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Selen

 Selen kommt in tierischem Eiweiß vor

Selen kommt in tierischem Eiweiß vor
(Quelle: BananaStock)

Selen zählt zu den Spurenelementen und spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem. Der Selenbestand eines Erwachsenen beträgt ungefähr 10 bis 15 mg Selen, das hauptsächlich in der Muskulatur, aber auch in Leber, Nieren und Herz gespeichert ist. Selen ist als Bestandteil von über 20 Enzymen und Proteinen mit unterschiedlicher physiologischer Wirkung direkt am Schutz der Zellen und Organen gegenüber freien Radikalen beteiligt. In der Industrie wird Selen in der Halbleitertechnik verwendet.

Aufgaben von Selen

Als Bestandteil von verschiedenen Enzymen greift Selen an verschiedenen Stellen in unseren Stoffwechsel ein:

  • Selen als Bestandteil der Glutathionperoxidase ist ein wichtiges Antioxidants und schützt unsere Zellen vor der Zerstörung durch freie Radikale und vor der Entstehung von Krebs. Freie Radikale entstehen bei verschiedenen Stoffwechselschritten und durch UV Strahlung, Nikotin und andere Schadstoffe. Es sind chemisch außerordentlich reaktionsstarke Moleküle, die die DNA schädigen und zu Mutationen der Erbsubstanz führen können. Sie gehören daher zu den kanzerogenen (krebserregenden) Substanzen.
  • Selen bindet Schwermetalle wie Arsen, Blei oder Quecksilber, unterstützt somit die Entgiftung von diesen Stoffen und schützt die Körperzellen.
  • Selen als Bestandteil der Deiodasen ist mit an der Umwandlung und Aktivierung von Schilddrüsenhormonen beteiligt und beugt einer Unterfunktion vor.
  • Selen stärkt das Immunsystem, indem es die Produktion von Antikörpern, Gamma Interferon sowie des Tumor-Nekrose-Faktors und die Aktivität der natürlichen Killerzellen stimuliert.

Selen spielt deswegen nicht nur in der Prävention von Erkrankungen, sondern auch bei der akuten Therapie von Erkältungserkrankungen, Tumorerkrankungen, rheumatischen Erkrankungen oder der Hashimoto Thyreoiditis eine große Rolle. Die tumorpräventive Wirkung einer Selensubstitution wurde in verschiedenen Studien bewiesen. In der bekanntesten, der Clark Studie, einer 1996 durchgeführten prospektiven Doppelblindstudie an 1312 Patienten mit Hauttumoren, konnte gezeigt werden, dass durch Selensubstitution von 200 µg Selen sowohl die sekundäre Krebsinzidenz für verschiedene Tumore als auch die gesamte Krebssterblichkeit gesenkt wurde. Zur Vorbeugung des Prostatakarzinoms, der häufigste Tumor des Mannes, wird die Einnahme von 200 µg Na-Selenit empfohlen.

Ursachen für einen Selenmangel

Oft liegt die Ursache des Selenmangels in einer verminderten Zufuhr von Selen durch eine einseitige Ernährung oder Bevorzugung selenarmer Nahrungsmittel. Nordeuropa und auch Deutschland gehören zu den Ländern mit überwiegend selenarmen Böden, so dass unsere Nutzpflanzen wie Getreide, Kartoffeln oder Gemüse unter heutigen Bedingungen wenig Selen enthalten. Schweine- und Hühnerfutter wird heutzutage mit Selen angereichert, um eine Versorgung zu gewährleisten.

Durchfall und chronische Erkrankungen im Bereich des Magen-Darm-Traktes wie zum Beispiel Bauchspeicheldrüsenentzündung, Morbus Chron oder Colitis Ulcerosa können die Selenaufnahme über die Nahrung vermindern und einen Selenmangel begünstigen. Auch Schwermetallbelastung, Rauchen, Stress, Schwangerschaft und Krebserkrankungen gehen mit einem erhöhten Bedarf an Selen einher.

Symptome eines Selenmangels

Ein Mangel oder eine Unterversorgung an Selen kann unterschiedliche Auswirkungen haben. Verschiedene Studien haben einen Zusammenhang zwischen Selenmangel und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Kardiomyopathie sowie rheumatischen Beschwerden gezeigt. Bei Selenmangel ist das Immunsystem häufig geschwächt und die Patienten leiden an erhöhter Infektanfälligkeit. Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Krebs oder entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen haben oft niedrige Selenspiegel im Blut und ein geschwächtes Immunsystem. Außerdem kann die Fruchtbarkeit verringert sein, da Selen die Spermatozoitenreifung beim Mann und die Eizellreifung bei der Frauen beeinflusst. In USA wurde festgestellt, dass ein Viertel der Babys, die an einem plötzlichem Kindstod verstorben sind, einen auffälligen Selenmangel hatten. Möglicherweise schützt Selen auch vor dem plötzlichen Kindstod.

Tagesbedarf und Therapie des Selenmangels

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt einen täglichen Selenbedarf von 30 bis 70 µg für Menschen ab dem 16. Lebensjahr. Laut Studien über die durchschnittliche Selenversorgung in Deutschland liegt die tatsächliche Selenaufnahme aber mit durchschnittlich 30 µg bei Frauen und 40 µg bei Männern deutlich unter den Empfehlungen. Ältere Menschen, Raucher, Krebserkrankte und Menschen mit geschwächtem Immunsystem haben zudem einen erhöhten Selenbedarf.

Bei einem Mangel, der mittels ausgewogener Ernährung nicht ausgeglichen werden kann, empfiehlt sich nach Absprache mit dem Arzt die Einnahme von einem Nahrungsergänzungsmittel mit 50-100 µg Selen (Natrium-Selenit). Bei chronischen Grunderkrankungen wie Rheuma, Krebs und Schilddrüsenerkrankung kann vom Arzt auch eine höherdosierte Einnahme verordnet werden.

Selenhaltige Nahrungsmittel

Selen ist mit 20 µg pro 100 Gramm Nahrungsmittel in tierischem Eiweiß wie Fleisch und Fisch enthalten. Der Selengehalt von Innerein liegt mit bis zu 270 µg Selen/100 Gramm Nahrungsmittel besonders hoch. Hühnereier und Käse enthalten ca. 10 µg Selen/100 Gramm. Vegetarier sollten versuchen, viel Sesam, Leinsamen und Kokosnuss zu essen, denn das sind die wenigen pflanzlichen Selenquellen, die bis zu 600 µg/100 Gramm enthalten. Obst und Gemüse enthalten ansonst nur sehr wenig Selen.

Überdosierung

Selen galt bis 1954 als giftiges (toxisches) Spurenelement. Die Toxizität von Selen hängt von der Dosis und der Art der Selenverbindungen ab. Die Verbindungen Selenit, Selenat und Selenocystein werden vom Körper gut aufgenommen, elementares Selen und stabile Metallselenide werden dagegen nur schlecht resorbiert. Die regelmäßigen Zufuhr von bis zu 400 µg Selen täglich gilt als ungiftig. Eine hochdosierte Einnahme sollte aber immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Eine Selenvergiftung ist sehr selten und entsteht durch eine zu hohe Selendosis, die man über längere zeit einnimmt. Eine Selenüberdosierung äußert sich durch knoblauchartigen Atemgeruch der Betroffenen und häufig Magen-Darm-Störungen, Kopfschmerzen und Haarausfall. Manchmal kommt es zu Veränderungen der Fingernägel (weiße Flecken und Streifen) sowie Sensibilitätsstörungen (periphere Neuropathien). Selen als Gas eingeatmet kann die Augen und Schleimhäute reizen.

Sie haben noch weitere Fragen zum Thema Selen? Dann wenden Sie sich an unsere Expertenrat.

Quellen:
Burgerstein, L., Schurgast, H., Zimmermann, M.: Burgersteins Handbuch Nährstoffe. HAUG, Heidelberg 2007
Deutsche Gesellschaft für gesunde Ernährung, Österreichische Gesellschaft für gesunde Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Umschau Brauns GmbH, Frankfurt am Main, 2000
Kasper, H., Wild, M., Burghard, W.: Ernährungsmedizin und Diätetik. Urban & Fischer, München 2004
Drobner, C., Anke, M, Thomas, G.: Selenversorgung und Selenbilanz Erwachsener in Deutschland. Mengen und Spurenelemente. Schubert: Leipzig 627-634, 1996
Combd. GF. Jr., Clark, LC., Turnbull, BW.: An Anlysis of Cancer prevention by Selenium, Biofaktots 14:153-159, 2001

 

Autor: Dr. med. Jessica Männel 
Letzte Änderung am: 10.09.2009
 
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