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Schlafapnoe-Syndrom

Starke Müdigkeit untertags ist ein typisches Anzeichen für eine Schlafapnoe

Starke Müdigkeit untertags ist ein typisches Anzeichen für eine Schlafapnoe
(Quelle: DAK)

Wörtlich übersetzt heißt Schlafapnoe "schlafen ohne Luft". Eine Schlafapnoe liegt dann vor, wenn während des Schlafs Atempausen von mindestens zehn Sekunden auftreten und der Betroffene mehr als zehn Atempausen pro Schlafstunde hat. Es wird geschätzt, dass bis zu zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung unter einer Schlafapnoe leiden - insbesondere Menschen über 40 Jahren. Zwei Prozent der Frauen und doppelt so viele Männer über Vierzig sind betroffen. 80 Prozent der Menschen, bei denen eine Schlafapnoe festgestellt wird, haben zudem deutliches Übergewicht.


Was löst eine Schlafapnoe aus?

In 90 Prozent aller Fälle handelt es sich bei einer Schlafapnoe um das so genannte obstruktive Schlafapnoesyndrom. Im Schlaf erschlafft bei jedem Menschen die Muskulatur im Nasen-Rachen-Raum. Bei dem obstruktiven Schlafapnoesyndrom fällt dabei die Zunge nach hinten, während gleichzeitig der Muskelschlauch des Rachenraums erschlafft ist. Als Folge entsteht dort ein Engpass, der die Atmung erschwert oder gar kurzzeitig stoppt. Das löst einen Sauerstoffmangel aus und der Kohlendioxidgehalt im Blut steigt an. Das Gehirn verlangt daraufhin, mehr zu atmen, um diesen Mangel zu kompensieren und löst eine Weckreaktion (Arousal) aus. Dadurch atmet der Betroffene nach der Atempause besonders tief ein oder macht schnelle Atemzüge (Hyperventilation). Die verengten Atemwege öffnen sich explosiv. Dieses ist als lauter Schnarchton hörbar.

Die Atemmuskulatur und Atembewegung bleiben bei dem obstruktiven Schlafapnoesyndrom dabei aktiv. Anders ist es bei der zentralen Schlafapnoe, die bei zehn Prozent der Betroffenen besteht. Hier setzen Atembewegungen im Bauch- und Brustraum zeitweise aus, weil die Atemmuskulatur nicht arbeitet. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Rezeptoren der Muskulatur sich nicht ausreichend stimulieren lassen. Somit kann der Bewegungsimpuls nicht durch Botenstoffe übertragen werden.

Bei einigen Betroffenen ist im Zusammenhang mit einer schweren chronischen Herzschwäche die so genannte Cheyne-Stokes-Atmung zu beobachten. Typisch ist hier ein periodisches, spindelförmig verlaufendes Atemmuster. Die Atemtiefe nimmt dabei langsam ab und zu. Im Extremfall treten hierbei auch zentrale Apnoen auf.

Manchmal ist eine Schlafapnoe (sekundäre aveoläre Hypoventilation) eine Folgeerscheinung anderer Erkrankungen wie chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen (COPD), neuromuskulären Erkrankungen oder Erkrankungen des Skeletts.

Eine Schlafapnoe wird begünstigt durch:


  • Übergewicht
  • Nasenpolypen, vergrößerte Gaumenmandeln oder eine Fehlstellung des Kiefers
  • mangelnde Schlafhygiene
  • Rückenlage im Schlaf
  • Genuss von Alkohol vor dem Schlafen
  • verschiedene Medikamente (wie Schlafmittel)

Wie äußert sich eine Schlafapnoe?

Menschen mit obstruktivem Schlafapnoesyndrom sind tagsüber häufig müde, weil sie nachts nicht erholsam schlafen. Bei der zentralen Schlafapnoe neigen die Betroffenen hingegen meistens nicht so stark zur Tagesschläfrigkeit und nachts schnarchen sie in der Regel auch nicht. In der Nacht sind dagegen periodische Beinbewegungen (Restless-Legs-Syndrom) typisch. Viele Betroffene nehmen die Anzeichen der Grunderkrankungen eher wahr als die damit verbundene zentrale Schlafapnoe.

Anzeichen des obstruktiven Schlafapnoesyndroms sind:


  • lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit mehr als zehn Atempausen pro Stunde von jeweils mehr als zehn Sekunden
  • gesteigerte Tagesschläfrigkeit mit Einschlafneigung (Sekundenschlaf) bei monotonen Tätigkeiten (zum Beispiel Autofahren)
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • depressive Verstimmung
  • Kopfschmerzen oder Mundtrockenheit am Morgen
  • Potenzstörungen

In der Regel ist es der Partner, der auf das obstruktive Schlafapnoesyndrom aufmerksam wird, weil der Betroffene laut schnarcht oder nach den Atempausen hektisch einatmet (hyperventiliert).

Die unregelmäßige Atmung zieht einen Sauerstoffmangel und einen erhöhten Kohlendioxid-Gehalt im Blut nach sich. Dieses lässt sich anhand einer Blutuntersuchung nachweisen.


Diagnose der Schlafapnoe

Zunächst wird der Arzt den Betroffenen nach seinen Beschwerden und seinen Schlafgewohnheiten befragen. Dabei erhält der Arzt wichtige Hinweise auf eine Schlafapnoe. Mehr Aufschluss können eine Blutuntersuchung sowie weitere klinische Tests geben. Es ist ratsam, beim Hals-Nasen-Ohrenarzt oder Zahnarzt abzuklären, ob beispielsweise Nasenpolypen, vergrößerte Gaumenmandeln oder eine Fehlstellung des Kiefers die Atmung zusätzlich beeinträchtigen.

Ein genaues Ergebnis liefert eine Schlafuntersuchung. Dabei werden während des Schlafs unter anderem der Atemfluss, die Atemfrequenz, die Schnarchintervalle, die Pulsfrequenz, der Sauerstoffgehalt des Bluts, die Atemgeräusche, Atembewegungen im Brustkorb, die Hirnstromkurve (EEG) und das Elektrokardiogramm (EKG) beobachtet. Die Untersuchungen lassen sich ambulant oder im Schlaflabor durchführen. Ein Ergebnis ist dabei die Anzahl der Schlafpausen pro Stunde, der so genannte Schlafapnoe-Index.


Wie wird die Schlafapnoe behandelt?

Zunächst wird der Arzt empfehlen, alle Faktoren, die eine Schlafapnoe begünstigen, zu vermeiden. So hat sich herausgestellt, dass bei Übergewichtigen eine Gewichtsabnahme von 20 Prozent den Apnoe-Index um die Hälfte senken kann. Der Arzt wird dem Betroffenen zu regelmäßigen Schlafenszeiten und zur Seitenlage im Schlaf raten. Vor dem Schlafen auf schwere Mahlzeiten und Alkohol zu verzichten, ist ebenfalls empfehlenswert.

Manchmal tritt nach diesen Maßnahmen schon eine Besserung ein. Falls dieses nicht der Fall ist, kann ein Atemtherapiegerät (Nasen- oder Vollgesichtsmaske) eingesetzt werden, um die nächtliche Atmung durch einen Druckausgleich zu regulieren. Diese Therapie hat bei 90 Prozent der Behandelten Erfolg.

Ein weiteres Hilfsmittel sind spezielle Gebissschienen. Sie verhindern, dass während des Schlafs der Unterkiefers nach hinten sinkt.

Wenn die Atmung beispielsweise durch Nasenpolypen, vergrößerte Gaumenmandeln oder eine Fehlstellung des Kiefers beeinträchtigt ist, ist es möglicherweise empfehlenswert, diese zu operieren.

Ziel der Behandlung ist es, nachts eine ungehinderte Atmung und einen erholsamen Schlaf zu ermöglichen.


Verlauf einer Schlafapnoe

Unbehandelt kann ein Schlafapnoesyndrom schlimme Folgen haben. Der nächtliche Sauerstoffmangel kann zu einer Rechtsherzvergrößerung führen und damit eine Rechtsherzschwäche (Cur pulmonale) nach sich ziehen. 40 Prozent der Betroffenen, die im Schlaf mehr als 20 Schlafpausen pro Stunde von jeweils mindestens zehn Sekunden haben, sterben statistisch gesehen nach acht Jahren. Menschen mit Schlafapnoe haben ein erhöhtes Unfallrisiko (infolge des Sekundenschlafs) und sind herzinfarkt- und schlaganfallgefährdet.

Eine Atemmaske zu tragen, kann bei einem Schlafapnoesyndrom lebensrettend sein. Mit ihr haben die Betroffenen keine höhere Sterblichkeitsrate als ihre Altersgenossen ohne Schlafapnoesyndrom.


Einer Schlafapnoe vorbeugen

Auf sein Gewicht zu achten und regelmäßige Schlafenszeiten einzuhalten, sind gute vorbeugende Maßnahmen. Auch auf der Seite zu schlafen, kann hilfreich sein. Außerdem ist es ratsam, Alkohol und üppige Mahlzeiten vor dem Schlafengehen zu vermeiden. Verschiedene Medikamente (wie Schlafmittel) können eine Schlafapnoe begünstigen und sollten daher nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Trotz dieser vorbeugenden Maßnahmen ist es möglich, dass eine Schlafapnoe auftritt. Dann ist es ratsam, diese beim Arzt abklären zu lassen.


Wenn Sie weitere Fragen zum Thema Schlafapnoe haben, können Sie diese direkt an die Experten der Hausarzt-Expertenrat stellen.

Quellen:
Herold, G.: Herold Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2008
Baenkler, H-W., et al.: Kurzlehrbuch innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2007
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Schnarchen: Obstruktive Schlafapnoe (OSA) und obstruktives Schnarchen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 017/069 (Stand: Juni 2004)
Steinbeck, G., Paumgartner, G., u.a.: Therapie innerer Krankheiten. Springer, Berlin 2005

 

Autor: Melanie Wilberg 
Letzte Änderung am: 08.02.2010
 
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