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Scheidenpilzinfektion

In der Schwangerschaft treten Pilzinfektionen häufiger auf

Hormonelle Veränderungen – beispielsweise während einer Schwangerschaft – können Scheidenpilzinfektionen begünstigen
(Quelle: fStop)

Eine Entzündung der Scheide durch Hefepilze zählt zu den häufigsten Infektionen der äußeren Geschlechtsorgane der Frau. Etwa drei von vier Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an einer Scheidenpilzinfektion, vor allem während einer Schwangerschaft oder bei einer Schwächung des körpereigenen Abwehrsystems. Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) begünstigt das Wachstum der Hefepilze in der Scheide. Daher erkranken die betroffenen Frauen häufiger als andere an einer Scheidenpilzinfektion. Bei Mädchen vor der Pubertät und Frauen nach den Wechseljahren tritt eine Scheidenpilzinfektion dagegen selten auf, da die Pilze abhängig vom Hormonhaushalt ein ungünstigeres Scheidenmilieu vorfinden.

Auslöser der Infektion in der Scheide (Vagina) und dem äußeren Genitalbereich (Vulva) ist ein Hefepilz der Gattung Candida. Daher wird die Erkrankung in der Medizin als Vulvovaginalkandidose bezeichnet.

Ursachen der Scheidenpilzinfektion

Hauptverursacher der Scheidenpilzinfektion ist in über 80 Prozent der Fälle der weitverbreitete Hefepilz Candida albicans. Manchmal ruft auch ein anderer Pilz dieser Gattung eine Scheidenentzündung hervor (wie Candida glabrata, Candida krusei und andere). Diese Pilze sind normalerweise nicht in der Scheidenflora vorhanden, besiedeln jedoch häufig Pflanzen und Gegenstände. Gelangen sie - beispielsweise bei der Nahrungsaufnahme - in den Mund, können sie von dort in den Magen-Darm-Trakt wandern. Daher sind bei 20 bis 50 Prozent der Erwachsenen diese Pilze auch im Mund und Verdauungstrakt zu finden. Bei einer falschen Toilettenhygiene kann der Pilz vom Enddarm in die Scheide gewischt werden, sodass es zu einer so genannten Schmierinfektion kommt. Auch beim Geschlechtsverkehr oder durch die gemeinsame Benutzung von Textilien mit Hautkontakt kann man sich mit dem Pilz anstecken.

Ein Pilzbefall muss für die Betroffene nicht immer eine Erkrankung bedeuten. Bei einer ansonsten gesunden Frau verhindert die Scheidenflora normalerweise, dass sich die Pilze übermäßig ausbreiten. Insbesondere die Milchsäurebakterien (Laktobazillen) haben eine schützende Funktion. Sie sorgen unter anderem für ein saures Klima in der Scheide.

Das Scheidenmilieu kann jedoch durch eine Reihe von Faktoren aus dem Gleichgewicht geraten:

  • durch hormonelle Veränderungen (Schwangerschaft, Anti-Baby-Pille, Menstruation, Wechseljahre, Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse)
  • durch ein geschwächtes Immunsystem
  • durch Medikamenteneinnahme (zum Beispiel Kortikosteroide, Breitbandantibiotika, Chemotherapeutika)
  • durch Allgemeinerkrankungen (wie Diabetes mellitus)
  • durch Stress (begünstigt auch wiederkehrende Pilzerkrankungen)
  • durch enganliegende Kleidung aus synthetischen Stoffen
  • durch zu wenig oder übertriebene Hygiene

Ist das natürliche Scheidenmilieu durch diese Faktoren geschwächt, hat der Hefepilz gute Chancen, sich auszubreiten und zur Erkrankung zu führen.

Beschwerden bei einer Scheidenpilzinfektion

Ein Pilzbefall führt nicht immer sofort zu Beschwerden. Erst dann, wenn sich der Pilz zu stark vermehrt, kündigt Juckreiz den Beginn der Infektion an. Die betroffenen Frauen haben häufig vermehrten dünnen, grün-weißlichen Ausfluss (Fluor), der später käsig und krümelig wird. Die Scheide ist deutlich gerötet und geschwollen und kann im weiteren Verlauf auch brennend schmerzen.

Bei der selteneren Form, der Candida glabrata-Vaginitis, macht sich die Erkrankung meistens nur durch gelegentliches geringes Jucken vor der Regelblutung oder nach dem Geschlechtsverkehr bemerkbar. Der Ausfluss ist dabei mehr oder weniger cremig und ohne besonderen Geruch, die Scheide ist weniger stark gerötet.

Diagnose der Scheidenpilzinfektion

Zunächst wird der Arzt die Betroffene ausführlich über die Art der Beschwerden und die Begleitumstände befragen. Danach folgt eine körperliche Untersuchung der Scheide und der Scham. Dabei sind meistens schon die gerötete Scheidenschleimhaut und der weiße bröckelige Belag mit bloßem Auge zu erkennen. Ein genaueres Bild kann sich der Arzt durch eine mikroskopische Untersuchung des Scheidenbelags machen. Dafür wird von der Scheidenwand ein Abstrich genommen. Liegt eine Pilzinfektion vor, lassen sich auf diese Weise unter dem Mikroskop die Pilzfäden oder Sprosszellen größtenteils feststellen. Um sicher zu gehen, können Pilzkulturen angezüchtet werden. Weitere Untersuchungen im Labor dienen dazu, andere Krankheiten auszuschließen oder zu erkennen.

Wie wird eine Scheidenpilzinfektion behandelt?

Es gibt eine Reihe von Dingen, die die Betroffene selbst tun kann, um dem Pilz möglichst wenig weitere Verbreitungschancen zu geben:

  • Schamhaare rasieren
  • Die Unterwäsche zweimal täglich wechseln und am besten bei 95° C waschen,
  • Den Körper nach dem Waschen sorgfältig abtrocknen, luftdurchlässige Unterwäsche tragen und auf kunststoffbeschichtete Slip-Einlagen oder Binden verzichten. Reinigung des Intimbereichs immer von vorne nach hinten.
  • Die äußere Scheidenregion mit Wasser und einem milden Reinigungsmittel (ph-neutrale Seife) säubern. Auf Intimlotions oder -sprays besser verzichten!
  • In der akuten Phase möglichst auf Geschlechtsverkehr verzichten.

Um die Pilzinfektion in den Griff zu bekommen, stehen darüber hinaus Medikamente zur Verfügung.

Medikamente:

Arzneien, die eine Pilzinfektion (Mykose) bekämpfen, werden als Antimykotika bezeichnet. Zu diesen zählen unter anderen Cremes und Scheidenzäpfchen, die Wirkstoffe aus der Gruppe der Imidazole sowie Nystatin enthalten. Mit diesen Präparaten wird die Scheide täglich ein- bis zweimal direkt (lokal) behandelt. Je nach Präparat dauert die Therapie ein, drei oder sechs Tage.

Zur Wirkstoffgruppe der Imidazole gehören Clotrimazol oder Miconazol. Sie töten die Pilze ab (fungizid). Dehnt sich die Infektion bis in den Leistenbereich aus, sind Nystatinpasten empfehlenswert. Wenn bis zum Ende der Therapie keine Besserung eintritt, ist eine ärztliche Untersuchung notwendig. Der Arzt kann klären, ob die Scheide noch übermäßig von Hefepilzen befallen ist und gegebenenfalls eine geeignete Behandlung einleiten.

Wenn die lokale Behandlung nicht ausreicht, um die Pilzinfektion zu heilen, kann bei Candida albicans auf Fluconazol und Itraconazol zurückgegriffen werden. Diese Wirkstoffe werden oral eingenommen. Die Therapie dauert über sechs Monate und hat in 50 bis 80 Prozent der Fälle Erfolg.

Den Partner mitzubehandeln, wirkt sich erfahrungsgemäß nicht positiv auf den Heilungsprozess der betroffenen Frau selbst aus. Daher wird in der Regel davon abgeraten - außer bei chronisch wiederkehrenden Scheidenpilzen. In diesem Fall sollte der Partner Penis und Sperma ebenfalls untersuchen lassen. Wird dabei die gleiche Hefepilzart nachgewiesen, wird der Partner ebenfalls behandelt.

Frauen, die mit der Anti-Baby-Pille verhüten, sind häufig anfälliger für Scheidenpilzinfektionen. Dann kann in Absprache mit dem Arzt eine Umstellung auf mechanische Verhütungsmittel oder ein östrogen- oder gestagenärmeres Präparat sinnvoll sein.

Verlauf der Scheidenpilzinfektion

Richtig behandelt, ist eine Scheidenpilzinfektion normalerweise schnell überwunden und bleibt ohne ernste Folgen. Bei fünf Prozent aller Erkrankten ist die Krankheit jedoch hartnäckig und tritt mehr als viermal im Jahr auf. Wichtig ist deshalb, die Behandlung zu Ende zu führen, auch wenn vorher schon eine Besserung eingetreten ist. Außerdem können Frauen selbst einiges dazu beitragen, um einer Scheidenpilzinfektion vorzubeugen.

Häufig ist die Scheidenpilzinfektion eine Begleiterscheinung anderer Krankheiten (wie Diabetes mellitus). Dann ist es wichtig, diesen Ursachen auf den Grund zu gehen.

Schwangere sollten eine Scheidenpilzinfektion dringend behandeln lassen. Sonst kann sich das Kind bei der Geburt anstecken und wird im ersten Lebensjahr mit großer Wahrscheinlichkeit (90 Prozent) ebenfalls an einer Pilzinfektion erkranken.

Eine Pilzinfektion kann sich im ganzen Körper ausbreiten und so zu unterschiedlichen Beschwerden führen. Daher ist es sinnvoll, frühzeitig etwas dagegen zu unternehmen.

Der Scheidenpilzinfektion vorbeugen

Dort, wo es warm und feucht ist, kann sich der Scheidenpilz besonders gut ausbreiten. Daher sollte im Intimbereich alles vermieden werden, das dieses Klima unterstützt. Das sind synthetische, enganliegende Kleidungsstücke oder auch kunststoffbeschichtete Slip-Einlagen oder Binden. Den Intimbereich nach dem Waschen sorgfältig abtrocknen!

Die Scheidenflora bietet normalerweise einen guten Schutz gegen Pilze. Um diesen aufrecht zu halten, ist eine milde (ph-neutrale) Seife zum täglichen Waschen empfehlenswert. Die Intimhygiene sollte nicht übertrieben werden: Übermäßige Reinigungshygiene mit Intimsprays und -lotions sowie zu häufige Schaumbäder können die Scheidenflora aus ihrem natürlichen Gleichgewicht bringen.

Die Ansteckungsgefahr von einer Person zur anderen lässt sich einschränken. Handtücher oder andere Textilien, die direkten Körperkontakt haben, sollten nicht gemeinsam benutzt werden. Darüber hinaus wird beiden Partnern empfohlen, auf eine sorgfältige Sexualhygiene zu achten. Kondome verhindern eine Ansteckung durch den Partner, wenn zudem kein Oralverkehr (Orogenital-Kontakt) praktiziert wird.

Um eine Schmierinfektion vom Darm zur Scheide zu vermeiden, ist es ratsam, bei der Toilettenhygiene von vorne nach hinten und nicht umgekehrt zu wischen.


Weitere Fragen zur Scheidenpilzinfektion können Sie direkt unseren Experten in der Frauenarzt-Expertenrat auf der Gesundheitsberatung stellen.

Quellen:
Frauenärzte im Netz: http://www.frauenaerzte-im-netz.de (Stand April 2008)
Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft: Vulvovaginalkandidose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/004 (Stand: 08/2006)
Mendling, W., Prof. Dr. med.: Vaginose, Vaginitis, Zervizitis und Salpingitis Springer, Heidelberg 2006

 

Autor: Melanie Wilberg 
Letzte Änderung am: 09.10.2008
 
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