Hormondrüse
Die Schilddrüse gehört zu den endokrinen
Hormondrüsen, das bedeutet, dass sie das von ihr produzierte
Sekret "nach innen" unmittelbar ins Blut abgibt. Diese von
endokrinen Drüsen produzierten Sekrete nennt man Hormone
(gr.: Antreiber). Das Gegenstück sind exokrine
Drüsen, die ihr Sekret nicht ins Blut, sondern "nach
außen" auf eine Oberfläche abgeben, wie z.B.
Schweißdrüsen oder Speicheldrüsen.
Schilddrüsenhormone
sind für den geregelten Ablauf des menschlichen Stoffwechsels
zuständig. Sie halten den Grundumsatz des Stoffwechsels aufrecht.
Ohne sie läuft der Organismus nicht in geordneten Bahnen.
Fehlen diese Hormone, dann ist das ohne entsprechende
Ersatz-Therapie mit dem Leben nicht vereinbar.
Funktion und Aufgabe
Die Konzentration der
Schilddrüsenhormone wird im Blut über einen Regelkreis in bestimmten
Grenzen konstant gehalten und in der Schilddrüse selbst sowie
in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und im Zwischenhirn
(Hypothalamus) ständig überprüft und durch den
Einfluss von Steuerhormonen auf die Schilddrüse geregelt. Ziel
des Hormons ist jede einzelne Körperzelle, in der die Wirkung
der Schilddrüsenhormone im Zellkern und in den Mitochondrien
entfaltet wird.
Schilddrüsenhormone sind der Stoffwechselmotor
Im Zusammenspiel der endokrinen Drüsen des menschlichen
Körpers ist die Schilddrüse sozusagen als Schrittmacher
tätig. Ihr obliegt die Rolle des "Antreibers", eine
Einbuße ihrer Funktion bremst die körperlichen und
psychischen Lebensvorgänge, eine Funktionssteigerung wirkt
beschleunigend.
Die Schilddrüse gibt das Tempo der Stoffwechselvorgänge
an. Nach ihrem Takt, den sie über die Schilddüsenhormone
angibt, werden in den Zellen die Nahrungsbestandteile
(Kohlenhydrate, Fette, Eiweiß)
umgesetzt. Auf diese Weise steuert sie das Wachstum und die
körperliche, seelische und geistige Entwicklung eines
Menschen.
Funktion der Schilddrüsenhormone
Die Funktion der Schilddrüsenhormone
besteht darin, den gesamten menschlichen Stoffwechsel anzutreiben
und zusätzlich noch die Wärmeproduktion und den
Sauerstoffverbrauch zu steigern. Ohne eine ausreichende Versorgung
mit Schilddrüsenhormonen blieben die Grundstoffe der Nahrung,
wie z.B. Zucker, Eiweiß oder Fett, unverarbeitet in
den Zellen liegen, es würden weder Knochen noch Organe wachsen
und das Gehirn könnte nicht reifen. Unter diesem Aspekt wird
verständlich, warum ein Schilddrüsenhormonmangel bei
einer angeborenen Unterfunktion des Organs verheerende Folgen auf
das Wachsen und Reifen eines kindlichen Körpers hat
(Cretinismus).
Die Schilddrüsenhormone sorgen dafür, dass die Nahrung in
den Körperzellen zu der Energie umgesetzt wird, die den
Organismus am Leben erhält. Sie bestimmen auch, wie viel
Energie umgesetzt wird und in welcher Geschwindigkeit das
geschieht, der Grundumsatz des Körpers richtet sich also nach
ihrer Blutkonzentration. Es hängt demnach entscheidend von den
Schilddrüsenhormonen ab, ob der Organismus auf Hochtouren,
normal oder nur auf "Sparflamme" läuft.
Wirkungen von T3 und T4
Die Haupttriebfeder, die
dafür sorgt, dass energiereicher Nahrungsgrundstoff in den
Zellen verstoffwechselt wird, ist letztlich das so genannte
T3
(Trijodthyronin), das zusammen mit dem T4 (Thyroxin) im Blut
zirkuliert. Es aktiviert Enzyme dazu, Kohlenhydrate zu verbrennen
und so Energie freizusetzen. Gleichzeitig wird der Zellkern vom T3
zur Eiweißproduktion angeregt. Jede Zelle ist von der
Aktivität der Schilddrüsenhormone
abhängig, denn nur mit ihrer Hilfe können die
Energiegrundstoffe aus der Nahrung auch sinnvoll eingesetzt und
genützt werden. Daraus folgt natürlich auch, dass die
Funktion eines jeden Organs und ihr harmonisches Zusammenspiel auf
die Schilddrüsenhormone angewiesen ist. Ob Magen-Darm-Trakt,
Herz, Nervensystem, Knochen, Haut, Haare, Muskulatur oder
Keimdrüsen - alle sind von der Schilddrüse und ihren
Hormonen abhängig. So steigt z.B. die Geschwindigkeit der
Übertragung von Nervenimpulsen auf die Muskulatur (ohne die
keine Körperhaltung oder Bewegung möglich wäre) bei
sich erhöhender Schilddrüsenhormonkonzentration im Blut.
An den Sehnenreflexen (z.B. an der Achillessehne oder
Kniescheibensehne) wird dieser Zusammenhang sichtbar. Ist der
Reflex träge oder gar nicht auslösbar, liegt oft eine
Unterfunktion
der Schilddrüse vor.
Berücksichtigt man diese universelle Rolle, wird auch verständlich, warum eine normale körperliche und geistige Leistungsfähigkeit einen intakten Schilddrüsenhaushalt voraussetzt.
Lage, Aufbau und Entwicklung
Lage, Aufbau und Entwicklung der Schilddrüse
wird durch eine sehr frühe Entstehung bereits in der 4.
Entwicklungswoche bestimmt. Sie liegt als
schmetterlingsförmiges Gebilde dicht unter dem Kehlkopf von
vorne und seitlich der Luftröhre auf. Wenn Sie Ihre Hände
sanft auf diese Stelle legen und schlucken, können Sie tasten,
wie sich Ihre Schilddrüse beim Schluckvorgang als weicher
Wulst mit dem Kehlkopf auf und ab bewegt. Streckt ein gesunder,
schlanker Mensch seinen Kopf nach hinten, zeichnen sich die
Konturen seiner Schilddrüse sogar oft am Hals ab, auch wenn
diese normal groß ist.
Die Schilddrüse besteht aus 2 Lappen, die meistens durch ein
kleines Mittelstück, den Schilddrüsenisthmus, miteinander
verbunden sind. Als normales Gewicht werden 15 bis 25 Gramm
angegeben.
Die Organentstehung
der Schilddrüse setzt sehr
früh in der Embryonalentwicklung ein. Sie hat ihren Ursprung
unterhalb der Zunge. In ganz seltenen Fällen bleibt die
Wanderung nach unten aus oder wird auf ihrem Weg oberhalb des
Kehlkopfes beendet. Auf diese Weise kommt es zu der so genannten
Zungengrundstruma mit einer angeborenen Unterfunktion der
Schilddrüse. Normalerweise wandert das
Schilddrüsengewebe jedoch ungehindert unter den Schildknorpel
des Kehlkopfes und erreicht schon in der 7. Schwangerschaftswoche
seine endgültige Position vor der oberen Luftröhre. Sie
besitzt etwa ab der 10. Schwangerschaftswoche die Fähigkeit,
Jod aufzunehmen. Kurze Zeit später werden bereits
Schilddrüsenhormone produziert und an den wachsenden
Organismus abgegeben.
Bei der Geburt wiegt eine normal entwickelte Schilddrüse etwa
2 Gramm, bis zum 6. Lebensjahr eines Kindes hat sie ihr Gewicht
verdoppelt. Bei 13jährigen wiegt sie etwa 8 Gramm, bei 15 bis
18jährigen schon ca. 15 Gramm. Erwachsene Frauen haben
normalerweise eine Schilddrüse mit einem Gewicht bis 18 Gramm,
bei Männern kann sie bis zu 25 Gramm wiegen.
Jenseits des 30. bis 40. Lebensjahres finden sich oft Zeichen einer
allmählichen Alterung des Schilddrüsengewebes, vor allem
in Jodmangel-Gebieten. Es
entwickeln sich dann oft Zysten, kleine Kalkherde oder knotenförmige Umwandlungen im
Schilddrüsengewebe.
Feinaufbau
Im Feinaufbau der Schilddrüse sind mikroskopisch die
einzelnen Schilddrüsenzellen (= Thyreozyten) so angeordnet,
dass sie zahllose winzige Hohlräume mit einem Durchmesser von
ungefähr einem Zehntel Millimeter bilden. Diese Hohlräume
oder Drüsenbläschen nennt man Schilddrüsenfollikel.
Sie enthalten das gallertartige Schilddrüsenkolloid, in dem
sich, eingebettet in ein spezielles Trägereinweiß (=
Thyreoglobulin), Schilddrüsenhormon
befindet, das dort jederzeit abrufbereit gespeichert wird. Die
Schilddrüse ist das einzige hormonproduzierende Organ des
Körpers, das in der Lage ist, große Hormonmengen zu
speichern. Bei einer gesunden Schilddrüse reicht dieser Vorrat
normalerweise aus, um den Bedarf des Körpers für etwa 2
Monate zu decken.
Form und Größe der Schilddrüsenfollikel sind nicht
konstant. Je nach "Angebot und Nachfrage" des Körpers und des
Funktionszustands der Schilddrüse verändert sich ihr
Volumen und auch die Zusammensetzung ihres Inhalts.
Die Schilddrüsenfollikel sind von einem dichten Netz von Nervenfasern umspannt und von einer großen Anzahl von Blutgefäßen umgeben. Nach jeweils 1½ Stunden hat die gesamte Blutmenge eines Menschen die Schilddrüse einmal durchströmt. Nur so kann ständig der Bedarf des Körpers an Schilddrüsenhormon, angepasst an die aktuelle Situation, "abgefragt", produziert und in den Organismus weiter transportiert werden.
C-Zellen oder Parafollikuläre Zellen
Eingestreut zwischen diesen Follikeln befinden sich die
organfremden sogenannten C-Zellen, die - ähnlich den
Epithelkörperchen - unabhängig von der Schilddrüse
und deren Funktion ein Hormon (= Kalzitonin) bilden, das den
Kalziumspiegel im Blut senkt und Gegenspieler des Parathormons aus
der Nebenschilddrüse ist.
Nebenschilddrüsen
Der Schilddrüse
liegen von hinten 4 etwa linsengroße Gebilde an, die
Nebenschilddrüsen oder Epithelkörperchen (= Glandulae
parathyreoideae), die unabhängig von der Schilddrüse das
Parathormon produzieren, das im Zusammenspiel mit Kalzitonin aus
den C-Zellen den Kalziumhaushalt und damit vor allem den
Knochenstoffwechsel steuert.
Jodstoffwechsel
Der Jodstoffwechsel ist die Hauptaufgabe der Schilddrüse, um den menschlichen Organismus mit den Schilddrüsenhormonen Trijodthyronin (= T3) und Thyroxin (= T4) zu versorgen. Für die Herstellung dieser Hormone ist die Schilddrüse auf das Spurenelement Jod angewiesen. Da Jod in unserer Nahrung knapp ist (Deutschland ist ein Jodmangelgebiet Grad 1 bis 2, es gibt 3 Schweregrade, die durch die Jodausscheidung im Urin bestimmt werden), ist Jodmangel hierzulande die häufigste Ursache von Schilddrüsenerkrankungen überhaupt.
Die Schilddrüse braucht täglich 150 bis 300 Millionstel Gramm, um so viel T3 und T4 herzustellen, wie die Körperzellen am Tag verbrauchen. Insgesamt befindet sich in einer gesunden Schilddrüse ungefähr 10 Milligramm Jod.
Der Weg des Jods
Jod wird mit der Nahrung aufgenommen und im Darm resorbiert. Mit dem Blut gelangt der Jodnachschub zur Schilddrüse. Aus dem sie durchströmenden Blut filtert diese alles Jod heraus. Dafür müssen die Schilddrüsenzellen (= Thyreozyten) Energie aufwenden, sie transportieren es mit Hilfe eines speziellen Transportmechanismus in ihr Inneres. Hier sitzt ein ganz bestimmtes Eiweißmolekül (= Thyreoglobulin), das 1 oder 2 Jodatome fest an sich binden kann. In der doppelt jodierten Form "paart" es sich mit seinesgleichen zum Thyroxin (= T4) oder seltener mit der einfach jodierten Form zum T3. In dieser Form, gebettet in das Thyreoglobulin, verlassen die Hormone zunächst, falls kein akuter Bedarf besteht, die Schilddrüsenzellen und werden innerhalb der Schilddrüsenfollikelim Kolloid gespeichert. Die Follikel sind von Schilddrüsenzellen umgeben. Wird von der Hirnanhangdrüse, dem Schilddrüsensteuerorgan, ein Hormonbedarf "gesendet", wandern die im Kolloid gespeicherten Schilddrüsenhormone wieder in die Thyreozyten und von dort, abgekoppelt vom Thyreoglobulin, in den Blutstrom. Auf diesem Weg erreichen sie die schilddrüsenhormonbedürftigen Körperzellen, wo sie ihre jeweilige Aufgabe erfüllen können.
Speicherung der Schilddrüsenhormone
Die Schilddrüse ist das einzige Organ des menschlichen Körpers, das sein Hormon auf Vorrat produzieren kann. Als Vorratskammer dienen die Schilddrüsenfollikel, die mit Kolloid gefüllt sind. Gebunden an ein Trägereiweiß (= Thyreoglobulin) werden T3 und T4 im Kolloid aufgehoben, bis sie bei Bedarf über einen Umweg durch die Schilddrüsenzellen (= Thyreozyten) ins Blut abgegeben werden. Der im Kolloid gespeicherte Vorrat an Schilddrüsenhormon entspricht in etwa der Menge, die der menschliche Körper unter normalen Bedingungen in 2 Monaten verbraucht.
Auf diese Weise kann das lebenswichtige Schilddrüsenhormon bevorratet werden, so dass die Versorgung für einige Zeit unabhängig von der Jodzufuhr durch die Nahrung sichergestellt ist.
Schilddrüsenhormone im Blut
Die Schilddrüsenhormone im Blut werden durch
ständige Abgabe aus den Speichern (= Schilddrüsenfollikel)
in ihrer Konzentration im Blut konstant gehalten, so dass die
Schilddrüsenhormone T3 und T4 in einem bestimmten Wertebereich
bleiben. Parallel dazu läuft die Hormonproduktion in den
Schilddrüsenzellen unter normalen Bedingungen, so dass die
Speicher ständig wieder aufgefüllt werden. Der mittlere
"Tagesertrag" einer gesunden Schilddrüse liegt bei ca. 100
Mikrogramm T4 und 10 Mikrogramm T3.
Nur ein geringer Teil der Schilddrüsenhormone treibt frei im
Blutstrom (= fT3 und fT4), die Mehrzahl der Hormonmoleküle
bindet sich zunächst an spezielle Transportmoleküle
(thyroxinbindendes Globulin TBG, Transthyretin TTR, das früher
thyroxinbindendes Praealbumin TBPA genannt wurde, und Albumin) und
macht sich so auf den Weg zu einer Zielzelle.
Zielort Zellkern
Biologisch aktiv sind jedoch nur die frei treibenden Hormone,
allein sie können in einer Zelle einen "Anlegeplatz" (=
Rezeptor) am Zellkern und an den Mitochindrien finden. Wo sie
letztlich landen, ist abhängig vom aktuellen Bedarf, also
einer sinkenden Konzentration innerhalb einer Zelle. Jede Zelle im
Körper des Menschen hat die passenden Rezeptoren, denn jede
Zelle ist in ihrer Funktion auf die Schilddrüsenhormone
angewiesen. Im Zellkern entfaltet sich die Wirkung des
Schilddrüsenhormons.
Im gleichen Maße, wie die Körperzellen das eigentlich
wirksame T3 verbrauchen, wird es im Blut aus dem T4 durch
Abspaltung eines Jodatoms nachproduziert. Das freiwerdende Jod wird wieder zur
weiteren Hormonproduktion verwendet und in der Schilddrüse
recycelt.
Halbwertszeit
Die Mengenverhältnisse T3 zu T4
sind wie 1 zu 9. Da T3 eine 10fach höhere
Bindungskapazität zu den Rezeptoren in den Zellen hat,
hält es sich auch weniger lang im Blut auf. Ungefähr die
Hälfte des T3 findet in 19 Stunden eine verbrauchende Zelle,
während vom T4 nach 8 Tagen immer noch 50% im Blut
mitschwimmen. T3 wird also 10 Mal so schnell verbraucht wie T4, das
aber erst zu T3 umgewandelt werden muss, bevor es die Zellen
aufnehmen können.
Regelkreis der Hormone
Der Regelkreis der Hormone läuft über zwei
unterschiedliche Rückkoppelungsmechanismen.
Die Schilddrüse, deren Hormone vor allem der Koordination und
Regulation der Stoffwechselprozesse im menschlichen Körper
dienen, muss natürlich gut organisiert sein. Sie muss
einerseits den optimalen Stoffwechselzustand aller
Körperzellen möglichst konstant halten, andererseits sich
aber auch durch oft wechselhafte Bedingungen rasch an
geänderte Blutspiegel der Hormone anpassen können.
Der Hormonspiegel im Blut ist entscheidend - kurzer
Rückkoppelungsweg (short loop)
Die Körperzellen als Endverbraucher nehmen sich aus dem Blut
so viel Schilddrüsenhormon,
wie sie für ihre Stoffwechselvorgänge brauchen. In Zeiten
starker Aktivität und damit großer Nachfrage wie
besonders bei Wachstum, Pubertät, Schwangerschaft und
Stillzeit, nehmen die Konzentrationen von T3 und T4 im Blut
zunächst ab. Die im Blut befindliche Menge an
Schilddrüsenhormonen wird in einem kurzen
Rückkoppelungsweg (short loop) in der Schilddrüse selbst
gemessen. Sinkt die Konzentration an T4, wird
Schilddrüsenhormon aus den Follikeln freigegeben und der
Hormonspiegel angehoben. Ein entstehender Jodüberschuss hemmt
die weitere Freigabe. Auf diese Weise wird der Jodspiegel
langfristig konstant gehalten.
Steuerzentren im Gehirn - langer
Rückkoppelungsweg (long loop)
Der Funktionszustand der Schilddrüse wird aber auch durch ein
übergeordnetes Zentrum im Hypothalamus (Teil des Zwischenhirns
und "oberste Schaltzentrale") in einem langen
Rückkoppelungsweg (long loop) überwacht. Eine abfallende
Hormonkonzentration wird von Hypothalamus und auch von der
Hypophyse registriert. Es beginnt eine Stimulationskaskade, bei der
im Zwischenhirn gebildetes Thyreotropin-Freisetzungshormon
(Thyreotropin-releasing-hormone = TRH) auf die Hypophyse einwirkt,
die ihrerseits vermehrt das Schilddrüsensteuerhormon
Thyreotropin (Thyroidea-stimulating-hormone = TSH) freisetzt. Als
Ergebnis dieser Reizantwort aus dem Gehirn, wird mehr
Schilddrüsenhormon aus den Speichern freigesetzt und
natürlich auch mehr "Nachschub" produziert, die
Schilddrüsenhormone T3 und T4 erreichen in kurzer Zeit die
normale bzw. geforderte Konzentration im Blut. Wird der Anteil an
T4 zu hoch, blockiert das die weitere Abgabe von TSH und TRH. Ohne
diesen Antrieb von oben, allein auf sich gestellt, kann die
Schilddrüse mit ihrem Hormonertrag nur etwa ein Fünftel
des normalen Bedarfs decken.
Soll der Stoffwechsel in den Körperzellen reibungslos vonstatten gehen, muss die Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blut innerhalb bestimmter Grenzen konstant gehalten werden. Das ist die Vorgabe an das Hormonzentrum und die Steuerzentrale. Werden die Grenzen nach oben oder nach unten überschritten, folgen daraus krankhafte Veränderungen der Schilddrüsenüberfunktion oder der Schilddrüsenunterfunktion.
Wirkung der Schilddrüsenhormone
Die Wirkung der Schilddrüsenhormone in den Zellen verursacht eine Erhöhung des Stoffumsatzes. Haben die Schilddrüsenhormone ihre Zielzellen erreicht, durchwandern sie problemlos die Zelle und nehmen am Zellkern bzw. an den Mitochondrien mit einem Rezeptorprotein Kontakt auf. T3 hat eine 10fach höhere Bindungskapazität als T4. Die Schilddrüsenhormone lösen dadurch das Ablesen der Erbsubstanz aus (Transkription der DNA) und aktivieren die RNA- und Proteinsynthese, eben die Grundvoraussetzung für Stoffwechselvorgänge, für Zellteilung und Zellwachstum. Damit wird gleichzeitig auch der Energiebedarf (Erhaltungs- oder Grundumsatz) der einzelnen Zellen und des gesamten Organismus gesteuert.
Zusätzlich wird durch eine Anregung der Wärmeproduktion die Körpertemperatur konstant gehalten. Wirkungsort für die Schilddrüsenhormone sind vor allem auch die Mitochondrien, die 'Kraftwerke' der Zelle, in denen Energie für die chemischen Reaktionen bereitgestellt wird.
Das Schilddrüsenhormon Trijodthyronin (T3) entfaltet seine Wirkung in allem Zellen: Es
fördert die Wärmeentwicklung durch Erhöhung des Grundumsatzes
erhöht den Sauerstoffverbrauch
beschleunigt die Kohlenhydrataufnahme aus dem Darm und ins Gewebe
steigert den Glykogenabbau (Glykogen = Speicherform von Kohlenhydraten) und die Neubildung von Zucker (Glukoneogenese)
steigert die Wirkung des Insulins, dadurch steigt der Insulinbedarf - der vermehrt freigesetzte Zucker wird rascher verarbeitet
erhöht die Fettumsatz durch Fettneubildung (Lipidsynthese) und Abbau von Speicherfett (Lipolyse)
senkt den Cholesterinspiegel durch Verbrauch
fördert die Eiweißneubildung
steigert die Wirkung der Nebennierenrindenhormone (Catecholamine)
beeinflusst den Wasserhaushalt durch Zurückhalten von Kochsalz (NaCl) und Wasser und erhöht die Filtrationsrate in den Nieren
hat eine direkte Wirkung auf den Knochenstoffwechsel und ist Voraussetzung für eine normale Reifung des Skelettsystems
sorgt für die normale Reifung des Gehirns und für die Verknüpfung der Nervenzellen (bei kindlichem Schilddrüsenhormonmangel entsteht Schwachsinn oder Kretinismus)
erhöht allgemein die Vitalfunktionen wie Atem- und Pulsfrequenz und steigert die Erregbarkeit von Nervenzellen
Autor: Qualimedic.de
Letzte Änderung am: 24.11.2007
