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Prostatakrebs (Prostatakarzinom)

Vegetarische Kost kann das Prostatakrebs-Risiko vermindern

Vegetarische Kost kann das Prostatakrebs-Risiko vermindern
(Quelle: AOK Bilderservice)

Als Prostatakrebs (Prostatakarzinom) bezeichnet man einen bösartigen Tumor der männlichen Vorsteherdrüse (Prostata). Die Prostata gehört zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes und umgibt den Anfangsteil der männlichen Harnröhre. Da sich die Prostata vor dem Mastdarm befindet, kann sie vom Arzt im Rahmen der rektalen Untersuchung mit dem Finger getastet und untersucht werden.

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes überhaupt. Derzeit werden in Deutschland pro Jahr ungefähr 50.000 Fälle von Prostatakrebs neu entdeckt. Diese Zahl ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Zurückzuführen ist dies unter anderem auf intensive Prostatakrebs-Früherkennung. Dies bedeutet, dass nicht unbedingt die Zahl der Erkrankungen angestiegen ist, sondern dass nur die Zahl der diagnostizierten Fälle zugenommen hat.

Wie entsteht Prostatakrebs?

Die genauen Ursachen der Krankheitsentstehung sind noch unbekannt. Mehrere Faktoren scheinen aber eine Rolle zu spielen:


  • Alter: Das Alter ist der größte Risikofaktor für die Entstehung von Prostatakrebs. Ist die Erkrankung in jungen Jahren noch ausgesprochen selten, so steigt die Zahl der Betroffenen mit zunehmendem Alter stark an. Über 90 Prozent der Patienten sind über 60 Jahre alt.
  • erbliche Faktoren: Ist ein Familienmitglied ersten Grades (Vater, Bruder) von Prostatakrebs betroffen, verdoppelt sich das Risiko für die übrigen männlichen Familienmitglieder an Prostatakrebs zu erkranken. Eine weitere Risikoerhöhung entsteht, wenn zwei oder mehr Verwandte ersten Grades oder zwei Verwandte vor dem 55. Lebensjahr erkranken. Etwa 10 Prozent aller Prostatakarzinome sind auf erbliche Faktoren zurückzuführen.
  • Hormonelle Faktoren: So genannte Androgene (u.a. Testosteron) spielen beim Wachstum des Prostatakarzinoms eine Rolle.
  • Ernährung: Essgewohnheiten können die Entstehung und das Wachstum von Prostatakrebs beeinflussen. Vor allem tierische Eiweiße und Fette wirken ungünstig.
  • Umweltfaktoren: Die Zahl der diagnostizierten Fälle von Prostatakrebs ist weltweit unterschiedlich. Umweltfaktoren und ethnische Herkunft scheinen daher ebenfalls eine Rolle bei der Krankheitsentstehung zu spielen.

Welche Symptome treten bei Prostatakrebs auf?

In einem frühen Stadium verursacht das Prostatakarzinom nur sehr selten Symptome. Erst bei Fortschreiten der Erkrankung können bestimmte Beschwerden auf Prostatakrebs hinweisen:


  • Beschwerden während der Blasenentleerung: Da die Prostata einen Teil der Harnröhre umgibt, muss bei Beschwerden während der Blasenentleerung (z.B. Schmerzen, Abschwächung des Harnstrahls, häufiges Wasserlassen, nächtliches Wasserlassen) auch an Prostatakrebs gedacht werden.
  • Blutbeimengungen im Urin
  • Beeinträchtigung der Darmentleerung
  • Knochenschmerzen: Bei einem Teil der Betroffenen hat der Krebs bereits in den Knochen gestreut, wenn die Erkrankung entdeckt wird (so genannte Metastasen). Skelettschmerzen sind daher in vielen Fällen das erste Symptom der Krankheit.

Wie wird ein Prostatakarzinom diagnostiziert?

Zur Diagnostik des Prostatakrebses stehen verschiedene Untersuchungen zur Verfügung. Meist werden sie in Kombination eingesetzt, um die Aussagekraft der Ergebnisse zu erhöhen.


  • Krankheitsgeschichte: Zu Beginn der Diagnostik steht die Krankheitsgeschichte des Betroffenen (Anamnese). Die Angabe der genauen Beschwerden, der relevanten Vorerkrankungen und der familiären Vorbelastung können dem Arzt erste wichtige Hinweise liefern.
  • rektale Untersuchung mit dem Finger: Vom Enddarm aus betastet der Arzt mit dem Finger die Prostata und beurteilt ihre Begrenzung, Konsistenz und Oberflächenbeschaffenheit. Da Prostatakrebs meist in dem Teil der Prostata entsteht, der dem Enddarm zugekehrt ist, können bereits kleine Veränderungen vom Arzt erkannt werden. Die rektale Untersuchung per Finger wird auch im Rahmen der Prostata-Krebsvorsorge (meist in Kombination mit der Bestimmung des PSA-Wertes) durchgeführt.
  • Bestimmung des PSA-Werts: Das Prostata-spezifische Antigen (PSA) wird als so genannter Tumormarker eingesetzt. Ein erhöhter Wert im Blut (im Allgemeinen > 4) kann auf Prostatakrebs hinweisen und sollte weiter abgeklärt werden. Allerdings schließt ein normaler PSA-Wert Prostatakrebs nicht sicher aus. Bei unklaren Befunden kann zusätzlich der Quotient des so genannten freien (ungebundenen) PSA zum Gesamt-PSA hilfreich sein.
  • Transrektaler Ultraschall: Durch den vom Enddarm aus eingeführten Ultraschall können Auffälligkeiten in der Gewebestruktur der Prostata entdeckt werden. Die Untersuchung kann als Hilfestellung zur Diagnosesicherung und zur Verlaufsüberwachung eingesetzt werden.
  • Prostatabiopsie: Bei jedem Verdacht eines Prostatakarzinoms (suspekte rektale Tast-Untersuchung oder Erhöhung des PSA-Werts) sollte eine Gewebeentnahme der Prostata durchgeführt werden. Mithilfe dieser so genannten Prostatabiopsie kann die Diagnose gesichert und anschließend die entsprechende Therapie eingeleitet werden. Heute wird die Prostata-Biopsie meist vom Enddarm aus vorgenommen. Die korrekte Lage wird dabei mithilfe eines Ultraschallgerätes kontrolliert. Falls die Biopsie negativ ist, aber weiterhin ein begründeter Verdacht auf Prostatakrebs besteht, ist es unter Umständen notwendig, die Biopsie zu wiederholen.
  • Knochenszintigraphie: Mit dieser Untersuchung können Metastasen im Knochen nachgewiesen werden. Weitere radiologische Untersuchungen kommen in der Diagnostik des Prostatakrebses nur in Ausnahmefällen zum Einsatz.

Wie wird Prostatakrebs behandelt?

Das jeweilige Stadium des Prostatakrebses ist entscheidend für das Behandlungskonzept. Neben der Operation kommen auch Strahlentherapie, Chemotherapie und Hormontherapie zum Einsatz.


  • Operation: Ist der Krebs vollständig auf die Prostata begrenzt, ist die Prostataentfernung (so genannte radikale Prostatektomie) die Therapie der Wahl. Die häufigsten Nebenwirkungen dieser Operation sind Impotenz und Harninkontinenz.
  • Strahlentherapie: In frühen Stadien stellt die Strahlentherapie eine Alternative zur radikalen Prostatektomie dar, zum Beispiel wenn das Operationsrisiko für den Betroffenen zu groß ist. Neben der herkömmlichen Strahlentherapie wird bei Prostatakarzinom häufig zusätzlich die so genannte Brachytherapie eingesetzt. Bei diesem Verfahren werden die Strahlungsquellen mithilfe von Hohlnadeln, die über den Damm eingeführt werden, direkt in die Prostata eingebracht.
  • Hormontherapie: Bei fortgeschrittenen Stadien, in denen bereits Metastasen aufgetreten sind, ist die Therapie mit Hormonen die sinnvollste Option. Durch spezielle Hormone soll die wachstumsfördernde Wirkung der Androgene auf die Prostata unterdrückt werden. Neben der operativen Entfernung der Hoden, in denen die Androgene produziert werden, stehen verschiedene medikamentöse Substanzen zur Verfügung.
  • Chemotherapie: Spricht der Prostatakrebs nur schlecht auf die übrige Therapie an, kann eine Chemotherapie erwogen werden.
  • Aktive Beobachtung: Unter bestimmten Umständen kann mit der Behandlung zunächst abgewartet und der Verlauf sorgfältig beobachtet werden. Unnötige Diagnostik und Therapien, die dem Betroffenen keinen Vorteil erbringen, sollen so vermieden werden. Ein solches Vorgehen kann zum Beispiel bei älteren Betroffenen (> 75 Jahre, Lebenserwartung < 15 Jahre) erwogen werden.

Wie verläuft Prostatakrebs?

Der Verlauf des Prostatakarzinoms hängt von dem Stadium, in dem die Erkrankung entdeckt wird, ab. Je eher dies geschieht, umso besser ist die Prognose. Nach radikaler Prostatektomie beträgt die Langzeit-Heilungsrate 90 Prozent. Insgesamt leben, über alle Stadien der Erkrankung betrachtet, nach fünf Jahren noch 87 Prozent aller Betroffenen. Da Prostatakrebs zu Beginn nur wenige Symptome verursacht, liegen bei Diagnosestellung häufig bereits Knochenmetastasen vor. Eine vollständige Heilung ist dann meist nicht mehr möglich. Nach abgeschlossener Behandlung ist regelmäßige Krebsnachsorge außerordentlich wichtig, um frühzeitig ein erneutes Auftreten der Erkrankung (so genanntes Rezidiv) zu erkennen. Hierbei beobachtet der behandelnde Arzt vor allem den Verlauf des PSA-Werts.


Wie kann man dem Prostatakarzinom vorbeugen?

Eine Maßnahme zur Vorbeugung von Prostatakrebs ist der regelmäßige Besuch der Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung des Prostatakrebses. Diese Untersuchung ist allerdings noch immer umstritten, da ein echter Nutzen im Sinne einer Verlängerung der Lebenszeit bisher nicht nachgewiesen wurde.

Mithilfe einer Ernährungsumstellung kann das Risiko gemindert werden, an Prostatakrebs zu erkranken. Tierische Fette sollten gemieden und vegetarische Kost erhöht werden. Neuesten Studien zufolge kann zudem die langfristige Einnahme eines so genannten 5-alpha-Reduktasehemmers vorbeugend wirken. Welche Personen von diesem Medikament profitieren könnten, wird derzeit in Studien untersucht.


Tipps für eine gesunde Ernährung, die auch vor Krebs schützen kann.


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Quellen:
Rübben, H.: Uroonkologie. Springer, Heidelberg 2007
Hautmann, R., Huland, H.: Urologie. Springer, Heidelberg 2006
Börgermann, C., Matnjani, G., Wiegel T., Krege, S.: Prostatakarzinom. Der Onkologe, Vol. 13, pp. 840-846 (31.08.2007)
Online-Informationen der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID): www.gekid.de (Stand 02/2008)
Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: http://www.rki.de (Stand: Juli 2007)
Schmitz-Dräger, B.J., Lümmen, G., Schäfer, R.M.: Chemoprävention des Prostatakarzinoms. Der Urologe, Vol. 46, pp. 611-615 (05.05.2007)
Rüschoff, J., Middel, P., Albers, P.: Active Surveillance des lokalisierten Prostatakarzinoms. Der Pathologe, Vol. 13, pp. 691-700 (19.07.2007)

 

Autor: Maximilian Eckerland 
Letzte Änderung am: 10.08.2009
 
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