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Schlafstörungen (Insomnien)

Schlafstörungen betreffen bei uns etwa zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung

Schlafstörungen betreffen bei uns etwa zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung
(Foto: fStop)

Unter Schlafstörungen leiden in den westlichen Industrieländern etwa zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung. Als Schlafstörung (Insomnie) bezeichnet man alle Umstände, die nicht zu einem subjektiv empfundenen erholsamen Schlaf führen. Häufig sind anhaltende Schlafstörungen Vorboten für Depressionen oder Angststörungen. Man unterteilt sie in primäre und sekundäre Schlafstörungen.


Welche Arten von Schlafstörungen gibt es und welche Ursachen haben sie?

Bei primären Schlafstörungen lassen sich von medizinischer Seite keine organischen oder psychischen Erkrankungen als Ursache nachweisen, sekundäre Schlafstörungen hingegen resultieren meist aus einer nachgewiesenen Vorerkrankung und werden als solche diagnostiziert.

Zu den primären Schlafstörungen zählen die idiopathische Schlafstörung, das heißt, ihre Ursache ist nicht gesichert. Man vermutet, dass eine neurologische Störung den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinträchtigt. Menschen mit einer idiopathischen Schlafstörung leiden schon im Kindesalter unter diesen Störungen und behalten diese meist ein Leben lang.

Eine weitere primäre Form der Schlafstörung ist die eigene Fehlbeurteilung des Schlafzustandes, bei der der Betroffene sein Schlafverhalten subjektiv als fehlerhaft betrachtet, obwohl sich hierfür kein objektiver Nachweis erbringen lässt.

Die psychophysiologische Schlafstörung als dritte primäre Form geht mit körperlicher Anspannung des Betroffenen einher. Durch einen selbst auferlegten Zwang, möglichst schnell einzuschlafen, entsteht eine Anspannung, welche ein entspanntes Einschlafen verhindert. Man bezeichnet dies als schlafverhindernde Assoziation. Betroffene dieser Form schlafen in ungewohnter Umgebung meist viel besser. Folgen sind oft eine geminderte Leistungsfähigkeit im Wachzustand.

Die sekundären Schlafstörungen haben einen Ursprung, der sich medizinisch nachweisen lässt. Hierzu zählen neurologische Erkrankungen wie beispielsweise Morbus Parkinson, Demenz oder Multiple Sklerose. Auch nach Schädel-Hirn-Traumen, bei Epilepsie oder Hirntumoren können Schlafstörungen neurologischen Ursprungs auftreten. Ebenso können chronische Schmerzen oder Schichtarbeit zu Schlafstörungen führen.

Alle psychischen Erkrankungen können ebenfalls zu sekundären Schlafstörungen führen, ein enger Zusammenhang besteht meist zu Depressionen und Angststörungen.

Drogenmissbrauch oder gar -abhängigkeit gelten als toxische Faktoren, die zu Schlafstörungen führen können. Auch viele Medikamente können sekundäre Schlafstörungen verursachen.


Wie untersucht man Schlafstörungen?

Während der Anamnese werden alle Symptome erfasst, die der Betroffene angibt. Schlaftagebücher werden geführt, Fragebögen werden ausgefüllt und auch Partner oder Mitbewohner werden zu Schlafstörungen des Betroffenen befragt. Beim PSQI (Pittsburgh Sleep Quality Index) werden über einen Zeitraum von vier Wochen all diese Faktoren berücksichtigt. Durch Einteilung aller Fragen in verschiedene Komponenten wird über ein Punktesystem das Schlafverhalten bewertet. Dieses System kann auch während einer Therapie angewandt werden, um Veränderungen des Schlafverhaltens zu dokumentieren. Auch so genannte Abend- oder Morgenprotokolle, die durch den Schlafgestörten erstellt werden, können bei der Untersuchung helfen.


Wie können Schlafstörungen therapiert werden?

Behandlungsbedarf besteht bei Schlafstörungen nur dann, wenn sich der Betroffene auch in der Tagesbefindlichkeit beeinträchtigt fühlt. Hierfür gibt es internationale Klassifizierungen. Je nach Ursache der Schlafstörungen wird, falls vorhanden, auch die Grunderkrankung behandelt. Ein vorübergehender Einsatz von Medikamenten als Einschlafhilfe sollte im Regelfall vier Wochen nicht überschreiten. Die Wahl des Medikaments richtet sich nach der jeweiligen Grunderkrankung. Ebenso kann mit verhaltensmedizinischen Strategien, die in Gruppentherapien erarbeitet werden, körperliche Anspannungen positiv beeinflusst werden. Innerhalb einiger Doppelstunden werden bezüglich der Schlafstörungen Techniken erarbeitet, die dem Betroffenen zu Entspannung und Ruhe in der Einschlafphase verhelfen. Dies kann stationär in so genannten Schlafzentren oder ambulant erfolgen.


Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen zu Schlafstörungen an die Experten des Hausarzt-Expertenrats

Quellen:
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Insomnie, AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/045 (Stand 10/2008)

 

Autor: Christian Fiala 
Letzte Änderung am: 29.07.2010
 
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