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Phlebographie (Röntgendiagnostik der Venen)

 Phlebographie stellt tief liegende Venen dar

Bei einer Phlebographie werden tief liegende Venen mittels Röntgen sichtbar gemacht, z.B. die des Beins
(Quelle: LifeART)

Die Phlebographie ist ein Röntgenverfahren, bei dem die tiefen Leitvenen der Beine, die Beckenvenen oder die Schulter-Arm-Venen mittels Kontrastmittel dargestellt werden. Die Phlebographie ist selten das Verfahren der ersten Wahl und wird häufig als Folgeuntersuchung nach einem Ultraschall (Sonographie) eingesetzt. Abgeklärt werden dadurch ungenaue Befunde bei Verdacht auf Thrombose. Des Weiteren werden Krampfadern untersucht, die Venenklappenfunktion geprüft sowie Thrombosebehandlungen nachkontrolliert. Die Stärke dieser Methode liegt vor allem in der zuverlässigen Darstellung von Thrombosen in den Unterschenkelleitvenen und Oberschenkelvenen.


Vorbereitungen zu einer Phlebographie

Vor einer Phlebographie sollte die zu untersuchende Person nach Möglichkeit vier Stunden nichts gegessen haben – also nüchtern erscheinen. Eventuell wird vorbereitend noch ein warmes Fußbad gemacht, damit sich die Venen weiten und die Haut aufweicht, um einen besseren Venenzugang legen zu können.


Ablauf und Verfahren einer Phlebographie

Thrombosen treten am häufigsten an den Bein-Beckenvenen und der unteren Hohlvene auf. Aus diesem Grund werden Ablauf und Verfahren anhand der Bein-Phlebographie geschildert.

Die zu untersuchende Person wird auf einer Kippliege in einem Winkel von 45 Grad gelagert. Das zu untersuchende Bein baumelt locker herunter. Auf dem Fußrücken wird eine Vene mit einer Kanüle punktiert und diese mit einem Klebestreifen fixiert. Über diese Kanüle wird das Kontrastmittel injiziert. Damit das Kontrastmittel über die tiefen Beinvenen abfließen kann, werden die oberflächlichen Venen über dem Knöchel abgebunden. Im Anschluss werden Röntgenbilder der Unterschenkel- und Knievenen aus verschiedenen Richtungen aufgenommen, um den Abfluss des Kontrastmittels zu verfolgen. Das Bein wird dabei nach innen und außen gedreht. Danach folgen Aufnahmen der Oberschenkel-, Becken- und unteren Hohlvene. Eine Thrombose zeichnet sich im Röntgenbild als scharf begrenzter Füllungsdefekt ab. Wird die Venenklappenfunktion überprüft, muss ähnlich wie beim Stuhlgang gepresst werden. Dadurch wird deutlich, ob venöses Blut zurück fließt oder die Venenklappen dicht sind. Die Untersuchung dauert ungefähr fünf bis zehn Minuten.

Nach der Untersuchung wird das Bein fest gewickelt oder ein Stützstrumpf angezogen. Ebenfalls sollte sich die untersuchte Person im Anschluss mindestens 30 Minuten bewegen, damit das Kontrastmittel aus den Beinvenen komplett abtransportiert wird. Ausgeschieden wird das Kontrastmittel über die Nieren. Um das zu beschleunigen muss nach der Untersuchung viel getrunken werden. Die drei darauf folgenden Tage sollte das Bein tagsüber weiter gewickelt werden.


Anwendungsgebiete der Phlebographie

Mit einer Phlebographie werden krankhafte Veränderungen der Venen untersucht und lokalisiert. Vor allem bei Verdacht auf eine Thrombose besteht die Gefahr, dass sich thrombotisches Material löst, durch das Gefäßsystem wandert und sich an einer engen Stelle absetzt. Geschieht dies, kann das Gewebe hinter dem Verschluss nicht mehr richtig durchblutet werden und nimmt Schaden. Gefährlich ist das besonders für die Gefäße der Lungenflügel, was häufig eine Lungenembolie und im schlimmsten Fall den Tod zur Folge hat.

Hauptuntersuchungsgebiete der Phlebographie sind die tiefen Leitvenen der Beine, die Beckenvenen, die untere Hohlvene, welche aus dem Zusammenfluss der beiden Beckenvenen entsteht, sowie die Schulter-Arm-Venen.

Untersuchungsgründe:

  • Thromboseverdacht
  • Krampfadern
  • Kontrolle nach einer Thrombosebehandlung
  • Druck auf die untere Hohlvene durch einen Tumor
  • Tumoreinbruch in die Vene

Welche Komplikationen oder Risiken können bei einer Phlebographie auftreten?

Nach der Untersuchung können gelegentlich Reizungen der Venenwand durch das Kontrastmittel auftreten. Bei einer Thrombose besteht außerdem das Risiko, dass sich durch das Kontrastmittel thrombotisches Material löst und wandert. Beim Einführen eines Katheters oder der Nadel kann die Venenwand durchstochen werden.

Eine Phlebographie darf nicht durchgeführt werden, wenn eine Kontrastmittelunverträglichkeit besteht. Kontraindiziert ist diese Untersuchung ebenfalls bei einer Schilddrüsenüberfunktion, chronischer Lymphstauung sowie akuten entzündlichen Prozessen am Unterschenkel, Fuß oder Schulter-Arm-Bereich.


Gibt es Alternativen zur Phlebographie?

Die Duplex-Sonographie, Computertomographie und Magnetresonanz-Angiographie gelten als alternative Untersuchungsmethoden zur Phlebographie. Nicht zu letzt, weil diese Verfahren nicht in den Körper eingreifen. Die Ultraschall-Untersuchung und Magnetresonanz-Angiographie erstellen außerdem Bilder ohne zusätzliche Belastung durch Röntgenstrahlen.

Die Duplex-Sonographie ist bei der Untersuchung von Blutgefäßen das Verfahren der ersten Wahl und wird einer Phlebographie vorgezogen. Sie bietet eine vergleichbare Treffsicherheit, ist beliebig oft wiederholbar und die Thrombusbeschaffenheit lässt sich besser beurteilen. Allerdings ist die Untersuchungszeit mit 20 Minuten doppelt so lang.

Mit der Computertomographie können Thromben der Bauch- und Beckenvenen sicher erkannt werden. Vor allem große Venen bildet die CT besser ab. Des Weiteren bietet sie eine differenzierte Darstellung zwischen alten und frischen Thromben sowie eine gute Abgrenzung der umgebenen Strukturen.

Die Magnetresonanz-Angiographie bietet ähnliche Vorteile wie die CT, wird aber wegen zu hoher Kosten nur in Ausnahmefällen eingesetzt.


Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen an die Experten in unserer Venen-Expertenrat auf der Gesundheitsberatung.


Quellen:
Zimmer-Brossy, M.: Lehrbuch der röntgendiagnostischen Einstelltechnik, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 1998
Diehm, C., Stammler, F., Amendt, K.: Die tiefe Venenthrombose – Diagnostik und Therapie, Deutsches Ärzteblatt, Online-Publikation (Februar 1997)
Walter de Gruyter (Hrsg.): Pschyrembel - Klinisches Wörterbuch, Walter de Gruyter, Berlin 2007

 

Autor: Antje Fischer 
Letzte Änderung am: 09.02.2009
 
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