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Psychotherapie

 Gespräch mit dem Therapeuten

Im Rahmen einer Psychotherapie können beispielsweise alte Verhaltensmuster analysiert und neue erlernt werden
(Quelle: DAK/Wigger)

Mit einer Psychotherapie (griech. für "Behandlung der Seele") werden Störungen des Denkens, Fühlens, Erlebens und Handelns behandelt. Dazu zählen zum Beispiel Ängste, Depressionen, Essstörungen (wie Magersucht oder Bulimie), Verhaltensstörungen, Süchte und Zwänge.

Auch bei Menschen mit psychosomatischen Störungen kann eine Psychotherapie angewandt werden. Psychosomatik bedeutet, dass die Seele (Psyche) den Körper (Soma) negativ beeinflusst.

Darüber hinaus gewinnen psychotherapeutische Maßnahmen in den Gebieten der Gesundheitsforschung und Rehabilitation immer mehr an Bedeutung.

Geschichte

Vorformen der Psychotherapie existieren seit Beginn der Menschheit. Die Veröffentlichung der "Studien über Hysterie" von Josef Breuer und Sigmund Freud im Jahr 1896 gilt als die Geburtsstunde der systematisch entwickelten, wissenschaftlich fundierten Psychotherapie.

Der Psychotherapeut

Der Psychotherapeut kann ein diplomierter Psychologe (Psychologischer Psychotherapeut) oder Mediziner (Ärztlicher Psychotherapeut) sein. Nach dem Studium der Psychologie oder der Medizin hat er eine zusätzliche psychotherapeutische Ausbildung abgeschlossen. Ein studierter Pädagoge kann diese Zusatzausbildung ebenfalls absolvieren und anschließend als Kinder- und Jugendlichentherapeut arbeiten.

Ablauf

Für die Wirksamkeit der Psychotherapie ist entscheidend, dass das eingesetzte Verfahren auf das zu lösende Problem zugeschnitten ist. Grundsätzlich werden drei Therapieformen von der Krankenkasse anerkannt: Analytische Psychotherapie, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Verhaltenstherapie. Nicht von der Krankenkasse anerkannt werden humanistische Therapien, die den Erkrankten selbst als Experten seiner Psyche sehen, und systematische Therapien, die das weitere menschliche Umfeld (zum Beispiel Partner oder Familie) einbeziehen.

Eine Psychotherapie kann ambulant oder stationär in einer Klinik durchgeführt werden. Eine ambulante Therapie setzt voraus, dass der Erkrankte körperlich und geistig stabil ist, also keine Gefahr für sich oder andere darstellt. Wenn dies nicht der Fall ist, beginnt die Therapie meist stationär und wird nach der Stabilisierung des Erkrankten ambulant fortgeführt.

Bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie und der analytischen Psychotherapie wird davon ausgegangen, dass Ängste, Depressionen, Zwänge oder psychosomatische Symptome aufgrund von ungelösten Konflikten entstanden sind. Beide Therapieformen setzen in der Kindheit an und versuchen herauszufinden, warum die Krankheitssymptome auftreten.

Analytische Psychotherapie (Psychoanalyse)

Die auf Sigmund Freud zurückgehende analytische Psychotherapie ist die älteste Form der Psychotherapie. Das Unbewusste in der menschlichen Psyche hatte für Freud eine große Bedeutung. Es wird dabei davon ausgegangen, dass verdrängte Emotionen und Erinnerungen des Erkrankten der Grund für die aktuellen Probleme sind. Ziel der Therapie ist es, dass der Betroffene sich die unbewussten, früheren Konflikte bewusst macht. Häufig angewandte Methoden sind beispielsweise die freie Assoziation oder die Traumdeutung. Bei der freien Assoziation lässt der Erkrankte seinen Gedanken freien Lauf und spricht sie dabei aus. Bei der Traumdeutung wird der Erkrankte dazu aufgefordert, von seinen Träumen zu berichten.

Die Therapie erfolgt im Liegen.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Während der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie werden aktuelle Konflikte des Erkrankten bearbeitet ? so soll die Konflikt-Bewältigung verbessert werden, um die Symptome zu lindern oder aufzulösen. Da bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie davon ausgegangen wird, dass die eigentliche Ursache ein früherer innerer, eventuell unbewusster Konflikt ist, wird angestrebt, dass die Ursachen der aktuellen Konflikte auf diese schließen lassen. Durch die vom Psychotherapeuten angeregte Suche nach den Ursachen wird eine Veränderung der Persönlichkeit des Erkrankten angeregt.

Die Therapie erfolgt im Sitzen.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie ist auf der Basis der Lern- und Sozialpsychologie entwickelt worden. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Menschen ihr Erleben und Verhalten im Lauf ihres Lebens erlernen. Psychische Störungen werden als das Ergebnis falscher Lernprozesse verstanden. Ziel der Therapie ist es, dass der Erkrankte negative Verhaltensmuster gegen positive austauscht. Das Verhalten soll geändert werden, indem die auslösenden Bedingungen und die Konsequenzen des Verhaltens verändert werden. Der Therapeut geht bei dieser Therapieform sehr aktiv vor und gibt klare Anweisungen.

Die Therapie kann auch als Gruppentherapie erfolgen – aber immer in Kombination mit einer Einzeltherapie.

Anwendungsgebiete

Bei der Diagnose von psychischen Erkrankungen spielt die Selbstwahrnehmung eine große Rolle. Bei einem starken Leidensdruck empfiehlt sich eine Psychotherapie. Es werden Störungen wie Ängste, Depressionen, Essstörungen (zum Beispiel Magersucht oder Bullimie), Verhaltensstörungen, Süchte und Zwänge behandelt.

Menschen, die an körperlichen Beschwerden (zum Beispiel Schmerzen, Schlafstörungen oder Herzrhythmusstörungen) ohne körperliche Ursache leiden, haben oft eine psychosomatische Störung. Diese kann ebenfalls mit einer Psychotherapie behandelt werden.

Damit die Krankenkasse die Kosten einer Psychotherapie übernimmt, müssen gemäß den Psychotherapierichtlinien behandlungswürdige Störungen wie Depressionen oder Süchte vorliegen. Nicht dazu zählen beispielsweise Ehe-, Lebens- oder Erziehungsberatung.

Prognose

Ob die Ziele einer Psychotherapie erreicht werden, hängt stark von dem Erkrankten selbst ab. Es ist ratsam, dass dieser sich auf die Therapie ernsthaft einlässt und bereit ist, sich mit seinen Problemen auseinanderzusetzen und aktiv an der Psychotherapie teilzunehmen.

Psychologische Beratung finden Betroffene auch im Internet unter www.meinpsychiater.de.

Quellen:
Brockert, Siegfried: Praxisführer Psychotherapie. Knaur, München 2000
Hansch, Dieter: Erste Hilfe für die Psyche. Springer, Berlin 2003
Kornbichler, Thomas: Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Kreuz, Stuttgart 2006
Slunecko, Thomas; Sonneck, Gernot: Einführung in die Psychotherapie. Facultas-Universitäts-Verlag, Wien 1999

 

Autor: Theresa Nikley 
Letzte Änderung am: 07.10.2008
 
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