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Skoliose

Je früher man eine Skoliose erkennt, umso besser kann sie behandelt werden

Je früher man eine Skoliose erkennt, umso besser kann sie behandelt werden
(Foto: BananaStock)

Eine Skoliose ist eine Fehlstellung der Wirbelsäule und wird auch als Wachstumsdeformation bezeichnet. Sie besteht aus mehreren Bewegungskomponenten, die die Wirbelsäule in verschiedene Bewegungsrichtungen zwingt, die von der normalen (physiologischen) Haltung abweicht. Es entsteht eine Kombination von Seitneigung der Wirbelsäule, Verdrehung der einzelnen Wirbel und eine Verwindung der Körperachse. Dadurch ist auch der Brustkorb (Thorax) in seiner Form verändert. Sie entsteht bei Kindern und Jugendlichen, wobei Mädchen viermal häufiger betroffen sind als Jungen. Die Häufigkeit der Skoliose ist offenbar weltweit sehr unterschiedlich dokumentiert. Es lassen sich Zahlen von 0,13 Prozent bis 13,6 Prozent in der Literatur finden. Dies soll nicht heißen, dass die Erkrankungshäufigkeit auf der Welt so unterschiedlich ist, wahrscheinlicher ist, das man sich weltweit nicht auf klare Definitionen einigen konnte, ab welcher Art von Abweichung der Norm eine Skoliose vorliegt.


Ursachen für eine Skoliose

Die Ursachen der Skoliose können sehr vielfältig sein, wobei etwa 85 Prozent aller Fälle als idiopathisch bezeichnet werden. Dies bedeutet, dass die Ursache nicht bekannt ist. Seit 2007 gibt es jedoch ernsthafte Anhaltspunkte, dass auch genetische Ursachen in Betracht gezogen werden können. Weitere mögliche Ursachen sind nach einem Unfall (posttraumatisch), aufgrund von Lähmungen oder Bewegungsstörungen (neuropathisch) oder durch Strahlentherapie im Kindesalter (radiogen). Auch Muskelschwund oder Osteoporose (auch im Kindesalter) können Ursachen für eine Skoliose sein.


Welche Symptome verursacht eine Skoliose?

Da sich eine Skoliose schleichend entwickelt und der Betroffene nichts davon spürt, entdeckt man die Fehlhaltung meistens, wenn sich Kinder mit freiem Oberkörper bewegen, etwa beim Umziehen vor dem Sportunterricht oder beim Schwimmen. Meistens wird die Diagnose zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr gestellt, wenn bereits deutliche Zeichen zu sehen sind.

Tritt die Skoliose allerdings schon beim Säugling deutlich auf, hat sie eine günstige Prognose. Im Säuglingsalter lassen sich durch Lagerung und Physiotherapie gute Erfolge erzielen.


Wie wird eine Skoliose diagnostiziert?

Bei der Untersuchung des entkleideten Kindes erkennt man oft die Seitdrehverbiegung der Wirbelsäule sofort. Der so genannte Vorbeugetest, bei dem sich das Kind aus dem Stand nach vorne beugt, zeigt die Verkrümmung der Wirbelsäule noch deutlicher. Im Stand ist eine Asymmetrie sichtbar. Anschließend wird ein großes Röntgenbild aufgenommen, welches die gesamte Wirbelsäule zeigt. Die Aufnahme erfolgt im Stand und um scheinbare Beinlängendifferenzen auszugleichen, werden dünne Brettchen unter einen Fuß des Kindes gelegt, bis das Becken in der Horizontalebene gerade steht. Auch andere Röntgentechniken stehen zur Verfügung.


Welche Therapie wird bei Skoliose durchgeführt?

Eine Therapie hängt in erster Linie von der Ursache der Skoliose und dem Alter des Betroffenen ab. Hierbei kommt als Klassifizierung der Skoliose die Gradeinteilung nach Cobb zum Einsatz. Eine Skoliose von bis zu 20 Grad wird als beginnende Skoliose bezeichnet und wird meist nur mit Physiotherapie behandelt. Die Physiotherapie ist in jedem Stadium der Erkrankung fester Bestandteil der Therapie. Hat die Skoliose einen Wert zwischen 20 und 50 nach Cobb, trägt man zusätzlich zur Physiotherapie meist 23 Stunden am Tag ein festes Korsett (Orthese). Man unterscheidet eine Vielzahl von verschiedenen Korsettarten. Aktiv- oder Passivkorsett, ein individuell gefertigtes oder ein Korsett aus der so genannten Modultechnik. Mit einer Korsettversorgung kann man die Wirbelsäule positiv beeinflussen oder gar eine Verschlechterung der Skoliose verhindern, die bereits bestehende Verformung kann jedoch nicht verringert werden. Ab dem Wert 50 nach Cobb ist oft eine Operation der Wirbelsäule nötig. Nur wenn der Organismus gefährdet ist, die krumme Wirbelsäule auf Organe, wie die Lunge, drückt oder die Atmung stark eingeschränkt ist, sollte operiert werden. Eine Operation bei Skoliose ist meistens mit einer künstlichen Versteifung der Wirbelsäule verbunden, deshalb sollte nicht vorschnell operiert werden, da sonst keine positive Veränderung durch andere Therapien mehr zu erwarten ist. Es gibt Kliniken, die speziell auf Skoliosetherapie ausgerichtet sind. Es gibt im stationären Aufenthalt noch weitaus mehr Therapieformen als in der ambulanten Versorgung und auch mittels Operationen wurden schon gute Erfolge erzielt.

Der Verlauf einer Skoliosetherapie hängt auch zum großen Teil vom Betroffenen selbst ab. Nicht jeder ist gleich motiviert, mehrmals täglich krankengymnastische Übungen zu machen oder beinahe rund um die Uhr ein unbequemes Korsett zu tragen. Auch eine andere langwierige Therapiemethode kommt nicht für jeden in Frage. Oft kann man mit einem regelmäßigen Übungsprogramm leichte Skoliosen schon im voranschreiten hindern.


Kann man einer Skoliose vorbeugen?

Je früher man eine Skoliose erkennt, umso besser kann sie behandelt werden. Hierbei gilt oft, je jünger der Betroffene, umso größer das Korrekturpotenzial. Direkt Vorbeugen kann man nicht, denn wenn eine Auffälligkeit besteht, ist die Asymmetrie schon eingetreten. Dann sollte aber sofort die Therapie beginnen.


Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen an die Experten in der Orthopädie-Expertenrat.


Quellen:
Pfeil, J., Niethard, F.:Orthopädie. Thieme Verlag, Stuttgart 2005
Weineck, J.: Sportanatomie, PERIMED-spitta Verl.-Ges., Balingen 1995

 

Autor: Christian Fiala 
Letzte Änderung am: 09.09.2010
 
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