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Schlafstörungen bei Kleinkindern

Wenn das Kleinkind unter Schlafstörungen leidet, sind Eltern und Kind gestresst
(Foto: DAK/Wigger)

Schlafstörungen bei Kleinkindern können verschiedene Ursachen haben. Als Kleinkinder bezeichnet man Kinder im zweiten und dritten Lebensjahr - die Kleinkind-Phase schließt direkt an die Säuglingsphase (bis zum ersten Lebensjahr) an.

Das Schlafbedürfnis von Kleinkindern ist immer noch relativ hoch: Etwa 16 Stunden Schlaf benötigt ein Kleinkind täglich. Mit zunehmendem Alter brauchen Kinder immer weniger Schlaf: So benötigen Kinder im sechsten Lebensjahr durchschnittlich etwa zehn Stunden Schlaf täglich.


Wie kommt es zu Schlafstörungen bei Kleinkindern?
Symptome von Schlafstörungen bei Kleinkindern
Diagnose von Schlafstörungen bei Kleinkindern
Wie werden Schlafstörungen bei Kleinkindern behandelt?
Welchen Verlauf haben Schlafstörungen bei Kleinkindern?
Kann man Schlafstörungen bei Kleinkindern vorbeugen?

Wie kommt es zu Schlafstörungen bei Kleinkindern?

Auch Kleinkinder können bereits unter Schlafstörungen leiden. Die Ursachen dafür sind - wie bei Schlafstörungen generell - sehr unterschiedlich. Bei Kleinkindern handelt es sich aber meistens um ein vorübergehendes Problem, das sich im Laufe der Jahre legt. Vorübergehende Schlafstörungen können immer wieder auftreten, beispielsweise, wenn das Kind gerade zahnt oder die Verdauungsregulierung noch nicht vollständig funktioniert.


Unregelmäßigkeiten sind häufige Auslöser

Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf sind eine häufige Ursache von Schlafstörungen bei Kleinkindern: Ortswechsel, unregelmäßige Schlafenszeiten, Veränderung der Essensgewohnheiten, aufregende Ereignisse am Tage oder Ängste sind einige Beispiele für solche Unregelmäßigkeiten. Kleinkinder brauchen eine gewisse Zeit, bis sie sich an bestimmte Abläufe gewöhnt haben. In dieser Umgewöhnungsphase kommt es besonders oft zu Schlafstörungen.


Psychische Ursachen

Auch psychische Belastungen können zu Schlafstörungen bei Kleinkindern führen. Kleinkinder sind für Stimmungen innerhalb der Familie sehr empfänglich - Probleme im familiären Umfeld belasten sie deshalb besonders. Depressionen können auch bei Kindern vorkommen und können zu Störungen des Schlafs führen.


Organische Erkrankungen

Chronische Krankheiten und damit verbundene Unannehmlichkeiten, zum Beispiel Schmerzen, können ebenfalls zu Schlafstörungen bei Kleinkindern führen. Vor allem Mittelohr- und Mandelentzündungen, Zahn- und Verdauungsprobleme sowie Allergien oder Asthma bronchiale sind "typische" Erkrankungen von Kleinkindern, die den Schlaf stören können.


Störungen im Schlaf-Wach-Rhythmus

Eine häufige Erklärung für Schlafstörungen sind Störungen im Schlaf-Wach-Rhythmus des Gehirns, der bei Kleinkindern noch nicht richtig funktioniert.


Symptome von Schlafstörungen bei Kleinkindern

Schlafstörungen bei Kleinkindern äußern sich auf verschiedene Arten. Die Symptome sind dabei abhängig von der Art der Schlafstörung. Diese werden in Ein- oder Durchschlafstörungen sowie Parasomnien unterteilt. Parasomnien, die häufig bei Kleinkindern auftreten, sind Schlafwandeln und Pavor nocturnus.


Symptome von Ein- und Durchschlafstörungen

Wenn Kleinkinder nicht oder nur sehr schlecht einschlafen, spricht man von Einschlafstörungen. Durchschlafstörungen äußern sich in häufigem nächtlichen Aufwachen, häufig begleitet von Albträumen.


Schlafwandeln und Pavor nocturnus

Schlafwandler führen während des Tiefschlafs Handlungen durch, an die sie sich später nicht mehr erinnern können. Diese Handlungen laufen sehr unterschiedlich ab: Kleinkinder stehen oft aus dem Bett auf und laufen in der Wohnung herum und bewegen Dinge. Gelegentlich kommt es dabei zu riskantem Verhalten, das zu Verletzungen führen kann, beispielsweise Verlassen der Wohnung und auf die Straße laufen.

In den ersten Stunden des Schlafs kann es zum Pavor nocturnus kommen. Als Pavor nocturnus wird das ängstliche Aufschrecken aus dem Schlaf bezeichnet. Begleitet wird Pavor nocturnus meist von scheinbar unerklärbaren Panikattacken und Schreien.


Diagnose von Schlafstörungen bei Kleinkindern

Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch und der Besprechung des Verlaufs mit dem Arzt (Anamnese). Dabei spielen Aussagen über Schlafgewohnheiten, Tagesrhythmen sowie sonstigen Abläufen, vor allem in den Abendstunden vor der Schlafenszeit, eine große Rolle. Es ist deshalb ratsam, dass Eltern bereits vor dem Arztbesuch die Beobachtungen notieren und zum Arztbesuch mitbringen.

Probleme und Belastungen innerhalb der Familie oder im näheren Umfeld sollten ebenfalls mit dem Arzt besprochen werden, da sie als Ursache für Schlafstörungen bei Kleinkindern infrage kommen.

Bei der körperlichen Untersuchung geht es um die Suche nach organischen, krankheitsbedingten Ursachen für die Störungen. Bei Verdacht wird auch ein EEG durchgeführt, wenn der Grund im Gehirn des Kleinkinds vermutet wird.


Wie werden Schlafstörungen bei Kleinkindern behandelt?

Schlafstörungen bei Kindern müssen nicht immer behandelt werden. Medikamente werden grundsätzlich nur in seltenen, schweren Fällen eingesetzt. Vielmehr stehen die Schaffung von Abendritualen, einem regelmäßigen Tagesablauf sowie der Verzicht auf möglicherweise aufreibende Aktivitäten in den Nachmittags- und Abendstunden im Mittelpunkt der Behandlung.

Wenn chronische Krankheiten der Grund für die Störungen sind, werden diese individuell therapiert. In der Regel normalisiert sich der Schlaf von Kleinkindern nach Behebung der Erkrankung von allein.

Psychische Ursachen werden von einem Kinder- oder Familienpsychologen therapiert. Es kann aber auch ausreichen, wenn im Umfeld des betroffenen Kleinkinds eine gewisse Ruhe einkehrt und Konflikte nicht in der Nähe des Kindes stattfinden.


Andere Möglichkeiten

Kleinkinder brauchen eine beständige, ruhevolle Umgebung, in der sie sich sicher fühlen können. Die Einführung von Abendritualen hilft, eine solche Umgebung zu schaffen. Beispiele für solche Rituale sind:


  • regelmäßige Schlafenszeiten
  • gemeinsame Zeit mit dem Kleinkind vor dem Zubettgehen, in der man zum Beispiel vorliest
  • Verzicht auf aufreibende Aktivitäten in den Abendstunden
  • nicht zu spätes Abendessen
  • nächtliche Fütterungen reduzieren

Welchen Verlauf haben Schlafstörungen bei Kleinkindern?

Häufig legen sich Schlafstörungen bei Kleinkindern mit der Zeit von alleine. Störungen im Schlaf-Wach-Rhythmus im Gehirn sind altersbedingt und nehmen mit zunehmender Hirnreife ab.

Gibt es eindeutige Ursachen für die Schlafprobleme, ist eine umfassende Therapie dieser Ursachen ratsam - der Schlaf ist für Kleinkinder besonders wichtig.


Kann man Schlafstörungen bei Kleinkindern vorbeugen?

Schlafstörungen können bei Kleinkindern immer wieder auftreten und sind in der Regel kein Grund zur Besorgnis. Feste Zeiten im Tagesablauf, gesunde, ausgewogene, und vor allem nicht zu spät am Abend eingenommene Mahlzeiten sowie ausreichend Bewegung an der frischen Luft mit dem Kleinkind wirken sich grundsätzlich positiv aus.



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Quellen:
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie: Nichtorganische Schlafstörungen (F51). AWMF-Leitlinien-Register-Nr. 028/012 (Stand: November 2006)
Sitzmann, F. C. et al.: Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2007
Kast-Zahn, A., Morgenroth, H.: Jedes Kind kann schlafen lernen. Gräfe und Unzer, München 2007

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 10.11.2012
 
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