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Tollwut (Rabies, Lyssa)

 Meist wird Tollwut durch den Biss eines infizierten Tieres übertragen

Meist wird Tollwut durch den Biss eines infizierten Tieres übertragen
(Quelle: Klicker/PIXELIO)

Tollwut ist eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die von Tieren auf Menschen übertragen werden kann. In Deutschland ist die Tollwut bei Wild- und Haustieren allerdings durch systematische Bekämpfungsmaßnahmen nahezu vollständig ausgerottet. Dieser Rückgang konnte durch eine intensive Impfung der Füchse mit Impfködern erreicht werden. Auch die Schweiz, Finnland, die Niederlande, Italien, Luxemburg, Frankreich, Belgien sowie die Tschechische Republik gelten offiziell als tollwutfrei. Eine Ansteckungsgefahr besteht hingegen bei Reisen in tollwutgefährdete Länder wie zum Beispiel Indien. 20 bis 50 Prozent der Menschen, die von einem Tier mit Tollwut gebissen werden, erkranken an Tollwut. Ist die Erkrankung ausgebrochen, verläuft sie tödlich. Weltweit versterben nach Angaben der WHO jährlich etwa 50.000 Menschen an Tollwut.

Man unterscheidet je nach Trägertier des Virus drei Arten der Tollwut:

  • Bei der urbanen Form tragen Haustiere wie Hunde oder manchmal auch Katzen das Tollwutvirus in sich. Meistens sind diese durch einen Fuchs angesteckt worden. Haustiere sind häufig Überträger auf den Menschen, da hier enger Kontakt zu den Tieren besteht.
  • Bei der sylvatischen Form sind Wildtiere - vor allem Füchse, Stinktiere und Waschbären - Träger der Erkrankung. Hier sind Berufsgruppen besonders gefährdet, die im Wald arbeiten oder Kontakt zu diesen Tieren haben.
  • Die Fledermaus-Tollwut ist durch blutsaugende Vampir-Fledermäuse vor allem in Süd- und Mittelamerika verbreitet.

Was löst eine Tollwut aus?

Die Tollwut wird durch Viren verursacht. Diese Lyssaviren gehören zur Familie der Rhabdoviren, weshalb die Tollwut auch Lyssa oder Rabies genannt wird. Die Viren gelangen meistens durch einen Biss eines Tieres mit Tollwut in den menschlichen Körper. Allerdings kann auch der infizierte Speichel des Tieres (oder andere infektiöse Ausscheidungen) für den Menschen ansteckend sein, wenn er in eine offene Wunde, in die Schleimhäute oder Tränenflüssigkeit des Menschen gelangt. Im menschlichen Körper vermehrt sich das Virus zunächst in den Muskel- und Nervenzellen. Von dort gelangt es zum Rückenmark und weitet sich schließlich auf das gesamte Zentrale Nervensystem bis ins Gehirn aus. Dort vermehrt sich das Virus und wandert zu verschiedenen Drüsen, wo es durch das Drüsensekret (Speichel, Schweiß, Verdauungssekret) abgegeben wird.

Von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Beschwerden (Inkubationszeit) vergehen meistens drei bis acht Wochen. Ob und wann es nach der Ansteckung zum Ausbruch der Krankheit kommt, hängt davon ab, wo und wie tief die Viren in den Körper eingedrungen sind und wie stark der Virenbefall dabei ist. Tiefe Bissstellen im Gesicht führen eher zu einer Erkrankung als oberflächliche Bisswunden an der Hand. Je kürzer der Weg für die Viren bis zum Gehirn ist, desto eher tritt in der Regel eine Erkrankung auf.

Wie äußert sich eine Tollwut?

Die Tollwut verläuft beim Menschen in drei Stadien. Im Prodromalstadium treten zunächst uncharakteristische Beschwerden auf. Das können Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und ein leichter Temperaturanstieg sein. Bei manchen Betroffenen ist die (Biss-)Wunde schmerzempfindlich, brennt oder juckt.

Die zweite Phase, die akute neuralgische Phase (Exzitationsstadium, "rasende Wut") ist durch starke Erregungszustände mit Krämpfen und Muskelzuckungen gekennzeichnet. Die Betroffenen sind hochgradig unruhig, müssen sich ständig bewegen und haben Angstgefühle. Sie verhalten sich mal aggressiv und sind dann wieder depressiv. Beim Schlucken treten Krämpfe auf. Es reicht schon allein das Hören oder Sehen von Wasser sowie der bloße Gedanke an den Schluckvorgang aus, um Krämpfe auszulösen (Hydrophobie). Häufig ist ein Speichelfluss aus dem Mund zu beobachten, weil die Betroffenen dadurch vermeiden, schlucken zu müssen. In diesem Stadium tritt während der Erregungsphase in vielen Fällen der Tod ein.

Im paralytischen Stadium ("stille Wut") erschlafft die Muskulatur. Dadurch wird der Betroffene ruhiger und die Krämpfe hören auf. Der an Tollwut Erkrankte fällt schließlich ins Koma und stirbt an Atemlähmung. Der gesamte Krankheitsverlauf ist sehr kurz. Meistens dauert es von den ersten Anzeichen der Erkrankung bis zum Tod ein bis maximal drei Wochen.

Wie wird Tollwut beim Menschen festgestellt?

Der Verdacht, dass eine Tollwut vorliegen kann, ergibt sich zunächst aus der Krankengeschichte. Es gibt verschiedene Laboruntersuchungen, die zur Diagnose von Tollwut durchgeführt werden können. Zu Lebzeiten des Betroffenen können Antigene beziehungsweise die Geninformationsträger (RNA) des Tollwutvirus im Speichel, in der Hornhaut des Auges, in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit und der Nackenhaut nachgewiesen werden. Die Diagnose lässt sich mit Sicherheit aber erst nach dem Tod des Betroffenen durch Untersuchung des Hirngewebes (Nachweis von Negri-Körperchen) bestätigen.

Wie wird Tollwut behandelt?

Ist die Tollwut bereits ausgebrochen, gibt es keine Therapie mehr, um sie zu heilen. Daher beschränkt sich in diesem Fall die Behandlung auf die Symptome.

Wenn ein mit Tollwut infiziertes Tier einen Menschen gebissen hat, aber noch keine Symptome aufgetreten sind, ist eine Behandlung unter intensivmedizinischer Aufsicht möglich.

Die Wunde wird zunächst sorgfältig mit Wasser und Seifenlösung ausgewaschen und mit Alkohol desinfiziert. Tiefere Wunden können mit Kathetern ausgespült werden. Ziel ist es, zu verhindern, dass sich die Wunde durch Bakterien zusätzlich entzündet und es nachfolgend zu einer bakteriellen Superinfektion kommt. Der Arzt wird die Gliedmaßen ruhigstellen, einen Verband anlegen und gegebenenfalls den Tetanus-Schutz auffrischen (gegen Wundstarrkrampf). Um einen Ausbruch der Erkrankung zu vermeiden, wird dem Betroffenen ein inaktiver Virus, ein so genannter Totimpfstoff, gespritzt. Außerdem wird dem Betroffenen ein Anti-Tollwut-Hyperimmunoglubin verabreicht, das passiv gegen Tollwut immunisiert.

Verlauf einer Tollwut

Bis die Tollwut nach einer Ansteckung, zum Beispiel durch einen Biss, ausbricht, vergehen meistens drei bis acht Wochen. Selten sind es weniger als neun Tage. In Einzelfällen ist sogar noch Jahre nach der Ansteckung die Krankheit ausgebrochen. Sobald die ersten Symptome auftreten, ist die Tollwut nicht mehr heilbar. Der Tod tritt in der Regel binnen einer Woche ein. Erst einmal wurde von einem Fall in den USA berichtet (2005), in dem eine 15-jährige Jugendliche eine Tollwuterkrankung nach einer experimentellen virustatischen Behandlung und mehrwöchiger Intensivtherapie überlebt hat.

Um eine Chance auf Heilung zu haben, ist es unbedingt ratsam, sich umgehend nach einer möglichen Infektion mit Tollwut ärztlich behandeln zu lassen.

Wie kann man einer Tollwut beim Menschen vorbeugen?

Durch die Impfung von Füchsen und Haustieren sinkt das Risiko, dass Menschen sich bei Tieren anstecken.

Für Menschen, die häufig Umgang mit tollwutgefährdeten Tieren haben, ist eine Tollwut-Impfung sinnvoll. Das gilt beispielsweise für Tierärzte, Forstpersonal, Waldarbeiter oder Jäger.

Auch bei Reisen in Tollwutgebiete ist ein Impfschutz empfehlenswert. Wo Tollwut verbreitet ist, ist es ratsam, streunenden Haustieren nicht zu nahe zu kommen. Besonders vorsichtig sollte man sein, wenn wilde Tiere plötzlich zutraulich gegenüber Menschen sind. Dieses Verhalten tritt bei Tieren häufig im Anfangsstadium einer Tollwuterkrankung auf.


Sollten Sie weitere Fragen zum Thema Tollwut haben, können Sie sich an die Experten der Hausarzt-Expertenrat wenden.

Quellen:
Baenkler, H-W., et al.: Kurzlehrbuch innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2007
Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Tollwut (Rabies, Lyssa). Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: 01.02.2005)
Epidemiologisches Bulletin 13/2005: Zur diagnostischen Sicherung von Tollwuterkrankungen. Robert Koch-Institut, Berlin (01.04.2005)

 

Autor: Melanie Wilberg 
Letzte Änderung am: 09.10.2008
 
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