Tipp

Rückenschmerzen

Muskelverspannungen sind häufig Ursache von Rückenschmerzen

Muskelverspannungen sind häufig Ursache von Rückenschmerzen
(Quelle: BananaStock)

Als Rückenschmerzen werden Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule bezeichnet. Am häufigsten sind dabei Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS- oder Lumbalsyndrom) mit circa 62 Prozent. Aber auch im Bereich der Halswirbelsäule (HWS- oder Zervikalsyndom) kommen sie mit circa 36 Prozent und im Bereich der Brustwirbelsäule (BWS- oder Thorakalsyndrom) mit circa zwei Prozent vor. Auch wenn von "Lumbago", "Ischias", "Hexenschuss" oder Ähnlichem die Rede ist, sind in der Regel Schmerzen im unteren Bereich des Rückens gemeint.

Rückenschmerzen treten meistens plötzlich auf und verschwinden häufig auch nach einigen Tagen von selbst wieder (akute Rückenschmerzen). Nur bei circa zehn Prozent der Betroffenen dauern die Beschwerden länger als sechs Wochen an. Dann spricht man von subakuten Rückenschmerzen. Beschwerden, die länger als zwölf Wochen anhalten, werden als chronisch bezeichnet. Unter rezidivierenden Rückenschmerzen versteht man erneut auftretende Schmerzen nach einem schmerzfreien Zeitraum von mindestens sechs Monaten.

Rückenschmerzen sind der häufigste Grund, den Hausarzt aufzusuchen. In Deutschland geht etwa jede dritte Krankschreibung auf Rückenschmerzen zurück. Das zeigt, dass es sich dabei um weit verbreitete Beschwerden handelt. Auch die meisten Frühberentungen haben Rückenschmerzen als Grund. Diese Häufigkeit ist nicht nur in Deutschland gegeben, sondern in Gesamteuropa.


Ursachen für Rückenschmerzen

Die Ursachen für Rückenschmerzen können sehr vielfältig sein. Es gibt viele anatomische Strukturen, die diese Schmerzen verursachen können. Dennoch bleiben in circa 85 Prozent der Fälle die genauen Ursachen unklar und die Beschwerden verschwinden spontan wieder. In den meisten Fällen werden die Schmerzen durch muskuläre Verspannungen ausgelöst. Verspannte und verhärtete Muskeln können auf die Nerven, die an der Wirbelsäule austreten und in andere Bereiche ziehen, drücken und dort einen Schmerz auslösen. Das bedeutet, dass beispielsweise beim Ischias der Ischiasnerv gereizt wird und einen Schmerz oder Missempfindungen im versorgten Bein verursacht. Da durch den entstehenden Schmerz häufig eine Schonhaltung eingenommen wird, kommt es zu einem Teufelskreis und die muskulären Verspannungen verstärken sich.

Muskuläre Verspannungen entstehen durch Fehl- oder Überbelastung. Beispiele hierfür sind falsches Heben und Tragen und einseitige körperliche Arbeit. Häufig spielen auch Bewegungsmangel, eine überwiegend sitzende Tätigkeit und Übergewicht eine Rolle. Doch auch Stress und psychische Probleme können Rückenschmerzen auslösen. Die dabei vorhandene Anspannung üerträgt sich auf den Körper und lässt Muskeln verkrampfen.

Nur bei einem Prozent der Menschen mit Rückenschmerzen liegen gefährlichere Ursachen zugrunde. Dies können Tumorerkrankungen, Brüche (Frakturen), Infektionen, angeborene und behandlungsbedürftige Fehlstellungen oder entzündliche rheumatische Erkrankungen sein.


Symptome bei Rückenschmerzen

Bei Rückenschmerzen kommt es zu Beschwerden im Bereich der Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule. Die Schmerzen können unterschiedlichen Charakter haben, wie brennend, stechend oder ziehend. Außerdem kann der Schmerz in einen anderen Bereich, beispielsweise das Bein, ausstrahlen. Die Rückenschmerzen können unabhängig oder abhängig von Bewegung sein.

Liegt eine gefährlichere Ursache zugrunde, können Symptome wie Fieber, ausgeprägte neurologische Ausfälle (z.B. Lähmungserscheinungen der Beine oder Unfähigkeit, Urin oder Stuhl bei sich zu halten) und ein schlechter Allgemeinzustand hinzukommen.


Diagnose von Rückenschmerzen

Bei der Diagnose der Rückenschmerzen ist eine ausführliche Befragung zur Entstehung (Anamnese) durch den Arzt sehr wichtig, zum einen, um herauszufinden, ob Vor- bzw. Begleiterkrankungen bestehen, und zum anderen wegen des engen Zusammenhangs von Rückenschmerzen und Psyche. Auch die Art der beruflichen Tätigkeit gibt bereits Auskunft über die Belastung. An die Befragung schließt sich die körperliche Untersuchung an. Dazu gehört das Anschauen (Inspektion) des Körpers und seiner Haltung, das Abtasten (Palpation) sowie die Prüfung der Beweglichkeit. Häufig kann bereits die Stellung der Beine (X- oder O-Beinstellung), des Rückens (Hohlkreuz) oder des Beckens Aufschluss über die statische Problematik geben. Sind ausstrahlende Schmerzen (Nervenschmerzen) vorhanden, kommen noch verschieden Tests zur Prüfung der Nerven und Reflexe hinzu.

Bei unkomplizierten Kreuzschmerzen ohne Ausstrahlung und zusätzliche Symptome, die auf eine gefährlichere Ursache schließen lassen, ist keine zusätzliche Diagnose in Form von bildgebenden Verfahren notwendig. Liegt jedoch der Verdacht auf eine gefährlichere Ursache vor, so werden Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren wie eine Röntgenuntersuchung oder eine Computertomographie (CT) bzw. Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt.


Therapie: Schmerzen lindern

Die Therapie der Rückenschmerzen zielt in erster Linie darauf ab, die Schmerzen zu lindern. Oberstes Gebot ist dabei die Wiederaufnahme von Bewegung. Ruhe lindert die meisten Rückenschmerzen nicht, sondern verstärkt sie. Deshalb sollte langfristig eine Verhaltensänderung erfolgen. Als Therapiemaßnahme ist daher Bettruhe nicht geeignet. Sie ist nicht nur unwirksam, sondern sie verstärkt Beschwerden noch zusätzlich. Regelmäßige Bewegung als Ausgleich zu einseitigen Tätigkeiten ist notwendig, damit das muskuläre Gleichgewicht erhalten bzw. wiederhergestellt wird. Bei akuten Schmerzen kann Wärme beispielsweise in Form von Wärmepackungen oder ein Saunabesuch die Schmerzen lindern.

Physiotherapie

Massagen lockern das verspannte Gewebe, ersetzen aber nicht die aktive Bewegung. In Kombination mit aktiver Physiotherapie, bei der Übungen speziell für die Rückenmuskulatur erlernt werden, ist Massage am sinnvollsten. Rückenschulen sind speziell auf die Rückenschmerzen verursachenden Mechanismen ausgelegt. Spezielle physiotherapeutische Behandlungsmethoden, wie beispielsweise die Manuelle Therapie, können einzelne Gelenke der Wirbelsäule beweglicher machen, Blockierungen lösen und dadurch den akuten Schmerz lindern.

Medikamente

Schmerzlindernde Medikamente können anfänglich eingenommen oder verabreicht werden. Dabei darf der Schmerz jedoch nicht betäubt werden und die Fehlbelastung fortgesetzt werden. Schmerz ist immer ein Warnsignal des Körpers. Auf lange Sicht kann nur eine Änderung der Gewohnheiten die Rückenschmerzen verhindern.

Psychotherapie

Eine weitere Möglichkeit der Behandlung von Rückenschmerzen besteht in der Psychotherapie. Dies ist bei Betroffenen, bei denen ein chronischer Verlauf zu erwarten ist oder die bereits drei Monate oder länger arbeitsunfähig sind, empfehlenswert.

Akupunktur

Die Wirksamkeit der Akupunktur bei Rückenschmerzen ist noch nicht ausreichend belegt. Sie wird manchmal als ergänzende Therapiemaßnahme in Abstimmung mit dem Betroffenen eingesetzt.

Operationen

Operationen sind bei Rückenschmerzen nur in Ausnahmefällen erforderlich. Dies kann bei einem Bandscheibenvorfall mit Ausfallerscheinungen, einem Tumor oder einem Bruch notwendig sein.


Verlauf: ursachenabhängig

Der Verlauf von Rückenschmerzen hängt vor allem von ihrer Ursache ab. Akute Rückenschmerzen verschwinden in der Regel von selbst wieder. Allerdings treten bei circa 60 Prozent der Betroffenen nach einiger Zeit erneut Rückenschmerzen auf. Dies lässt sich nur durch regelmäßige Bewegung verhindern. Empfehlenswerte Sportarten sind Rad fahren, Joggen, Rückenschwimmen u.v.m. Aber auch einfache Änderungen im Alltag, wie beispielsweise Treppen steigen statt Aufzug fahren, können bereits für mehr Bewegung sorgen. Zudem sorgt rückengerechtes Verhalten im Alltag dafür, dass der Rücken nicht ständig einseitigen oder falschen Belastungen ausgesetzt ist.

Rückenschmerzen, die länger als drei Monate anhalten, werden als chronische Rückenschmerzen bezeichnet. In diesen Fällen kann eine ambulante oder stationäre Rehamaßnahme, in der eine Kombination aus verschiedenen Therapien (Schmerz-, Physio- und Psychotherapie) erfolgt, sinnvoll sein.

Der Verlauf bei Rückenschmerzen, die durch gefährlichere Ursachen entstehen, kann nicht vorhergesagt werden, da dies von der individuellen Ursache abhängt.


Kann man vorbeugen?

Rückenschmerzen vorbeugen ist sinnvoller, als sie zu behandeln. Kurse der Rückenschule können vorbeugend durchgeführt werden. Gesetzliche Krankenkassen sind dazu verpflichtet, Präventionsprogramme für ihre Mitglieder anzubieten. Allerdings werden auch andere Kurse bis zu 80 Prozent als Präventionsmaßnahme erstattet. Wichtig ist, dass der Kursleiter durch die Krankenkassen anerkannt ist und regelmßig an dem Kurs teilgenommen wird. Da der Körper neben Anspannung auch Entspannung zur muskulären Balance benötigt, ist es außerdem sinnvoll, Entspannungstechniken zu erlernen. Hierfür kommen beispielsweise die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Autogenes Training oder Yoga in Frage. Auch diese Kurse werden als Präventionsmaßnahmen von den Krankenkassen unterstützt. Zudem ist es empfehlenswert, Übergewicht abzubauen, da dies die Wirbelsäule zusätzlich belastet. Durch genügend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung kann dies erreicht werden.



Quellen:
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Kreuzschmerzen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 053/003 (Stand: Februar 2007) Online-Informationen der Universität Witten/Herdecke: Patientenleitlinie Rücken- und Kreuzschmerzen (Lumbalgie): http://www.patientenleitlinien.de/Rueckenschmerz/Rueckenschmerz-Quellen/rueckenschmerz-quellen.html (Stand: September 2007)

 

Autor: Miriam Funk, Physiotherapeutin 
Letzte Änderung am: 12.06.2013
 
Tipp