Hormontherapie
Die Hormontherapie bei Brustkrebs ist heute ein fester Bestandteil der adjuvanten Therapie. Die Hormontherapie kommt als Ergänzung zur Behandlung des bösartigen Tumors in der Brust und zur Behandlung von Tochtergeschwülsten in Frage. Eine große Zahl der Brustkrebstumore werden durch weibliche Hormone, speziell Östrogen, in ihrem Wachstum stimuliert und können durch den Entzug dieser Hormone zum Beispiel mit Hilfe sogenannter Anti-Östrogene wie Tamoxifen im Wachstum gebremst werden. Je nach Art des Brustkrebs, Hormonrezeptorstatus, Alter und Risikoprofil gibt es unterschiedliche Therapieansätze bei Brustkrebs mit Hormonen.
Welche Hormone sind relevant?
Östrogene und Gestagene, beides weibliche Hormone, können
bei der Entstehung und dem weiteren Wachstum von Brustkrebs eine
Rolle spielen.
Östrogene
werden vor den Wechseljahren hauptsächlich in den
Eierstöcken gebildet. Mit Ausbleiben der Regelblutung versiegt
diese Produktionsquelle. Nach den Wechseljahren wird an anderen
Stellen des Körpers, hauptsächlich in Muskel- und
Fettgewebe, der Leber und im Brustdrüsengewebe weiterhin
geringe Mengen des Hormons oder einer Vorstufe davon, das
Androstendion gebildet. Androstendion wird mit Hilfe eines Enzyms,
der Aromatase zu Östrogen umgewandelt.
Gestagene
sind ebenfalls weibliche Hormone, die unter anderem den
Östrogenspiegel im Blut senken und die Synthese von
Östrogenrezeptoren hemmen.
Hormone und Brustkrebs
Hormone, insbesondere Östrogen stimuliert das Wachstum von
einigen Brustkrebstumoren. Die Tumore, die sich in ihrem Wachstum
von Hormonen beeinflussen lassen, besitzen Bindungsstellen für
die Hormone, sogenannte Hormonrezeptoren.
Heutzutage werden nach der Operation die
entnommenen Krebszellen histologisch auf den Gehalt der
Hormonrezeptoren untersucht, es wird dabei der Hormonrezeptorstatus
bestimmt. Man misst hierbei sowohl die Anzahl der Rezeptoren
für Östrogene als auch für Gestagene. Ab einer
gewissen Anzahl der Hormonrezeptoren bezeichnet man den Brustkrebs
als "Rezeptor-positiv". Bei 60 Prozent der bösartigen
Brusttumoren von jüngeren Frauen (vor den Wechseljahren) und
75 Prozent von älteren Frauen (nach den Wechseljahren) trifft
dies zu.
Eine Hormontherapie dient dazu, die östrogenbedingte
Wachstumsstimulation auf die Tumorzellen zu vermindern.
Wann ist eine Hormontherapie sinnvoll?
20 bis 30
Prozent der metastasierenden Brustkrebstumore
sprechen auf eine Hormontherapie an. Die Bestimmung des
Hormonrezeptorstatus ist für eine Therapieentscheidung von
großer Bedeutung und sollte deswegen immer durchgeführt
werden. Je höher der Gehalt eines Tumors an Hormonrezeptoren,
um so wahrscheinlicher ist es, dass sein Wachstum durch eine Form
der Hormontherapie gebremst werden kann. Je nach Anzahl der
Östrogen- und Progesteronrezeptoren der Tumorzellen, dem Alter
der Patientin, dem Menopausenstatus, dem Rückfallrisiko sowie
der Art und Anzahl der infiltrierten Organe gibt es
unterschiedliche Therapiemöglichkeiten.
Die Hormontherapie und die adjuvante Chemotherapie ergänzen sich
im Nutzen und können entweder hintereinander oder auch
zeitgleich angewendet werden.
Nutzen und Dauer der Hormontherapie
Bei der Therapie mit Antiöstrogenen liegt für Tamoxifen
bislang die umfangreichsten Daten in Bezug auf Verminderung des
Rückfallrisikos und Verlängerung der Überlebensrate
bei Brustkrebs vor. Dabei zeigte sich die Einnahmedauer über
fünf Jahre im Vergleich zu ein bis zwei Jahren deutlich
überlegener. Die tägliche Gabe von 30-40 mg Tamoxifen
zeigte dabei keinen Unterschied im Vergleich zu 20 mg.
Die fünfjährige Therapie mit Tamoxifen führt zu
einer relativen Reduktion des Rückfallrisikos von 47 Prozent
und zu einer relativen Verlängerung der Überlebensrate
von 26 Prozent.
Ansätze
Alle Formen der Hormontherapie gegen Brustkrebs versuchen auf unterschiedliche Weise, die Östrogenwirkung am Tumor aufzuheben:
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Die einfachste Therapieform besteht darin, die Bildung von Östrogen in den Eierstöcken mit Hilfe von GnRH-Analoga zu unterdrücken.
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Außerdem können zusätzliche Hormone oder antihormonell wirksame Substanzen (Antihormone) die Wirkung des Östrogens unterdrücken.
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Gestagene in hohen Dosen hemmen das Tumorwachstum über zwei Mechanismen: Sie vermindern die Östrogenbildung im Körper und behindern außerdem die Ausprägung von Östrogenrezeptoren in den Tumorzellen.
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Anti-Östrogene (Beispiel: Tamoxifen) ähneln chemisch dem Östrogen, ohne dessen wachstumssteigernde Wirkung auf den Brustkrebs zu besitzen. Tamoxifen wird von den Krebszellen für Östrogen gehalten, besetzt die Östrogenrezeptoren der Krebszelle und blockieren diese für das Östrogen.
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Aromatasehemmer verhindern die Bildung von Östrogenen im Körper.
Vor der Menopause Ausschaltung der Hormonproduktion
Da vor der Menopause das Keimdrüsenhormon Östrogen fast ausschließlich in den Eierstöcken gebildet wird, ist hier die Ausschaltung der Hormonproduktion eine wirksame therapeutische Maßnahme. Dabei werden GnRH-Analoga eingesetzt oder die Eierstöcke operativ entfernt. Gegebenfalls werden danach noch andere Anti-Östrogene wie zum Beispiel Tamoxifen eingesetzt. Diese Kombination erwies in Studien eine ähnliche Wirksamkeit wie die Chemotherapie auf und sollte als Alternative in Betracht gezogen werden.
Nach den Wechseljahren Anti-Östrogentherapie
Mit den Wechseljahren versiegt allmählich die Hormonproduktion in den Eierstöcken, es werden dann nur noch geringe Östrogenmengen in bestimmten Körperarealen gebildet. Die Hormontherapie erfolgt nach den Wechseljahren in der Gabe in Form eines Anti-Östrogens. Bei Bedarf können Aromatasehemmer und Gestagene gegeben werden.
Die Hormontherapie gegen Brustkrebs ist, anders als die Chemotherapie, sehr gut verträglich. Allerdings wird die Patientin durch den Östrogenentzug künstlich in die Wechseljahre versetzt.
Die Wirksamkeit der Hormontherapie tritt erst nach Wochen ein, und die Medikamente müssen über mehrere Jahre eingenommen werden. Je nach Alter der Frau kann danach der normale Zyklus wieder eintreten.
Nebenwirkung
Die Nebenwirkungen der Hormontherapie gegen Brustkrebs sind, im Gegensatz zu der Chemotherapie, insgesamt geringer ausgeprägt. Durch die Hemmung der Östogenproduktion werden jüngere Patientinnen künstlich in die Wechseljahre versetzt. Die verschiedenen Hormontherapien können mit unterschiedlichen Nebenwirkungen einhergehen, die im folgenden beschrieben werden.
Anti-Östrogene
Anti-Östrogene wie
Tamoxifen haben auf andere Körpergewebe eine östrogen
ähnliche Wirkung und können so das Wachstum der
Gebärmutterschleimhaut anregen. Neu entwickelte
Antiöstrogene wie Toremifen sollen diese östrogen
ähnliche Wirkung deutlich geringer aufweisen. Weitere
Nebenwirkungen der Anti Östrogen Therapie können sein:
Hitzewallungen, depressive Verstimmung, Müdigkeit,
Übelkeit, Gewichtszunahme, trockene Haut,
Leberfunktionsstörungen, Thrombosen, Embolien und
Venenentzündungen.
Es besteht zudem ein erhöhtes Risiko an
Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, deshalb sollte alle drei
Monate eine Kontrolluntersuchung bei Ihrem behandelnden Arzt
erfolgen.
Gestagene
Gestagene in der Hormontherapie
müssen hochdosiert gegeben werden. Sie können den Appetit
anregen, zu einer Erhöhung der Blutfette und zu einer
Gelbsucht führen. Das Osteoporose Risiko steigt unter
Gestagentherapie, man sollte deshalb auf eine calciumreiche
Ernährung und ausreichende Bewegung achten. Häufig wurde
eine Absonderung von Flüssigkeit aus der Brustdrüse unter
Gestagen beobachtet.
Aromatasehemmer
Es werden verschiedene
Aromatasehemmer in der Brustkrebstherapie eingesetzt, die alle die
Umwandlung von Androstendion zu Östron unterdrücken. Eine
Gruppe der Aromatasehemmer kann die Produktion von Thyroxin und
Nebennieren Hormonen beeinflussen. Deshalb sind
regelmäßige Kontrollen der Hormonwerte im Blut
anzuraten. Insgesamt kann die Einnahme von Aromatasehemmern zu
Müdigkeit, Desinteresse, Hitzewallungen, leichtem Haarausfall,
Übelkeit, Verstopfungen, Schwindel, trockenen
Schleimhäuten, Hautausschlag und Juckreiz führen.
Tamoxifen protektiv für das Gedächtnis
Die Therapie mit Tamoxifen bei älteren Frauen hat wahrscheinlich einen ähnlichen protektiven Effekt auf das Gedächtnis wie die Substitutionsbehandlung mit Östrogenen in den Wechseljahren. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler des Medical Department in Upton, NY, die ihre Studie in dem Journal of National Cancer Institute Volume 94 veröffentlichten.
Tamoxifen mit protektiven Effekte auf das
Gedächtnis
Tamoxifen, ein Antiöstrogen, wird zur Hormontherapie bei
hormonrezeptorpositiven Brustkrebs und zur Reduktion des Brustkrebsrisikos eingesetzt.
Da es die Östrogenrezeptoren blockiert, bestand der Verdacht,
dass die Einnahme von Tamoxifen auch die protektive Wirkung von
Östrogen auf die Gehirnleistung bei älteren Frauen hemmt.
Es wurde diesbezüglich in einer Gruppe von 76 älteren
Frauen mit unterschiedlichen Therapien der Gehalt von Myo-Inositol
im Gehirn mit Hilfe der Magnetischen Resonanz Spektroskopie
bestimmt. Myo-Inositol ist ein Marker für die
Gedächtnisfunktion. Ein hohe Konzentration an Myo-Inositol
korreliert mit einer schlechteren Gedächtnisfunktion und
steigt allgemein bei Zellschaden, besonders im Alter oder bei
Krankheiten wie Alzheimer an.
Von den untersuchten Patientinnen erhielten 16 im Rahmen ihrer
Brustkrebstherapie
Tamoxifen, 27 bekamen als Substitutionsbehandlung in den
Wechseljahren Östrogen und 33 Patientinnen erhielten keine der
beiden Therapien. Die Gruppe der untersuchten Patientinnen, die
Tamoxifen oder Östrogen einnahmen, zeigten deutlich geringe
Konzentrationen von Myo-Inositol in allen Gehirnregionen als die
Kontrollgruppe.
Die Ergebnisse der Studie lassen vermuten, dass die Behandlung mit
Tamoxifen ähnlich protektive Effekte auf die
Gedächtnisfunktion hat wie die Substitutionsbehandlung mit
Östrogen und bestätigt damit die Sicherheit der
Tamoxifentherapie auch bei älteren Frauen. Zur Validierung
müssen aber noch weitere Untersuchungen erfolgen.
Tamoxifen ohne Chemotherapie
Die alleinige Therapie mit Tamoxifen ohne Chemotherapie nach der Brustkrebsoperation kann bei vielen Brustkrebspatientinnen völlig ausreichend sein. Wissenschaftler des Dana-Faber Cancer Institutes und der Harvard Medical School in Boston führten diesbezüglich eine Studie mit 1669 Brustkrebspatientinnen durch, die im Journal of the National Cancer Institut veröffentlich wurde.
Tamoxifen bei einer bestimmten Patientengruppe
ausreichend
In der Studie wurde bei postmenopausalen
Brustkrebspatientinnen mit negativen Lymphknoten untersucht, inwieweit
sie auf eine Hormontherapie mit Tamoxifen
ansprechen und ob die alleinige Gabe von Tamoxifen gegenüber
der Kombination mit Chemotherapie als adjuvante
Therapie nach der Operation
ausreicht.
Die Tumore der untersuchten Frauen reagierten in 73 Prozent auf
Östrogen, in 23 Prozent war der Hormonrezeptorstaus negativ
und in 4 Prozent konnte der Rezeptorstatus nicht bestimmt werden.
Die Hälfte der Hormonrezeptor positiven Frauen bekam
begleitend zu Tamoxifen drei Zyklen Chemotherapie, die andere
Hälfte wurde nur mit Tamoxifen therapiert. Ein Großteil
der mit Chemotherapie und Tamoxifen behandelten Patientinnen litten
an den für Chemotherapie typischen Nebenwirkungen
wie Haarausfall und Übelkeit, wiesen jedoch insgesamt keine
bessere Überlebensrate als die Vergleichsgruppe auf. 84
Prozent der mit Chemotherapie und Tamoxifen behandelten
Patientinnen lebten länger als 71 Monate, von den mit
Tamoxifen behandelten Patientinnen im Vergleich dazu 85
Prozent.
Chemotherapie wichtig bei Hormonrezeptor negativen
Tumoren
Bei Frauen mit Brustkrebs, die negative
Hormonrezeptoren aufweisen, ist die Chemotherapie in jedem Falle
eine wichtige adjuvante Therapie. Inwieweit bei Hormonrezeptor
positivem Brustkrebs die alleinige Therapie mit Tamoxifen
ausreicht, muss in weiterführenden Studien geklärt
werden. In der vorliegenden Studie wurde die Vergleichsgruppe nur
mit jeweils 3 Zyklen Chemotherapie behandelt. Ob eine längere
Chemotherapie in Bezug auf die Überlebensrate eine
Verbesserung zeigt, muss in weitere Untersuchungen geklärt
werden.
Insgesamt sollte durch neue Erkenntnisse und Studien versucht
werden, eine individuellere Therapien bei Brustkrebspatientinnen in
Abhängigkeit ihres Alters, menopausalen Zustandes,
Hormonrezeptor- oder HER 2 Rezeptorstatus zu
ermöglichen.
Autor: Qualimedic.de
Letzte Änderung am: 03.01.2008
