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Kalkschulter

Der Begriff Tendinosis calcarea oder Kalkschulter beschreibt eine nicht verschleißbedingte Sehnenerkrankung mit der allmählichen Verkalkung einer Sehne der Rotatorenmanschette, die in vier unterschiedlich langen Phasen verläuft und mit der Auflösung der Kalkdepots endet. Sie ist nicht zu verwechseln mit einem verkalkendem Sehnenansatzleiden, das durch Überlastung entsteht.

Das latente Stadium: Schädigung der Sehne und Bildung von Faserknorpel
Latent, wörtlich "im Verborgenen sein", spielt sich hier an der Sehne eine unbemerkte Umwandlung ab. Am Sehnen-Muskel-Übergang des oberen Schultergrätenmuskels (M. supraspinatus), der am häufigsten davon betroffen ist, besteht eine kritische Zone. Durch vermehrtes Anspreizen des Oberarms an den Körper oder Höhertreten des Oberarmkopfes, wird der Druck auf die Sehne erhöht und es kommt in diesem Bereich zu einer gewissen Minderdurchblutung des Sehnengewebes, was den Stoffwechsel stört. Durch den Sauerstoffmangel entsteht ein Reiz (Druckschwiele), durch den sich das Sehnengewebe in Faserknorpel umwandelt. Knorpel braucht als Gewebe viel weniger Sauerstoff, hat aber die Eigenart, Kalk einzulagern. Es bestehen noch keine Schulterschmerzen und die Kalkeinlagerung wird meistens zufällig auf einem Röntgenbild entdeckt.

Das chronische Stadium: Einlagerung von Kalk in die Sehne
Chronisch, wörtlich "im Laufe der Zeit", also sich langsam entwickelnd, bilden die Faserknorpelzellen im Inneren der Sehne kleine Kalkdepots, die sich allmählich ausdehnen und die Sehne spindelförmig verdicken. Wird der Arm über die Horizontale angehoben, kann es zu Einklemmungen kommen (Impingement-Syndrom) oder es entwickelt sich eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis subakromialis). Durch diese mechanischen Einwirkungen wird der anfangs kreideartige Kalk nun weicher und zahnpastaartig. Der Kalkherd kann aufbrechen und sich in den Schleimbeutel entleeren. Dort vermischt er sich mit der Schleimbeutelflüssigkeit und wird milchig. Die Schulterschmerzen können jetzt schlimmer werden.

Das akute Stadium: Aufsaugung des Kalks
Akut, wörtlich "plötzlich auftretend, heftig verlaufend", kommt es zu sehr starken Schmerzen, Unbeweglichkeit der Schulter und durch das Einbrechen des Kalks in den Schleimbeutel zu einer Entzündung, die aber nicht eitrig ist. Die Schulter ist durch die Entzündung vermehrt durchblutet und es kommen Fresszellen an den Ort des Geschehens, die der Kalk abräumen. Das dauert ein paar Tage und solange sind auch die Schmerzen recht stark.

Das Reparationsstadium: Das Sehnengewebe wird wieder hergestellt
Die Reparation, wörtlich "Wiederherstellung", folgt auf die Entfernung des Kalks - auch wegen der noch bestehenden besseren Durchblutung - in Form der Neubildung von Gerüsteiweiß, dem Kollagen. Spezielle Zellen, die Fibrocyten, machen daraus Fasergewebe bzw. Sehnengewebe. Wenn die Reparatur abgeschlossen ist, ist die Sehne wieder intakt und vollständig funktionsfähig. Es besteht wieder eine frei Schulterbeweglichkeit.

Wie wird behandelt?
Da der Krankheitsverlauf der Kalkschulter nicht vorhersagbar ist, richtet sich die Behandlung nach den Symptomen. Das akute Stadium ist ein Notfall und wird einer arthroskopischen Operation zugeführt. Ansonsten erfolgt Krankengymnastik zur Erhaltung der Schulterbeweglichkeit oder Injektionen. Gelegentlich wird in Ausnahmefällen auch die extrakorporale Stoßwellen-Therapie (ESWT) mit hochfrequenten Ultraschallwellen eingesetzt.

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 17.09.2007
 
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