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Vorhautverengung (Phimose)

Eine Vorhautverengung kann mit Salbe oder einer OP behandelt werden

Eine Vorhautverengung kann mit Salbe oder einer OP behandelt werden
(Quelle: BirgitH/PIXELIO)

Unter einer Vorhautverengung versteht man eine Verengung des vordersten Anteils der Penisvorhaut (Praeputium). Die Vorhaut bedeckt die Eichel (Glans) des Penis. Bis etwa zum dritten Lebensjahr sind Vorhaut und Eichel miteinander verklebt. Nach und nach löst sich diese Verklebung und ist spätestens mit Eintreten der Pubertät gelöst.

Bei der vollständigen Phimose lässt sich die Vorhaut bei erschlafftem Penis nicht über die Eichel zurückziehen, bei der unvollständigen Phimose ist das Zurückziehen schwierig und bei Erektion unmöglich. Bei der Paraphimose hat sich die Vorhaut über die Eichel zurück geschoben und schnürt sie dadurch ab.

Im siebten Lebensjahr liegt bei etwa acht Prozent der Jungen eine Vorhautverengung vor. In der Altersgruppe der 16- bis 18-Jährigen ist nur noch einer von hundert Jugendlichen betroffen.


Was verursacht eine Vorhautverengung?

Eine Vorhautverengung kann angeboren sein oder erworben. Eine Entzündung der Eichel (Balanitis) oder auch Erkrankungen des Bindegewebes und der Haut können eine Vorhautverengung verursachen oder begünstigen. Ein Beispiel hierfür ist der Lichen sclerosus et atrophicus. Auch kleine Einrisse und dadurch entstehende Narben können eine Phimose verursachen. Beispielsweise begünstigen wiederholte Versuche, die Vorhaut bei kleinen Kindern zu früh zurück zu ziehen, die Entstehung der Vorhautverengung.


Wie äußert sich die Vorhautverengung?

Bei der Vorhautverengung ist es nicht möglich, die Vorhaut so zurück zu ziehen, dass die Eichel sichtbar wird.

Ist die Vorhaut so eng, dass dadurch auch die Harnröhre eingeengt wird, kann es schwierig sein, die Blase vollständig zu entleeren. In diesen Fällen bläht sich die Vorhaut beim Wasserlassen ballonförmig auf. Dies begünstigt die Vermehrung von Bakterien in der Blase, es kommt gehäuft zu Blasenentzündungen. Auch Entzündungen der Eichel und der Vorhaut kommen häufiger vor.


Wie wird die Vorhautverengung diagnostiziert?

Die entscheidenden Schritte zur Diagnose der Vorhautverengung sind die gründliche körperliche Untersuchung und die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Insbesondere Vorerkrankungen sind wichtig. Beispielsweise stellt der Diabetes mellitus einen Risikofaktor für die Entstehung einer Vorhautverengung dar.

Diagnostische Maßnahmen wie eine Blutentnahme können in einigen Fällen hilfreich sein, beispielsweise bei akuten Entzündungen.


Wie behandelt man die Vorhautverengung?

In einigen Fällen lässt sich die Vorhautverengung bei Kindern mit einer Kortison-haltigen Creme lösen. Diese Creme wird über etwa sechs Wochen zweimal täglich auf die Penisspitze aufgetragen. In etwa der Hälfte der Fälle ist diese Therapie wirksam.

Etwa ab dem dritten Lebensjahr wird die Vorhautverengung in den meisten Fällen operativ mit einer Beschneidung (Zirkumzision) behandelt. Hierbei wird die Vorhaut gelöst und entfernt. Meist erfolgt die vollständige Beschneidung, sodass die Eichel ganz frei gelegt wird.

Bei der Paraphimose muss die Eichel möglichst schnell unter die Vorhaut zurück geschoben werden. Dies gelingt in einigen Fällen durch vorsichtige Massage unter Narkose. In einigen Fällen muss auch die Vorhaut eingeschnitten und später operativ entfernt werden.


Wie verläuft die Vorhautverengung?

Die so genannte physiologische Phimose bei Kindern löst sich meist von selbst. Andere Fälle der Vorhautverengung, insbesondere bei Erwachsenen, können zu Entzündungen von Eichel und Vorhaut (Posthitis und Balanitis) führen, da sich unter der Vorhaut Krankheitserreger ansammeln und vermehren können. Außerdem kommt es häufiger zu Entzündungen der Blase (Cystitis). Die Vorhautverengung stellt auch einen Risikofaktor für die Entstehung von Krebs (Peniskarzinom) dar.

Die Phimose kann eine Paraphimose verursachen. Hierbei wird die enge Vorhaut hinter der Eichel eingeklemmt und schnürt diese dadurch ab. Diese Komplikation findet sich typischerweise nach vollzogenem Geschlechtsverkehr. Besteht die Paraphimose lange, wird die Eichel ungenügend durchblutet, sodass das Gewebe absterben kann (Gangrän). Die Paraphimose sollte daher immer möglichst schnell behandelt werden.


Wie kann man vorbeugen?

Um Komplikationen der Vorhautverengung bei kleinen Kindern vorzubeugen, sollte man die Vorhaut in den ersten Lebensjahren nicht aktiv zurückziehen. Erwachsene sollten durch gründliche Hygiene Entzündungen von Eichel und Vorhaut vorbeugen, die eine Vorhautverengung nach sich ziehen können.

Quellen:
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie: Phimose und Paraphimose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 006/052 (Stand: April 2008)
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2004
Gesenhues S., Ziesché R: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer, München 2003
von Harnack G., Koletzko B.: Kinderheilkunde. Springer, Berlin, 1997

 

Autor: Dr. med. Ulrike Henning 
Letzte Änderung am: 02.12.2008
 
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