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Abstillen

Einige Kinder interessieren sich schon früh für feste Nahrung und stillen sich selbst ab

Einige Kinder interessieren sich schon früh für feste Nahrung und stillen sich selbst ab
(Foto: BananaStock)

Abstillen ist die Beendigung des Stillens. Die meisten Frauen stillen ihr Baby - wenn das Stillen jedoch Probleme bereitet, die Mutter nicht stillen möchte oder aus anderen Gründen nicht gestillt wird, kann auch Ersatznahrung für Säuglinge eingesetzt werden.


Wann ist der beste Zeitpunkt für das Abstillen?
Die drei Arten des Abstillens
Was kann man selbst tun, um das Abstillen zu unterstützen?
Milchstau
Tipps um den "richtigen" Zeitpunkt fürs Abstillen zu finden

Wann ist der beste Zeitpunkt für das Abstillen?

Der "richtige" Zeitpunkt für das Abstillen ist heute immer noch umstritten - während einige Experten dazu raten, ab dem sechsten Lebensmonat mit Einführung der Beikost das Entwöhnen des Babys zu beginnen, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Stillzeit von zwei Jahren. Mit der Initiative Babyfreundliches Krankenhaus, initiiert von der WHO und UNICEF, soll sogar weltweit das lange Stillen gefördert werden.

Fest steht: Den Zeitpunkt für das Abstillen entscheidet meist die Mutter. Diese Entscheidung hängt häufig von vielen verschiedenen Faktoren ab, die unabhängig voneinander oder gemeinsam zur Entscheidung für das Abstillen führen:

  • Berufliche Situation
  • Druck oder "gute Ratschläge" aus dem Umfeld
  • Wunsch des Partners
  • Ernsthafte Erkrankungen der Mutter
  • Medikamenteneinnahme der Mutter
  • Sinkende Milchproduktion der Brust
  • Nachlassendes Interesse des Babys am Stillen

Die drei Arten des Abstillens

Je nach Veranlassung für das Abstillen unterscheidet man drei Möglichkeiten der Entwöhnung:

  • Natürliches Abstillen
  • Allmähliches Abstillen
  • Abruptes Abstillen

Natürliches Abstillen

Beim natürlichen Abstillen entscheidet das Kind selbst, wann es entwöhnt wird - es stillt sich sozusagen selbst ab. Der Zeitpunkt dafür ist sehr unterschiedlich und reicht von einem bis drei Jahren. Weil das Kind nicht abrupt aufhört, von der Mutterbrust zu trinken, sondern von allein über einen gewissen Zeitraum immer weniger Muttermilch trinkt, lässt automatisch auch die Milchproduktion in den Brüsten der Mutter nach. Durch die sinkende Nachfrage sinkt also auch das Milchangebot, bis es irgendwann ganz versiegt.


Allmähliches Abstillen

Das allmähliche Abstillen funktioniert ähnlich wie das natürliche Abstillen. Der Unterschied besteht darin, dass nicht das Kind, sondern die Mutter über den Zeitpunkt der Entwöhnung entscheidet. Hier ist es deshalb besonders ratsam, das Abstillen vorzubereiten, indem über einen längeren Zeitraum das Stillen nach und nach reduziert und gleichzeitig die Ernährung mit Beikost erhöht wird. Auch das allmähliche Abstillen hat den Vorteil, dass sich die Milchmenge reduzieren kann, bis die Milchproduktion, mit der vollständigen Entwöhnung, vollständig zurückgeht.

Empfehlenswert ist anfangs das Ersetzen einer Stillmahlzeit täglich über mehrere Wochen hinweg. Sobald das Kind diese Reduktion akzeptiert, können weitere Mahlzeiten ersetzt werden, bis die Mutter irgendwann entscheidet, das Stillen ganz aufzugeben.


Abruptes Abstillen

Manchmal ist es notwendig, das Stillen abrupt zu beenden. Diese Art der Entwöhnung sollte nur durchgeführt werden, wenn sie absolut notwendig ist, zum Beispiel bei einer ernsthaften Erkrankung der Mutter. Beim plötzlichen Abstillen kann es zu einer Reihe von Nebenwirkungen kommen:

Babys werden völlig unvorbereitet mit der Situation konfrontiert und können darunter leiden. Deshalb ist es hier besonders wichtig, sich dem Kind nicht vollständig körperlich zu entziehen, weil es eventuell nach der Brust greifen könnte, im Gegenteil - Körperkontakt und kuscheln wird nun besonders wichtig für Mutter und Kind, um mit der neuen Situation besser fertig werden zu können.

Der Mutter kann das rasche Abstillen auch körperliche Probleme bereiten, weshalb unbedingt auch ein Arzt oder eine Hebamme zu Rate gezogen werden sollten.


Was kann man selbst tun, um das Abstillen zu unterstützen?

Vor allem beim abrupten Abstillen kann es zu einer Reihe von Nebenwirkungen für die Mutter kommen, denen sich aber in der Regel mit altbewährten Methoden wie Quark- oder Kühlwickeln entgegentreten lässt. Medikamente werden nur im Notfall eingesetzt und vom Arzt entsprechend verordnet.


Milchstau

Wenn die Brustdrüsen immer noch vermehrt Muttermilch produzieren, für die keine "Nachfrage" besteht, kann es zu einem Milchstau kommen. Der Milchstau äußert sich durch verhärtete und schmerzende Stellen in der Brust. Häufig fühlt man sich dabei schlapp und kränklich, gelegentlich tritt Fieber auf.

Bei Milchstau helfen kühlende, feuchte Wickel, zum Beispiel Quarkwickel. Da sich aus einem unbehandelten Milchstau eine Brustentzündung (Mastitis) entwickeln kann, sollte immer auch ein Arzt aufgesucht werden, wenn sich die Symptome nach einiger Zeit nicht legen.

Um einem Milchstau vorzubeugen, ist es ratsam, auch nach dem Abstillen des Kindes weiter Milch abzupumpen - allmählich immer weniger -, diese Milch aber nicht mehr zu verwenden.


Tipps um den "richtigen" Zeitpunkt fürs Abstillen zu finden

Viele Mütter sind verunsichert, wenn ihr Baby lange gestillt werden möchte oder sehr früh das Interesse am Stillen verliert. Dazu besteht aber keine Veranlassung. Jedes Baby is(s)t anders. Solange das Kind aufgeweckt, gesund und zufrieden ist, besteht kein Grund zur Sorge.

Es gibt jedoch auch Hinweis darauf, dass das Kind sich selbst abstillen möchte. Wenn es zum Beispiel immer weniger trinkt und sich bald nach dem Anlegen von der Brust abwendet, könnte das ein Zeichen dafür sein, dass es mehr feste Nahrung zu sich nehmen möchte. Das aufmerksame Beobachten der Nahrungsaufnahme Erwachsener kann ebenfalls ein Zeichen dafür sein, dass das Baby sich zunehmend der festen Ernährung zuwenden möchte.



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Quellen:
Online-Informationen der Initiative Babyfreundliches Krankenhaus: http://www.babyfreundlich.org/ (Stand: März 2009)
Compact Verlag: Das neue große Babybuch. Compact, München 2006
Gillesen, R., Huft, G.W., Lehnert, S.: 300 Fragen zum Baby. Gräfe und Unzer, München 2004
Largo, R.H.: Babyjahre. Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren. Piper, München 2007
Lothrop, H.: Das Stillbuch. Kösel, München 2007

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 22.12.2014
 
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