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Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom)

Zu den Ursachen für Speiseröhrenkrebs zählt auch das Rauchen

Rauchen kann Speiseröhrenkrebs verursachen
(Quelle: AOK-Mediendienst)

Speiseröhrenkrebs ist eine Krebserkrankung der Speiseröhre. Man unterscheidet zwei Formen: das Plattenepithelkarzinom und das Adenokarzinom.

Die Speiseröhre verbindet den Mund mit dem Magen. Aufgenommene Nahrung wird durch diesen beim Erwachsenen etwa 25 Zentimeter langen Schlauch zum Magen transportiert. Von innen ist die Speiseröhre mit Schleimhaut überzogen.

Obwohl der Speiseröhrenkrebs eine sehr seltene Krebserkrankung ist  etwa drei bis fünf von 100.000 Menschen erkranken in den westlichen Ländern jährlich an diesem Tumor , ist die Zahl der Neuerkrankungen gestiegen. Das Verhältnis von Männern zu Frauen ist etwa 4:1.


Was sind die Ursachen von Speiseröhrenkrebs?

Die genauen Ursachen von Speiseröhrenkrebs sind bislang noch nicht belegt. Es gibt jedoch Risikofaktoren, die maßgeblich zu seiner Entstehung beitragen. Dazu gehören

  • Erhöhter Alkohol- und Nikotinkonsum
  • Refluxkrankheit (Sodbrennen)
  • Zu heiße und scharfe Mahlzeiten
  • Übergewicht
  • Starke Strahleneinwirkung
  • Gewebeveränderungen in der Speiseröhre (Barret-Ösophagus)

Beim Plattenepithelkarzinom ist der Zusammenhang zwischen Rauchen, Alkoholkonsum und Speiseröhrenkrebs erwiesen: Etwa drei Viertel aller Fälle sind auf Rauchen und Alkohol zurückzuführen.


Was sind die Symptome von Speiseröhrenkrebs?

Die Beschwerden bei Speiseröhrenkrebs sind hauptsächlich im Verdauungssystem lokalisiert. Das häufigste Anzeichen sind Schluckbeschwerden. Die Speiseröhre ist zwar nur etwa einen Zentimeter breit, aber sehr dehnbar. Deshalb verursacht erst eine etwas größere Geschwulst derartige Beschwerden. Manchmal fühlt es sich so an, als wären die Schmerzen hinter dem Brustbein.

Im fortgeschrittenen Stadium verkrampft sich die Speiseröhre, die Schmerzen beim Schlucken nehmen zu. Hinzu kommt deutlicher Gewichtsverlust.

Seltener kommen Verdauungsstörungen und Sodbrennen als Symptome von Speiseröhrenkrebs vor.


Wie wird Speiseröhrenkrebs diagnostiziert?

Die Schilderung der Beschwerden während des Gesprächs über die Krankheitsgeschichte (Anamnese) gibt erste Hinweise auf Speiseröhrenkrebs. Anschließend folgt die körperliche Untersuchung mit verschiedenen speziellen Verfahren, die weiteren Aufschluss geben.

Spiegelung der Speiseröhre (Ösophagoskopie)

Mit einem langen, biegsamen Schlauch (Endoskop) lässt sich das Innere der Speiseröhre untersuchen. Das Endoskop ist mit einer Lichtquelle und einer Sonde ausgestattet, sodass genaue Untersuchungen möglich sind. Bei Bedarf kann während der Ösophagoskopie bereits eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden. Die Spiegelung ist in der Regel schmerzlos. Lediglich das "Schlucken" des Schlauchs wird häufig als unangenehm empfunden. Dagegen helfen beruhigende Medikamente.

Röntgenuntersuchung

Eine Röntgenuntersuchung ist ebenfalls Teil der Diagnose bei Verdacht auf Speiseröhrenkrebs. Um möglichst genaue Aufnahmen der Speiseröhre und eventuelle Verengungen darzustellen, muss zuvor ein Brei mit einem Röntgenkontrastmittel geschluckt werden.

Endosonographie

Die Endosonographie ist eine Kombination aus herkömmlicher Ultraschalluntersuchung und Endoskopie. Wie bei der Speiseröhrenspiegelung lässt sich ein langer, biegsamer Schlauch in die Speiseröhre einführen. Er ist mit kleinen Ultraschallknöpfen versehen, die Ultraschallaufnahmen von innen machen können. Diese Methode hat im Vergleich zur "normalen", äußerlichen Ultraschalluntersuchung den Vorteil, dass die Aufnahmen nicht durch Knochen und Gewebe hindurch gemacht werden müssen.

Computertomographie (CT) und Magnetresonanz-Tomographie (MRT)

Mit beiden Methoden lassen sich Brust und Bauch dreidimensional darstellen. Sie dienen der Bestimmung von genauer Lage und Ausdehnung des Tumors. Außerdem sieht man dabei, ob der Tumor bereits in andere Organe oder Lymphknoten streut, also Metastasen bildet.


Wie lässt sich Speiseröhrenkrebs therapieren?

Ziel der Therapie von Speiseröhrenkrebs ist die vollständige Entfernung des Tumors. Haben sich noch keine Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet, ist die Aussicht auf einen Therapieerfolg relativ hoch. Dafür ist es zunächst nötig, den Tumor nach der TNM-Klassifikation (T für Tumor, N für benachbartes Gewebe und M für Metastasen) einzuteilen.

Operation (Ösophagektomie)

Ist der Tumor auf die Speiseröhre begrenzt und hat sich noch nicht auf benachbartes Gewebe ausgedehnt, sind die Voraussetzungen für eine Operation gut. Auch ein guter körperlicher Allgemeinzustand ist hilfreich. Bei der operativen Behandlung von Speiseröhrenkrebs werden der Tumor selbst und das angrenzende Gewebe (Sicherheitsabstand) mit den Lymphknoten entfernt. Die restlichen Teile der Speiseröhre werden mit dem Magen verbunden. Eventuell ist eine künstliche Verbindung nötig, diese kann mit einem Schlauch oder auch aus Eigengewebe (beispielsweise Darm) hergestellt werden.

Strahlentherapie

Radioaktive Strahlen sorgen bei der Strahlentherapie für einen Wachstumsstopp der Krebszellen. In über mehrere Wochen andauernden Sitzungen "schießt" ein Linearbeschleuniger die radioaktiven Teilchen direkt auf den Tumor. Die Strahlendosis wird vorher genau berechnet. Eine Sitzung dauert in der Regel nur wenige Minuten. Die Strahlentherapie selbst ist schmerzfrei. Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen, allgemeines Schwächegefühl, Kopfschmerzen und Haarausfall. Sie legen sich nach dem Ende der Therapie wieder.

Chemotherapie

Die Chemotherapie eignet sich bei Speiseröhrenkrebs als Vor- oder Nachbehandlung der Tumorentfernung. Häufig wird sie auch in Kombination mit der Strahlentherapie durchgeführt. Inoperable Tumoren der Speiseröhre lassen sich ebenfalls mit der Chemotherapie behandeln.

Zellgifte (Zyostatika) können als Tabletten eingenommen, injiziert oder als Infusion gelegt werden. Sie hemmen die Teilung der sich schnell vermehrenden Zellen. Die Zellen von Tumoren sind entartet und teilen sich besonders häufig, deshalb wirken Zyostatika hauptsächlich auf sie. Da die Chemotherapie im ganzen Körper wirkt, bleiben gesunde Zellen jedoch nicht unbeeinflusst. Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, Magen-Darm-Störungen, Schleimhautentzündungen und Schwächegefühl können bei der Chemotherapie auftreten. Auch Haarausfall kommt vor. Nach Ende der Behandlung verschwinden die Nebenwirkungen wieder; auch die Haare wachsen wieder nach.


Welchen Verlauf hat Speiseröhrenkrebs?

Je früher Speiseröhrenkrebs festgestellt und behandelt wird, desto günstiger ist die Prognose. Nach der Tumorbehandlung liegt der Schwerpunkt auf der Rehabilitation. Sie erfolgt in der Regel in speziellen Kliniken. Vor allem im Hinblick auf eine Teilentfernung der Speiseröhre empfiehlt sich die Rehabilitation in einer Umgebung, die auf die veränderten Bedürfnisse eingehen kann. Auch die regelmäßige Tumornachsorge ist ratsam. In welchen Intervallen sie stattfindet, richtet sich nach der individuellen Situation.


Wie kann man Speiseröhrenkrebs vorbeugen?

Die Lebensweise hat einen gewissen Einfluss auf die Entwicklung von Speiseröhrenkrebs. Es ist sinnvoll, auf das Rauchen zu verzichten und Alkohol nur gemäßigt zu konsumieren. Außerdem ist es ratsam, auf Speisen zu verzichten, die Sodbrennen verursachen. Bei chronischem Sodbrennen wird die Schleimhaut der Speiseröhre geschädigt. Eine mögliche Folge ist der Barrett-Ösophagus, ein Gewebeumbau der Speiseröhre. Er gilt als Vorstufe zu Speiseröhrenkrebs. Wurde bereits ein Barret-Ösophagus diagnostiziert, sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen besonders wichtig.


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Quellen:
Die blauen Ratgeber der Deutschen Krebshilfe: Speiseröhrenkrebs. (Stand: Juli 2007)
Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie: Oesophaguskarzinom. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 032/008 (Stand: Oktober 2003)
Piper, W.: Innere Medizin. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2007
Online-Informationen des National Cancer Institute: http://ctep.cancer.gov (Stand: 2002)

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 10.08.2009
 
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