Tipp

Schulterschmerzen

Schulterschmerzen können verschiedene Ursachen haben

Schulterschmerzen können verschiedene Ursachen haben
(Quelle: LifeArt)

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Körpers. Bei Schulterschmerzen können zahlreiche alltägliche Aktivitäten bei denen man nach vorne, zur Seite oder nach hinten greift - wie beispielsweise die Körperpflege – erschwert werden.

Anatomie der Schulter

Die meisten Knochen des Körpers sind als Gelenke miteinander verbunden. Gelenke ermöglichen die Beweglichkeit an den entsprechenden Knochenenden. Das Schultergelenk ist ein Scharniergelenk. Das bedeutet, dass die beiden Gelenkpartner zueinander passen: Die Wölbung des Oberarmkopfs (Schulterkopf) kann gegen die Aushöhlung Schulterblattes (Schulterpfanne) – bewegt werden. Das Schulterblatt wird ergänzt durch das Schulterdach, welches ein erweitertes Lager für den Oberarmkopf bildet. Insgesamt besteht der Schultergürtel aus acht Gelenken.

Das Schultergelenk wird durch Bänder stabilisiert, sodass die beiden Hauptgelenkpartner – Schulterkopf und Schulterpfanne – bei Bewegung in der richtigen Position bleiben. Die Bänder liegen um den gesamten Kontaktbereich der beiden Knochen herum. Zur Gelenkstabilisierung dient zudem die Schulterkapsel. Diese grenzt den Innenraum des Gelenks von der Umgebung ab. An der Innenseite zum Gelenk hin hat die Schulterkapsel einen Schleimhautüberzug (Synovialis), der die Gelenkschmiere (Synovia) bildet. Für die Bewegung des Schultergelenks ist zudem ein Knorpelüberzug der Gelenkflächen wichtig.

Die Muskeln und Sehnen am Schultergelenk ermöglichen die aktive Bewegung der Schulter. Die Muskelgruppe der Schulter, die für das Heben des Arms und die Drehbewegungen wichtig ist, ist die so genannte Rotatorenmanschette. Die Muskeln enden in Sehnen und sind durch diese mit dem Knochen verbunden. Auch die Muskeln des Oberarms spielen für die Beweglichkeit des Schultergelenks eine wichtige Rolle. Außerdem werden die Schultermuskeln durch die Brust- und Rückenmuskulatur ergänzt.

Zwischen der Sehnenplatte, der Rotatorenmanschette und dem Schulterdach befindet sich zudem ein Schleimbeutel, der für eine Druckverteilung und Verschiebbarkeit im Gelenk sorgt.


Ursachen von Schulterschmerzen

Die Ursachen von Schulterschmerzen sind sehr vielfältig, da am Schultergelenk neben den Knochen zahlreiche Bänder und Sehnen sowie etwa 30 Muskeln beteiligt sind und die Schulter im Alltag verschieden stark beansprucht wird.

Zu den Ursachen von Schulterschmerzen gehören:

  • Arthrose : Die Arthrose entsteht durch einen Gelenkverschleiß und ist die häufigste Ursache für Schulterschmerzen
  • Knochenbrüche (Knochenfraktur): Frakturen des Schultergelenks treten meist in Folge von Unfällen auf.
  • Riss (Ruptur) der Rotatorenmanschette : Die Rotatorenmanschette kann durch eine plötzliche Überbelastung des Schultergelenks – beispielsweise beim Krafttraining – ausgelöst werden.
  • Schulterausrenkung oder -verrenkung (Luxation): Eine Luxation des Schultergelenks wird häufig durch eine übermäßige Krafteinwirkung auf das Schultergelenk – beispielsweise bei einem Sturz – verursacht.
  • Schulterinstabilität: Wird der Arm mit großer Kraft in maximalem Bewegungsausmaß beansprucht – beispielsweise beim Tennis oder Golf – kann eine Instabilität der Schulter entstehen.
  • Schultergelenkentzündung, rheumatische Schultererkrankung: Eine Entzündung kann plötzlich auftreten oder langsam beginnen und schleichend fortschreiten.
  • Schultersteife : Die Schultersteife wird durch einen entzündlichen Prozess im Schultergelenk ausgelöst.
  • Schleimbeutelentzündung : Die Ursache für eine Schleimbeutelentzündung ist häufig eine Überbelastung des Schultergelenks.
  • Einklemmungserscheinungen (Impingment-Syndrom): Die Muskeln, Sehnen und Nerven des Schultergelenks werden durch krankhafte Veränderungen eingeklemmt.
  • Sehnenverkalkungen : Von der so genannten Kalkschulter sind vor allem Frauen ab dem 40. Lebensjahr betroffen.
  • Verspannungen: Schulterverspannungen können durch eine Fehlhaltung ausgelöst werden und zu starken Beschwerden führen.

Darüber hinaus können eine Reihe anderer Erkrankungen, die nicht das Schultergelenk betreffen, Schulterschmerzen auslösen. Dazu gehören Erkrankungen der Halswirbelsäule, Bandscheibenvorfälle, Rückenmarkserkrankungen sowie Lungen- oder Herzerkrankungen.


Symptome

Die Symptome der Schulterschmerzen können je nach Ursache sehr vielfältig sein:

  • Bewegungs- und Funktionsstörungen des Schultergelenks
  • Brennende Schmerzen in der Schulter
  • Stechende Schmerzen in der Schulter
  • Ausstrahlende Schmerzen bis in die Hände oder den Rücken
  • Druckschmerz

Diagnose von Schulterschmerzen

Es ist ratsam, Schulterschmerzen von einem Arzt (Hausarzt, Orthopäde oder Unfallchirurg) untersuchen zu lassen. Zu Beginn der Diagnose fragt der Arzt nach den Beschwerden und erkundigt sich nach eventuellen Vorerkrankungen (Anamnese). Darauf folgt die so genannte körperliche Inspektion. Der Arzt betrachtet dabei den Oberkörper von vorne und hinten und sucht nach äußerlichen Auffälligkeiten des Schultergelenks. Anschließend prüft er durch Abtasten, ob die Schulter an bestimmten Stellen empfindlich auf Druck reagiert. Im nächsten Schritt der Untersuchung von Schulterschmerzen fordert der Arzt den Betroffenen zu verschiedenen Bewegungen der Schulter auf (Funktionsprüfung).

Ergänzend zu den körperlichen Untersuchungen und der Beschwerdeschilderung des Betroffenen werden – je nach Verdacht des Arzts – ergänzende Diagnoseverfahren eingesetzt:


Therapie von Schulterschmerzen

Je nach Ursache ist die Therapie von Schulterschmerzen sehr unterschiedlich. Sie kann konservativ – das heißt ohne Operation – oder operativ erfolgen. Bei der konservativen Therapie werden beispielsweise Salben, Gele oder Lotionen angewandt, die kühlend oder wärmend wirken und häufig mit entzündungshemmenden oder antirheumatischen Medikamente angereichert sind. Bei chronischen Schmerzen ist Wärme ratsam, bei akuten Beschwerden – vor allem in Folge von Unfällen – Kälte. Auch bei Gelenkreizungen (beispielsweise bei Arthrose oder einer Schleimbeutelentzündung) hilft Kälte in der Regel am besten.

Die Ruhigstellung der Schulter stellt auch eine konservative Behandlungsmöglichkeit dar. Sie ist jedoch nur nach Schulterverrenkungen, Kapselzerreißungen und Brüchen sowie nach Operationen sinnvoll. Bei anderen Ursachen wird eine Ruhigstellung vermieden, um ein Verkleben der Kapselfalten – die für den vollen Bewegungsumfang benötigt werden – zu verhindern.

Andere konservative Therapiemöglichkeiten bei Schulterschmerzen sind:

  • Physiotherapie in Form von Bewegungstherapie oder Manueller Therapie
  • Therapie mittels Strom, elektromagnetischen Wellen oder Ultraschall
  • Licht-und Laser-Therapie
  • Massagen
  • Akupunktur
  • Behandlung mit schmerzstillenden Medikamenten
  • Gelenkinjektionen (Spritzen, die ins Schultergelenk gesetzt werden)

Ist die konservative Therapie nicht ausreichend oder handelt es sich um eine Verletzung in Folge eines Unfalls, können operative Maßnahmen notwendig sein. Da das Schultergelenk sehr komplex aufgebaut ist, ist es ratsam, dass ein Spezialist den operativen Eingriff durchführt. Einige Erkrankungen – wie eine Rotationsmanschetten-Ruptur – können durch die so genannte Schlüsselloch-Chirurgie behandelt werden.


Verlauf von Schulterschmerzen

Der Verlauf von Schulterschmerzen ist abhängig von der zu Grunde liegenden Ursache. Wesentlich für den Behandlungserfolg ist die Mitarbeit des Betroffenen. Bestimmte Verhaltensmaßnahmen – beispielsweise der zeitweise Verzicht auf belastende Sportarten wie Tennis – sind wichtig für den Heilungsprozess. Verordnet der Arzt zudem Maßnahmen wie Ruhigstellung oder Physiotherapie, ist es ratsam, sich daran zu halten.


Vorbeugen von Schulterschmerzen

Bei sportlichen Aktivitäten empfiehlt es sich, das Schultergelenk nicht zu stark zu beanspruchen, um Schulterschmerzen vorzubeugen. Ist bekannt, welche Reize die Schulterschmerzen auslösen, ist es wichtig, diese zu vermeiden. Bestehen bereits Beschwerden, die durch Gelenkverschleiß auftreten, kann eine rechtzeitige Therapie dem raschen Fortschreiten der Erkrankung vorbeugen.


Sie leiden an Schulterschmerzen? Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen an die Experten in unserer Orthopädie-Expertenrat.

Quellen:
Debrunner, H. et al: Orthopädisches Diagnostikum. Thieme, Stuttgart 2004
F.A. Brockhaus (Hrsg.).: Der Brockhaus Gesundheit. F. A. Brockhaus GmbH, Leipzig/Mannheim 2006
Grifka, J.: Die Schulterschule. Rohwolt Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg 2004

 

Autor: Theresa Nikley 
Letzte Änderung am: 20.01.2009
 
Tipp