?

Häufig heilt ein Paukenerguss von alleine wieder ab. Besonders bei Kindern kommt dies oft vor. Wird ein Paukenerguss nicht bemerkt und es kommt zu einer zunehmenden Hörminderung, können sich vor allem für Kinder Komplikationen ergeben: Sie bemerken die zunehmende Schwerhörigkeit oftmals nicht. Das führt langfristig zu Entwicklungsstörungen, betroffene Kinder gelten als "zurückgeblieben". Um eine frühzeitige Entdeckung eines Paukenergusses zu gewährleisten, ist deshalb die Wahrnehmung von Vorsorgeuntersuchungen besonders wichtig. Es ist zudem ratsam, bei Verdacht auf eine Hörminderung einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen.


Paukenerguss: Wie kann man ihm vorbeugen?

Passiv- und Aktivrauchen gehört zu den größten Risikofaktoren für die Entstehung eines Paukenergusses. Da ein Paukenerguss häufig mit Atemwegsinfektionen einhergeht, ist es sinnvoll, vor allem in der nass-kalten Jahreszeit die Abwehr zu stärken. Gesunde und vitaminreiche Ernährung sowie Bewegung an der frischen Luft können dabei helfen, das Immunsystem zu stärken.


Wenn Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben, können Sie diese zum Beispiel in der HNO-Expertenrat direkt an unsere Experten richten.

Quellen:
Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2000
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007
Werner, J. A., Lippert, B. M.: HNO-Heilkunde: Farbatlas zur Befunderhebung, Differentialdiagnostik und Therapie. Schattauer, Stuttgart 2003

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 03.11.2008
 
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