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Tibetische Medizin

Die Tibetische Medizin ist eine Jahrtausende alte Heilkunde, die in den Klöstern auf dem Dach der Welt entwickelt wurde. Historisch belegt ist sie seit dem 5. Jahrhundert. Im 8. Jahrhundert gab es schon eine Reihe schriftlicher Dokumente zur Systematik dieser Heilkunde, jedoch befand Padmansambhava, ein großer Tantriker und Abt im ersten tibetischen Kloster Samye, dass die Zeit für dieser Schriften noch nicht reif sei und versteckte sie im Jahre 883 zusammen mit vielen anderen Dokumenten. Erst 1083 werden die Schriften im Kloster Samye wieder entdeckt.

Die Tibetische Medizin basiert zwar auf der ayurvedischen Tradition Indiens, den therapeutischen Methoden Chinas und dem Unani-System der Perser, stellt jedoch in ihrer Kombination eine einzigartige Heilkunde dar, die höchstens noch mit der Tradition der Hopi-Indianer Nordamerikas verglichen werden kann. Ähnlich wie die alte europäische Klostermedizin kennt sie auch eine Säfte- und eine Elementelehre.

Fünf Elemente und drei Säfte bilden und steuern den menschlichen Organismus
Wie in der chinesischen Weltsicht, so besteht auch nach tibetischer Auffassung sowohl der Makrokosmos, also die Welt, als auch der Mikrokosmos, z.B. der menschliche Organismus, aus den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Wind und Äther, wobei der Wind gleichzusetzen ist mit der Luft und der Äther das alles durchdringende Fluidum ist.

Diese fünf Elemente bringen nun ihrerseits die drei Körpersäfte hervor, nämlich Wind, Galle und Schleim. Wind ist nicht mit dem Wetter-Phänomen gleichzusetzen, sondern stellt nach tibetischer Auffassung die Verbindung zwischen Bewusstsein und Körper her. Damit entspricht der Wind in etwa der Vermischung von seelischen Vorgängen mit dem Nerven-, Hormon- und Immunsystem, wie sie auch die westliche Medizin inzwischen sieht. Die Galle, die ebenfalls nichts mit der westlichen, schulmedizinischen Auffassung von Galle zu tun hat, regelt die Verdauungs- und Stoffwechselvorgänge, und der Schleim steuert die Körperflüssigkeiten. Die Säftelehre entspricht damit der ayurvedischen Säftelehre Indiens.

Ungleichgewicht führt zu Krankheit
Wenn diese drei Säfte, von denen es jeweils fünf Unterarten (entsprechend den Elementen) gibt und deren Verhältnis zueinander sich mit der Tages- und der Jahreszeit sowie mit dem Lebensalter ändert, aus dem Gleichgewicht geraten, dann führt dies zur Erkrankung des Menschen. Ursache für ein solches Ungleichgewicht sind in erster Linie die "drei Gifte", nämlich die Begierde nach der Erfüllung des Lebensdurstes, der Widerwille oder Hass gegen alle Hindernisse, die dieser Erfüllung entgegenstehen, und schließlich die Verblendung, die sich als Ich-Wahn manifestiert.

Weitere krankmachende Einflüsse ergeben sich durch jahreszeitliche Einwirkungen, seelische Störungen, durch böse Geister und schädliche, also unethische Taten in vergangenen Leben (Karmaspuren). Somit wird deutlich, dass nach tibetischer Auffassung die meisten Krankheiten nicht organische Ursachen haben, sondern durch "falsches Denken" oder "falsche Lebensweise" verursacht werden und durch eine entsprechende Umorientierung geheilt werden können.
Ein tibetischer Arzt wird also zumeist seinem Patienten Vorschläge zur Änderung der Lebensführung geben, um ihm eine Heilung zu ermöglichen.
Daneben gibt es eine Reihe von Diagnose- und Therapieverfahren. Die Wirkung der verordneten Medikamente ist häufig wissenschaftlich nicht belegt, jedoch in der Praxis nachweisbar.

Langjährige Universitätsausbildung
Die Ausbildung der tibetischen Ärzte erfolgte über Jahrhunderte ausschließlich an Klosteruniversitäten. Nach der Annexion Tibets durch China im Jahre 1949 wurde das tibetische Medizinsystem weitgehend zerstört, die Schulen verschwanden, die Ärzte wurden getötet. Der 14. Dalai-Lama gründete 1961 in seinem indischen Exil ein Lehrseminar für traditionelle Tibetische Medizin. Inzwischen gibt es derartige Fakultäten auch in der Mongolei, in Bhutan und in Lhasa, weitere sollen folgen. Die Ausbildung der tibetischen Ärzte umfasst ein 5-6jähriges Studium sowie ein zweijährige Praktikantenzeit, bevor das Diplom erworben werden kann. Die traditionelle Medizin spielt nach wie vor die Hauptrolle in der Gesundheitsversorgungen der ländlichen Regionen Tibets.


Diagnoseverfahren

Für ihre Diagnostik setzt die Tibetische Medizin vorrangig die Pulsdiagnose ein, die sie in einer enorm verfeinerten Form praktiziert.

Differenziertes Diagnoseverfahren
Hierbei tastet der tibetische Arzt den Puls beziehungsweise die Pulse des Patienten am Handgelenk an der Arteria radialis. Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger werden dabei so eingesetzt, dass der Zeigefinger bis zur Haut fühlt, der Mittelfinger bis zum Fleisch und der Ringfinger bis zum Knochen. Nun beurteilt der Arzt die fünf festen (Herz, Leber, Milz, Nieren) und die sechs Hohlorgane (Magen, Dünndarm, Dickdarm, Galle, Milz, Blase) des Körpers. Er unterscheidet zwischen Hitze- und Kältepulsen, die ihn auf Krankheiten schließen lassen. So sind Wind- und Schleimstörungen typische Kältekrankheiten, während Gallenstörungen Hitzekrankheiten sind.

Mit Hilfe der Pulsdiagnose ist der tibetische Mediziner in der Lage, Bluthochdruck, Diabetes, Stoffwechselstörungen, Krebserkrankungen oder Tuberkulose zu diagnostizieren, so dass die Pulsdiagnose eine genaue, wirksame und preiswerte Diagnostik sein kann.

Weitere Verfahren zur Unterstützung
Nur in unklaren Fällen wird zusätzlich zur Pulsdiagnose eventuell noch die Urindiagnose, die Zungendiagnose, die Muttermilchdiagnose (bei Säuglingen), die Ohrvenendiagnose (bei Kindern unter 8 Jahren) oder eine Form der Irisdiagnose herangezogen.

Eine Anamnese, das heißt eine Befragung nach den gesamten Umständen und Symptomen der Krankheit, wird meist nicht durchgeführt, ebenso wenig wie eine detaillierte körperliche Untersuchung.

Nach Erhebung einer Diagnose stehen dem tibetischen Arzt eine Reihe von Therapieverfahren zur Verfügung.


Therapieverfahren

Zu den Therapieverfahren, die die Tibetische Medizin einsetzt, gehören vorrangig Ratschläge für Verhaltensänderungen, Ernährungsumstellungen beziehungsweise die Vermeidung bestimmter Speisen und Getränke, außerdem weiterführende Religionspraktiken (Meditation, aber auch Yoga und Atemübungen etc.).

Interne Behandlung
Danach folgt die medikamentöse, also innere Behandlung. Hierbei unterscheidet die Tibetische Medizin zwischen besänftigenden und ableitenden Heilmitteln. Besänftigende Heilmittel können in Form von Abkochungen, Pulvern, Sirups oder Pillen verabreicht werden, je nach erforderlicher Stärke. Die verwendeten Substanzen (Heilkräuter, Edelsteinpulver und auch tierische Substanzen) können jedoch auch in Form von Salben, Aschen, Zäpfen, medizinischen Ölen und Butterzubereitungen eingenommen werden. Ferner sind sie in Badezusätzen und Inhalationsmitteln enthalten und werden zu Räucherstäbchen verarbeitet.

Eine Besonderheit unter den Pillen sind die so genannten Juwelenpillen. Sie bestehen aus bis zu 165 Zutaten und werden unter zusätzlicher Verwendung von pflanzlichen und tierischen Substanzen in sehr komplexen Verfahren über mehrere Wochen oder sogar Monate hergestellt. Nur wenige Mediziner beherrschen diese Fertigkeiten. Diesen besonderen Edelsteinpräparaten werden auch besondere Fähigkeiten zugeschrieben, ebenso wie anderen tibetischen Heilmitteln, die auch in Europa erhältlich sind.

Ableitende Heilmittel werden als Abführmittel, Brechmittel und Einläufe eingesetzt. Sie dienen der Ableitung überschüssiger Körpersäfte. Insofern kann man auch heiße Bäder dazu rechnen, denn zwar gelangen einerseits aufgelöste Heilmittel durch die Haut in den Körper, andererseits werden aber durch die Schweißproduktion auch überschüssige Säfte ausgeschieden.

Zur so genannten internen Behandlung werden außerdem noch Inhalationen (bei Erkrankungen der Atemwege) sowie Einreibungen und Massagen mit Heilölen oder medizinischer Butter (bei rheumatischen Erkrankungen, Gicht und manchen Hautkrankheiten) gerechnet.

Äußere Behandlung
Daneben gibt es eine Reihe äußerer Behandlungsmaßnahmen, die - falls erforderlich - noch zu den internen angewendet werden.

Hierzu zählen

Auch kleinere chirurgische Eingriffe können im Rahmen der tibetischen Medizin erfolgen, werden jedoch nur sehr selten durchgeführt.


Wirkungen

Die Wirkung der Medikamente, die die Tibetische Medizin verwendet, ist wissenschaftlich nicht weit reichend belegt. Dennoch gab es zum Beispiel nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl Aufsehen erregende und messbare Erfolge, als Juwelenmedikamente bei strahlengeschädigten Patienten eingesetzt wurden und ausgezeichnete Wirkung zeigten. Von schulmedizinischer Seite wird vermutet, dass die Medikamente mit Hilfe körpereigener Salze die im Körper abgelagerten radioaktiven Schwermetalle gebunden und ausgeleitet haben. Aufgrund fehlender finanzieller Mittel konnte diese These bislang nicht wissenschaftlich belegt werden.

Pflanzliches Komplexmittel bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit
Ein anderes Medikament, dessen Wirkung aber wissenschaftlich belegt ist, ist Padma 28, ein pflanzliches Mittel, das in einer randomisierten doppelblinden Studie an 40 Patienten mit stabiler Claudicatio intermittens (Schaufensterkrankheit, periphere arterielle Verschlusskrankheit) untersucht wurde. Die in Frederiksberg in Dänemark durchgeführte Untersuchung ergab, dass die Gruppe, die das Medikament bekam, tatsächlich gegenüber der Gruppe, die ein Placebo bekam, eine deutliche Verlängerung sowohl der schmerzfreien wie auch der maximalen Gehstrecke vorweisen konnte. Der Unterschied war bereits nach einem Monat sichtbar und hielt dann bis zum Ende der viermonatigen Studie an.

Padma 28 enthält Marmelosfrucht, Nelkenpfeffer, Akeleikraut, Gips, Ringelblumenblüten, Cardamom, Gewürznelke, Kampfer, Indische Costuswurzel, Hedychwurzel, Gartenlattich, Isländisches Moos, Süßholz, Niembaumfrucht, Myrobalanen, Spitzwegerichkraut, Vogelknöterichkraut, Goldfingerkraut, Rotes Sandelholz, Sidakraut, Eisenhutknollen, Baldrianwurzel.

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 08.04.2008
 
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