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Schmerzmittel

Schmerzmittel können zum Beispiel die Beschwerden bei Rückenschmerzen lindern

Schmerzmittel können zum Beispiel die Beschwerden bei Rückenschmerzen lindern
(Quelle: DAK/Wigger)

Schmerzmittel sind Medikamente, die zur Minderung von Schmerzen eingesetzt werden. Man unterscheidet frei verkäufliche und verschreibungspflichtige, sowie zentral und peripher wirkende Schmerzmittel.


Wie entstehen Schmerzen?

Schmerzen sind eigentlich ein natürliches Warnzeichen des Körpers. Wenn Körpergewebe beschädigt wird, leiten die überall im Körper verteilten Schmerzsensoren diesen Reiz in das Zentrale Nervensystem (ZNS), also ins Rückenmark und Gehirn, weiter. Art und Ort der Verletzung werden hier lokalisiert und der Schmerz tritt an der entsprechenden Stelle auf.


Wann werden Schmerzmittel eingesetzt?

Schmerzen sind zwar ein Warnzeichen, sie können aber sehr belastend sein. Das gilt besonders für chronische Schmerzen, die ihre eigentliche Funktion als "Alarmsignal" verloren haben und zu einer eigenständigen Krankheit geworden sind.

Wann Schmerzen mit Schmerzmitteln behandelt werden, ist eine individuelle Entscheidung, denn Schmerzen werden von jedem Menschen anders empfunden. Dementsprechend ist auch die Schmerzempfindlichkeit verschieden.


Welche Arten von Schmerzmitteln gibt es?

Schmerzdämpfende Medikamente werden auch Analgetika genannt. Analgetika lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: in die zentral und die peripher wirkenden Schmerzmittel. Der Unterschied der beiden Gruppen von Analgetika liegt in der Art der Wirkungsweise.

Einfache oder periphere (nicht-opioide) Schmerzmittel

Die meisten einfachen Schmerzmittel sind frei verkäuflich. Sie wirken, indem sie die Schmerzempfindlichkeit der Nerven herabsetzen. Einfache Schmerzmittel wirken häufig auch fiebersenkend. Sie eignen sich besonders bei vorübergehenden, akuten Schmerzen wie Kopf-, Bauch-, Zahn- oder Gelenkschmerzen. Die am weitesten verbreiteten Wirkstoffe sind:


  • Acetylsalicylsäure
  • Nichtsteroidale Anthirheumatika (NSAR)
  • Paracetamol
  • Opioide oder zentrale Schmerzmittel

Acetylsalicylsäure

Acetylsalicylsäure eignet sich zur Linderung von Schmerzen, aber auch besonders gut zur Fiebersenkung. Zudem bremst der Wirkstoff die Blutgerinnung, deshalb wird er häufig zur Behandlung von Arteriosklerose (Arterienverkalkung) eingesetzt, um die Fließeigenschaften des Bluts zu verbessern. Vor einer Zahnbehandlung oder Operation sollte deshalb kein Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure eingenommen werden.

Mögliche Nebenwirkungen von Acetylsalicylsäure:


  • Magen-Darm-Störungen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Allergische Reaktionen
  • Kopfschmerzen
  • Gichtanfall bei erhöhten Harnsäurewerten
  • Blutbildveränderungen

Nichtsteroidale Anthirheumatika (NSAR)

Ibuprofen, Dexketoprofen, Naproxen und Diclofenac sind die am häufigsten verwendeten Wirkstoffe aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Sie wirken, indem sie die Produktion von Prostaglandinen hemmen. Diese Hormone sind unter anderem für die Entstehung von Entzündungsreaktionen im Körper verantwortlich. Deshalb eignen sich NSAR besonders bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Sie wirken außerdem fiebersenkend. NSAR können eingenommen, injiziert oder als Zäpfchen gegeben werden.

Mögliche Nebenwirkungen von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR):



Paracetamol

Paracetamol wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend. Der Wirkstoff eignet sich jedoch nicht zur Entzündungshemmung. Bei der Einnahme dieses Schmerzmittels ist es besonders wichtig, die richtige Dosierung zu beachten. Sie findet sich auf der Packungsbeilage oder wird vom Arzt vorgegeben. Die genaue Dosierung ist deshalb wichtig, weil es bei Überdosierung zu einer Paracetamol-Vergiftung kommen kann. Die Paracetamol-Vergiftung verursacht Leberschäden. Besonders in Verbindung mit Alkoholkonsum reagiert die Leber besonders empfindlich auf Paracetamol.

Mögliche Nebenwirkungen von Paracetamol:


  • Leber- und Nierenschäden
  • Magen-Darm-Störungen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Hautrötungen
  • Allergische Reaktionen

Opioide oder zentrale Schmerzmittel

Opioide sind rezeptpflichtige Schmerzmittel. Sie wirken im Zentralen Nervensystem (ZNS), wo die Schmerzsignale aus dem Körper verarbeitet werden. Sie dämpfen Schmerzen nicht wie peripher wirkende Schmerzmittel, vielmehr imitieren sie die Wirkung von Endorphinen. Endorphine sind körpereigene Hormone, die Schmerzgefühle unterdrücken. Sie werden bei Schmerzen vermehrt ausgeschüttet. Opioide ahmen Endorphine nach und beeinflussen so die Schmerzverarbeitung. Schmerzen werden als weniger belastend empfunden.

Der Vorläufer der Opioide, das Opium, war früher ein "natürliches" Schmerzmittel, das aus Mohn gewonnen wurde. Heute wird es natürlich oder synthetisch hergestellt. Das berühmteste und älteste Opioid ist das Morphin (Morphium), das heute immer noch eingesetzt wird. Man unterscheidet stark und schwach wirkende Opioide.

Schwache und starke Opioide

Schwach wirkende opioide Schmerzmittel eignen sich bei allen Formen von Schmerzen. Oft werden sie auch in Kombination mit einfachen Schmerzmitteln angewendet, weil sie deren Wirkung verstärken. Häufig angewendete schwache Opioide sind:


  • Kodein
  • Dihydrokodein
  • Tramadol

Stark wirkende opioide Schmerzmittel eignen sich besonders für die Anwendung nach Operationen oder im Rahmen von Krebserkrankungen bei der Tumor-Schmerztherapie. Häufig angewendete starke Opioide sind:


  • Morphin
  • Buprenorphin
  • Fentanyl
  • Hydromorphon
  • Levomethadon

Suchtgefahr bei opioiden Schmerzmitteln

Alle opioiden Schmerzmittel sind verschreibungspflichtig. Außerdem unterliegt die Abgabe von Opioiden dem Betäubungsmittelgesetz. Bei chronischen Schmerzpatienten ist die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit - richtig angewendet - jedoch relativ gering. Zusätzlich besteht der Vorteil, dass im Vergleich zu peripher wirkenden Schmerzmitteln keine Gewöhnung entsteht, sodass keine immer höhere Dosis eingenommen werden muss. Jedoch kommt es im Laufe der Behandlung zu einer körperlichen Abhängigkeit, weshalb die Dosis am Ende der Behandlung nicht abrupt abgesetzt, sondern nach und nach reduziert ("ausschleichen") wird.

Mögliche Nebenwirkungen von starken Schmerzmitteln:

Grundsätzlich ist es ratsam, die Schmerzmittel genau nach Anweisung des Arztes einzunehmen. Neben der körperlichen Abhängigkeit und der Gefahr einer psychischen Abhängigkeit können weitere unerwünschte Wirkungen auftreten:


  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche
  • Sehstörungen
  • Benommenheitsgefühl und Müdigkeit
  • Schwindel
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Allergische Reaktionen
  • Depressionen
  • Magen-Darm-Störungen

Opioide Schmerzmittel machen verkehrsuntüchtig

Während der Einnahme von opioiden Schmerzmitteln dürfen keine Maschinen bedient werden. Auch auf das Autofahren muss während der Behandlung verzichtet werden.


Was ist bei der Einnahme von Schmerzmitteln zu beachten?

Schmerzmittel eignen sich nicht zum Dauergebrauch. Das gilt auch für die frei verkäuflichen Mittel. Es wird besondere Vorsicht bei der Einnahme von Schmerzmitteln empfohlen, wenn man empfindliche Atemwege hat. Dies ist besonders bei Asthma bronchiale, Heuschnupfen oder anderen Allergien der Fall. Hier ist es ratsam, die Ersteinnahme eines Schmerzmittels unter Aufsicht eines Arztes vorzunehmen, um bei eventuellen schweren Reaktionen sofort Hilfe zu bekommen.

Bei Schmerzen, die länger als einige Tage anhalten, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Der Arzt kann die Ursache für die Schmerzen finden und behandeln, sodass die Einnahme von Schmerzmitteln nicht länger als nötig erforderlich ist.

In den Expertenart-Foren Schmerz/Muskelschmerz auf der Gesundheitsberatung oder Chronische Schmerzen können Sie Fragen zum Thema Schmerzmittel direkt an unsere Experten richten.

Quellen:
Beubler, E.: Nicht-opioide Analgetika. Uni-Med, Bremen 2007
Freye, E.: Opioide in der Medizin. Springer, Berlin Heidelberg 2004
Stiftung Warentest: Handbuch Medikamente. Berlin 2004

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 18.11.2008
 
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