Spermienprobleme
Spermienprobleme sind häufig Ursache für ungewollte Kinderlosigkeit. Spätestens, wenn bei der Frau keine Ursache für eine Unfruchtbarkeit gefunden wurde, sollte sich der Mann untersuchen lassen. Fruchtbarkeitsuntersuchungen beim Mann sind vergleichsweise einfach.
Normwerte
Die häufigste Störung der männlichen Fruchtbarkeit ist eine unzureichende Produktion normaler, gut beweglicher Spermien. Die normale Qualität männlichen Samens enthält über 20 Millionen Spermien pro Milliliter Sperma. Davon sollten 35 Prozent normal geformt sein und 50 Prozent gut beweglich sein. Werden diese Werte nicht erreicht, ist die Zeugungsfähigkeit des Mannes eingeschränkt.
Eine Tabelle mit den Normwerten finden Sie hier.
Jahrelange Nachwirkungen
Eine andrologische Untersuchung des Mannes beginnt mit einer ausführlichen Anamnese. Für den Urologen/Andrologen ist es wichtig zu wissen, ob bei dem Mann jemals eine Geschlechtskrankheit oder ein Harnwegsinfekt, Mumps und andere Kinderkrankheiten vorgelegen haben, da diese Erkrankungen auch Jahre später noch die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen können. Einwirkungen von Umweltgiften, Chemotherapien, Unfällen und frühere Operationen können ebenso Einfluss auf die Spermienqualität haben wie häufige Saunabesuche und regelmäßiger Alkohol- und Zigarettenkonsum.
Langer Reifeprozess
Der Reifeprozess der Samenzellen dauert mehrere Wochen. Da der Prozess hochempfindlich ist und von vielen Faktoren abhängt, kann es durchaus sein, dass die Spermienuntersuchungen zu verschiedenen Zeitpunkten sowohl qualitativ als auch quantitativ erheblich voneinander abweichen. Die wichtigste Untersuchung, um die Zeugungsfähigkeit des Mannes einzuschätzen, ist die mikroskopische Untersuchung des Ejakulats.
Nach Unfällen oder aufgrund organischer Defekte kann es sein, dass zwar Spermien gebildet werden, dass aber der Transport derselben nicht optimal gewährleistet ist. Bei Sonderformen männlicher Sterilität, der Azoospermie (Fehlen von lebenden Samenfäden im Ejakulat) können Samen unmittelbar aus dem Nebenhoden (MESA) oder direkt durch Biopsie aus dem Hodengewebe (TESE) gewonnen werden (siehe Gewinnung von Spermien).
OAT-Syndrom
Als OAT-Syndrom (Oligo-Astheno-Teratozoospermie-Syndrom) bezeichnet man eine Störung der Fruchtbarkeit, die die häufigste Ursache für verminderte Fertilität (also Unfruchtbarkeit) beim Mann ist.
Welche Ursachen kann das OAT-Syndrom haben?
Es gibt beim Mann viele mögliche Ursachen, die zu einer Störung der Fertilität führen können:
gestörte Bildung der Spermien, weil die Hoden statt im Hodensack im Körper liegen
die Hoden haben sich zu wenig entwickelt (Hodenhypoplasie)
nach einer Hodenverletzung oder Hodeninfektion
hormonale Störungen (Schilddrüsenunterfunktion, hormonaktive Tumoren der Nebennierenrinde)
Verlegung der Samenwege (zum Beispiel durch eine Entzündung der Nebenhoden, Prostata oder Harnröhre hervorgerufen)
Wodurch zeichnet sich das OAT-Syndrom aus?
Das OAT-Syndrom ist dadurch gekennzeichnet, dass die Spermien eine geringere Anzahl (= oligo), geringere Beweglichkeit (= astheno) und eine erhöhte Rate an Fehlformen (= terato) haben.
Wie wird das OAT-Syndrom therapiert?
Zuerst wird nach Möglichkeit die Ursache ausgeschaltet. Dies gilt vor allem für Leistenhoden oder Varikozele. Zusätzlich müssen bestimmte Hormone (wie FSH, LH oder Testosteron) und das Sperma untersucht werden. Eventuell untersucht man auch das Hodengewebe (durch eine Hodenbiopsie).
Das Ergebnis aller Behandlungen ist jedoch eher enttäuschend.
Störungen des Spermientransportes
Störungen beim Spermientransport können der Grund für ungewollte Kinderlosigkeit sein. Ein Mann produziert dann zwar ausreichend viele Samen, diese gelangen aber nicht in den Körper der Frau, weil die Samenleiter blockiert sind.
Mögliche Ursachen
Infektionen der Harnwege oder des Beckens können auf die
Nebenhoden oder die Samenleiter
übergreifen und diese so stark verkleben, dass die Samenzellen
nicht mehr weitergeleitet werden. Es können sich dadurch
Zysten bilden (Funikulozele, Spermatozele). Seltener führen
Verletzungen, zum Beispiel durch Leistenbruchoperation
oder angeborene Fehlbildungen, zu einem Verschluss der Samenleiter
und somit zu einer Azoospermie
(Fehlen von Samenzellen im Ejakulat).
Entzündungen der Samenwege verlaufen für die meisten Männer unbemerkt und werden häufig durch Chlamydien bedingt. Die klassischen Erreger von Tripper und Syphilis treten immer seltener auf.
Therapie
Angeborene sowie durch Entzündung oder Verletzung entstandene
Verschlüsse der Samenwege kann man bei etwa der Hälfte
der Betroffenen durch eine mikrochirurgische Operation wieder
öffnen und damit die Zeugungsfähigkeit des Mannes
operativ wiederherstellen.
Für den Fall, dass die Samenwege nicht wieder hergestellt werden können, gibt es seit einiger Zeit die Möglichkeit, Samenzellen auch direkt aus dem Hodengewebe (TESE = testikuläre Spermatozoenextraktion) oder Nebenhodengewebe (MESA = Mikrochirurgische epididymale Spermatozoenaspiration) zu gewinnen.
Immunologische Probleme (Samenzelle)
Eine Ursache für Unfruchtbarkeit beim Mann können immunologische Probleme sein. In manchen Fällen bildet ein Mann Antikörper, die seine eigenen Spermien angreifen. Antikörper sind Stoffe, mit denen sich der Körper gegen körperfremde Substanzen wie Bakterien oder Viren wehrt (Immunsystem). Diese an sich sinnvolle Reaktion führt, wenn Sie entgleist, zur Unfruchtbarkeit.
Ein solches Problem kann infolge einer Verletzung oder Infektionskrankheit auftreten und lässt sich durch das Vorhandensein weißer Blutkörperchen im Samen nachweisen. Entzündungen der Samenwege werden häufig durch Chlamydien bedingt. Der Urologe wird bei einer immunologischen Sterilität versuchen, die Antikörperbildung durch Kortisongabe zu verringern.
Spermiogramm - Abweichungen von der WHO-Norm
Spermiogramm
Die Abweichungen vom "normalen Spermiogramm", so wie die WHO (Weltgesundheitsorganisation) es definiert hat, können sehr unterschiedliche Formen haben.
| Normozoospermie | normales Spermiogramm | |
Menge | 2-5ml Ejakulat (etwa ein halber bis ein ganzer Teelöffel) | |
Säuregehalt | ph 7.2 - 8,0 | |
| Verflüssigung | in 10-30 min | |
Anzahl der Samenzellen/ml | 20 - 150 Mill. Samenzellen/ml | |
Beweglichkeit | 50% oder mehr | |
Formen | 30% normale Formen oder mehr | |
| Entzündungen | nur vereinzelt Entzündungszellen | |
Verkleben | kein krankhaftes Verkleben der Samenzellen untereinander. | |
Aspermie | kein Samenerguss | |
Multisemie (Polysemie) | > 6ml Ejakulatvolumen | |
Parvisemie (Hypospermie) | < 2 ml Ejakulatvolumen | |
Kryptozoospermie | < 1 Mio Spermien pro Milliliter (nur ganz vereinzelt Samenzellen) | |
Hyperzoospermie | > 150 Millionen Spermien pro Milliliter | |
Oligozoospermie | < 20 Millionen Spermien pro Milliliter | |
Polyzoospermie | > 200 Millionen Spermien pro Milliliter (als relative Polyzoospermie bei Parvisemie) | |
| Asthenozoospermie | < 50 % progressiv motile Spermien oder < 25 % schnell progressive Spermien | |
Teratozoospermie | < 30 % der Spermatozoen mit normaler Morphologie (zu viele fehlgeformte Samenzellen) | |
Nekrozoospermie | keine Beweglichkeit der Spermien, im EOSIN-Test alle tot | |
Leukospermie | Entzündung, meist Prostata | |
| Oligo-Astheno-Terato-Zoospermie | (OAT-Syndrom) - Kombination von geringer Zahl, schlechter Beweglichkeit und zu vielen Fehlformen der Spermien. Spermatozoenzahl < 20 Mio./ml | |
Azoospermie | keine Spermien im Samenerguss | |
Autor: Qualimedic.de
Letzte Änderung am: 06.12.2007
