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Frakturen (Brüche) des Sprunggelenks

Frakturen des Sprunggelenks - häufig die Folge von Sportunfällen

Frakturen des Sprunggelenks - häufig die Folge von Sportunfällen
(Quelle: Pixelio/R.B.)

Das Sprunggelenk ermöglicht uns verschiedene Bewegungen des Fußes. Man unterscheidet das obere Sprunggelenk, welches Fußheben und -senken zulässt, und das untere Sprunggelenk, mit dem man die Ferse nach innen und etwas nach außen drehen kann. Die Komplexität der Sprunggelenksfunktion zeigt sich am besten beim Gehen und Laufen. Hier sind alle Funktionen in einem Bewegungsablauf vereint. Beim Sport aber auch bei der Arbeit sowie beim Gehen ist das Sprunggelenk auf unebenem Untergrund einer erhöhten Verletzungsgefahr ausgesetzt. Meist "verstaucht" man sich das Sprunggelenk, Bandverletzungen passieren weniger häufig und treten manchmal in Verbindung mit einem Bruch (Fraktur) eines oder mehrerer Knochen des oberen Sprunggelenks auf.


Welche Symptome deuten auf eine Sprunggelenksfraktur hin?

Plötzliche Schmerzen nach einem Trauma, insbesondere unter Belastung und Schwellung sind meist die ersten Symptome der Sprunggelenksfraktur. Manchmal kann man einen Bruch ertasten oder bei einem offenen Bruch sogar sehen. Fehlstellungen deuten auch auf einen Bruch hin. Häufiger als die direkte Gewalteinwirkung, das so genannte Anpralltrauma, ist die indirekte. Hier wird das Sprunggelenk unter Belastung durch Dreh- und Biegebewegung über das mögliche Maß hinaus belastet und immer beteiligt ist dabei der Wadenbeinbeinknochen (Fibula).


Welche Sprunggelenksfrakturen unterscheidet man?

Bei den Sprunggelenksfrakturen werden die Luxationsfrakturen nach Weber, von denen es drei Arten gibt, die Stauchungsfraktur (Pilon Tibial) und die so genannte "Fraktur im fünften Haus", die Maisonneuve-Fraktur unterschieden.

Die Weber A Fraktur beschreibt einen Bruch am unteren Ende des Wadenbeins ohne weitere Verletzung von Bändern. Die Sprunggelenkgabel bleibt erhalten. Als Weber B Fraktur bezeichnet man einen Bruch des Wadenbeins mit Riss des Innenbands und eines der drei Außenbänder. Hier ist die Gelenkgabel nicht mehr vollständig und das Gelenk verschoben. Bei der Weber C Fraktur bricht das Wadenbeinbein oberhalb des Sprunggelenks, zusätzliche reißen das Innenband und zwei Außenbänder. Auch hier ist das Gelenk verschoben und zusätzlich reißt die Syndesmose ein, ein Band, das Schien- und Wadenbein fast über die gesamte Länge aneinander hält.

Bei einem Sturz aus großer Höhe auf die Füße kann eine so genannte Stauchungsfraktur (Pilon Tibial) des Sprunggelenks entstehen. Hier brechen am Schienbein beide Teile ab, die die Gelenkgabel bilden. Auch hier bricht das Wadenbein und nicht selten wird das Sprungbein verletzt, die Bänder bleiben jedoch meist unverletzt. Hierbei sind auch die Gelenkflächen betroffen und Spätfolgen wie Arthrose können entstehen.

Bei der Maisonneuve-Fraktur bricht das Wadenbein im oberen Drittel, die Syndesmose ist beinahe komplett gerissen, ebenso das Innenband und zwei Außenbänder. Das Gelenk befindet sich in Fehlstellung und ist instabil.


Wie diagnostiziert man eine Sprunggelenksfraktur?

Mittels Röntgen wird eine Diagnose einer Sprunggelenksfraktur möglich. Bei Verdacht auf Maisonneuve-Fraktur (Schmerzen im oberen Drittel des Unterschenkels) macht man eine Röntgenaufnahme des gesamten Unterschenkels, um den gesamten Umfang der Verletzung zu erkennen. Je nach Schwere der Verletzung richtet sich die Untersuchungsmethode: eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) können notwendig sein; mittels Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) kann man die Blutgefäße untersuchen, denn bei schweren Verletzungen können auch Gefäße oder Nerven betroffen sein.


Wie verläuft die Therapie einer Sprunggelenksfraktur?

Nach der Ersthilfe mittels Kühlung und Hochlagern und Diagnosestellung wird nur die Weber A Fraktur konservativ behandelt, alle anderen Frakturen des Sprunggelenks werden in der Regel operiert. Hierbei wird das Gelenk wieder in die richtige Position gebracht (reponiert)und mit einer Platte das Wadenbein stabilisiert. Gegebenenfalls wird die Syndesmose mit einer Schraube versorgt. Je nach Verletzung baut der Operateur Draht, Zugschrauben, Platten und ähnliches in den Unterschenkel ein. Ziel der Operation ist es, das Gelenk möglichst in Normalstellung zu fixieren, bis das Operationsgebiet verheilt ist. Das Material wird in der Regel nach einem Jahr wieder herausoperiert.

Nach der Operation einer Sprunggelenksfraktur beginnt idealerweise noch im Krankenhaus die Physiotherapie. Die Schwellung wird mittels Lymphdrainage reduziert, leichte Bewegungsübungen können schon bald vollzogen werden. Während der Zeit in der das betroffene Bein noch nicht ausreichend belastet wird, arbeitet das Venensystem nur eingeschränkt. Hier erhält der Betroffene Thromboseprophylaxe in Form von Spritzen, die sich der Betroffene meist selbst unter die Haut (subkutan) einbringt. Nach vollendeter Wundheilung wird die Narbe mobilisiert. Die Belastbarkeit des Gelenks steigert sich nach und nach, die Physiotherapie wird umfangreicher und intensiver bis nach mehreren Wochen die volle Belastbarkeit erreicht ist. Bei schweren Verletzungen des Sprunggelenks mit Nervenschäden oder Mehrfachbrüchen bedarf es oft einer stationären Rehabilitation. Im Laufe der Therapie werden Hilfsmittel wie Gehhilfen oder Gelenkstützen (Orthesen) eingesetzt. Bei irreperablen Nervenschäden muss man unter Umständen ein Leben lang eine Orthese tragen.


Kann man einer Sprunggelenksfraktur vorbeugen?

Aufgrund des traumatischen Ursprungs kann man einer Sprunggelenksfraktur nur bedingt vorbeugen. Schuhe, die über die Knöchel reichen, bieten dem Sprunggelenk mehr Schutz bei Aktivitäten, die ein erhöhtes Risiko mitbringen. Für Sportler, die schon durch frühere Verletzungen vorbelastet sind, können die Sprunggelenke mittels Tape-Verband unterstützen.


Quellen:
Niethard, F. , Pfeil, J.:Orthopädie. Thieme Verlag, Stuttgart 2005
Weineck, J.: Sportanatomie, PERIMED-spitta Verl.-Ges., Balingen 1995
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie: Sprunggelenksfraktur. AWMF-Leitlinien-Register Nr.012/003 (Stand: März 2009)

 

Autor: Christian Fiala 
Letzte Änderung am: 12.03.2014
 
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