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Plötzlicher Kindstod (SIDS)

Um dem plötzlichen Kindstod vorzubeugen, sollten Kinder beim Schlafen nicht überwärmen


Um dem plötzlichen Kindstod vorzubeugen, sollten Kinder beim Schlafen nicht überwärmen
(Quelle: BananaStock)

Plötzlicher Kindstod ist eine der häufigsten Todesarten von Kindern im ersten Lebensjahr. In Deutschland sterben etwa 0,5 bis 1,5 Prozent aller Neugeborenen daran, während sich die Rate in den Niederlanden nach einer umfassenden Aufklärungskampagne zur Vorbeugung des plötzlichen Kindstods auf 0,12 Prozent stark reduziert hat.

Der auch unter dem Kürzel SIDS (sudden infant death syndrome) bekannte plötzliche Kindstod ist nach aktueller Definition der plötzliche und unerwartete Tod eines zuvor gesunden Säuglings, dessen Ursachen nach eingehender Untersuchung nicht erklärbar sind.

SIDS kommt meist im ersten Lebensjahr vor. Etwa 90 Prozent aller Fälle treten dabei in den ersten sechs Lebensmonaten auf; am häufigsten zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat. Grundsätzlich kann es aber auch nach dem ersten Lebensjahr noch zum plötzlichen Kindstod kommen. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen.


Welche Ursachen hat der plötzliche Kindstod?

Die genauen Ursachen für den plötzlichen Kindstod sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Man vermutet multifaktorielle Ursachen. Das bedeutet, dass mehrere Faktoren und Umstände das Risiko für SIDS erhöhen. Einige dieser Risikofaktoren sind dabei bekannt. Sie werden in innere (endogene) und äußere (exogene) Risikofaktoren unterteilt.

Endogene Risikofaktoren für plötzlichen Kindstod


  • Frühgeburt, vor allem mit sehr niedrigem Geburtsgewicht
  • geringes Alter der Mutter
  • drogenabhängige Mutter
  • alleinstehende Mutter
  • Fehlbildungen von Organen

Exogene Risikofaktoren für plötzlichen Kindstod


  • Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft
  • Rauchen in der Umgebung des Kindes
  • Bauchlage während des Schlafs
  • Überwärmung
  • Weiche Bettunterlage

Als weitere Risikofaktoren werden das Nichtstillen und vorangegangene Infektionen durch Bakterien oder Viren diskutiert. Ein direkter Zusammenhang mit dem plötzlichen Kindstod konnte bislang jedoch noch nicht nachgewiesen werden.


Gibt es Symptome, die den plötzlichen Kindstod ankündigen?

Die allermeisten Säuglinge sterben nachts im Schlaf unbemerkt am plötzlichen Kindstod. Sie werden meist erst morgens leblos im Bett gefunden. Es gibt jedoch vorher eine Reihe von Symptomen, bei deren Auftreten umgehend ein Arzt aufgesucht werden sollte:


  • Blaufärbung von Haut und Schleimhäuten, vor allem an den Lippen
  • Starkes Schwitzen
  • Atemnot, flache Atmung und Atempausen
  • Schlaffe Muskulatur
  • Häufiges Erbrechen und Probleme beim Trinken

Bei Atemwegsinfektionen oder Fieber ist es ebenfalls ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Es ist wichtig, dass die Atemwege des Babys frei sind, damit es genügend Luft bekommt.

Was kann man bei Verdacht auf plötzlichen Kindstod tun?

Lassen sich noch Vitalfunktionen erkennen, ist eine sofortige Wiederbelebung erforderlich. Zunächst sind dies Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage. Der herbeigerufene Notarzt kann weitere Maßnahmen zur Stabilisierung des Babys einleiten.


Wie wird der plötzliche Kindstod festgestellt?

Zu den Untersuchungen, die nach dem Todesfall durchgeführt werden, gehört die Obduktion des Kindes und die Analyse der Todesumstände. Erst, wenn keine direkte oder indirekte Ursache gefunden werden kann, wird die Diagnose plötzlicher Kindstod gestellt.

Warum empfiehlt sich eine Obduktion?

Wenn der Verdacht auf plötzlichen Kindstod besteht, kann nach Einverständnis der Eltern eine Obduktion durchgeführt werden. Diese ist in mehrfacher Hinsicht wichtig: Zunächst wird eine nicht natürliche Todesursache ausgeschlossen. Besonders für Eltern ist dies zur Verarbeitung des Geschehens wichtig. Die Erkenntnisse der Obduktion lassen sich außerdem zur Erforschung des plötzlichen Kindstods heranziehen.


Dem plötzlichen Kindstod vorbeugen: die "3-R-Regel"

Da die genauen Ursachen für den plötzlichen Kindstod noch nicht eindeutig geklärt sind, lässt sich ihm nicht gezielt vorbeugen. Die äußeren Risikofaktoren sind aber beeinflussbar. Am wichtigsten ist dabei die Beachtung der "3-R-Regel": Rückenlage, Rauchfrei, Richtig gebettet. Die richtige Schlafumgebung kann helfen, SIDS zu verhindern. Dabei empfiehlt sich die Einhaltung einiger einfacher Regeln.

Welche Schlafumgebung wird empfohlen?

"Richtiges Schlafen" spielt bei der Vorbeugung des plötzlichen Kindstod eine wichtige Rolle. Die ideale Schlafumgebung ist zunächst ein eigenes Bett im Schlafzimmer der Eltern. Besonders empfehlenswert sind Gitterbetten, da sie die Luftzirkulation im Bett nicht behindern. Babys benötigen kein Kissen und keine Zudecke - ein Schlafsack reicht völlig aus. Der Verzicht auf Bettzeug schützt vor Überwärmung und stellt außerdem sicher, dass die Atmung nicht behindert wird. Ein "Nestbau", also die Umpolsterung des Babys im Bett, ist ebenfalls nicht sinnvoll.

Die ideale Raumtemperatur beträgt 16 bis 18 Grad. Es ist ratsam, den Schlafraum regelmäßig zu lüften. Es empfiehlt sich außerdem eine feste, luftdurchlässige Matratze mit glatter Oberfläche, die höchstens zehn Zentimeter dick ist. Wichtig ist außerdem die Schlafposition: Die ideale Position ist die Rückenlage. Schnuller sollen ebenfalls das Risiko für den plötzlichen Kindstod senken.

Schlafbekleidung

Es ist generell ratsam, Babys nicht zu dick anzuziehen. In Innenräumen und während des Schlafs sollte auf eine Kopfbedeckung verzichtet werden, da Babys überschüssige Körperwärme über den Kopf nach außen leiten. Windel und Schlafanzug ist eine völlig ausreichende Schlafbekleidung.

Bereits während der Schwangerschaft kann Rauch das Ungeborene schädigen. Und auch später sollte selbstverständlich auf Rauchen in der Nähe des Babys verzichtet werden, nicht nur um das Risiko für den plötzlichen Kindstod zu senken.



Quellen:
Online-Informationen der Ärztekammer Hamburg: www.aerztekammer-hamburg.de (Stand: April 2002)
Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.kindergesundheit-info.de (Stand: Oktober 2008)
Sitzmann, F. C.: Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2002
Speer, C. P., Gahr, M.: Pädiatrie. Springer Heidelberg 2005

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 27.10.2011
 
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