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Tuberkulose

Eine offene Lungentuberkulose äußert sich durch Husten und Atemnot

Kommt eine Tuberkuloseerkrankung zum Ausbruch, äußert sie sich unter anderem durch Fieber
(Quelle: BananaStock)

Die Tuberkulose gehört zu den gefährlichsten bakteriellen Infektionskrankheiten der Lunge, kann aber prinzipiell jedes Organ befallen. Sie ist weltweit verbreitet und fordert nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) täglich bis zu 5.000 Todesopfer, vor allem in Afrika und Asien.

In Deutschland werden jährlich mehr als 6.000 Erkrankungsfälle gemeldet, von denen ein großer Teil aus Osteuropa eingereist ist. Häufig betroffen und stark gefährdet sind hierzulande auch Obdachdachlose sowie immungeschwächte Menschen wie HIV-Infizierte oder Alkohol- und Drogenabhängige. Männer infizieren sich etwa anderthalb Mal häufiger als Frauen, vor allem im Alter über 70 Jahren. In Deutschland kommt es jedes Jahr zu etwa 200 Todesopfern aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung.

Neuere Verfahren der Chemotherapie machen die Tuberkulose heute im Allgemeinen gut behandelbar. Ein Problem ist allerdings die Zunahme so genannter multiresistenter Bakterienstämme, was eine engmaschige ärztliche Begleitung erforderlich macht.


Wie wird die Tuberkulose verursacht?

Erreger der Tuberkulose sind verschiedene Formen so genannter Mykobakterien. Übertragen werden sie vor allem per Tröpfcheninfektion, wenn infizierte Personen mit einer so genannten offenen Lungentuberkulose husten oder niesen. In Ausnahmefällen ist eine Übertragung durch infizierte Gegenstände möglich. Auch kommt es vor, dass Ungeborene während der Schwangerschaft von ihrer infizierten Mutter oder bei der Geburt angesteckt werden.

Insgesamt ist die Gefahr einer Übertragung der Tuberkulose-Bakterien geringer als etwa bei Windpocken oder Masern. Gleichwohl können verschiedene Risikofaktoren eine Infektion begünstigen:

  • Je länger und häufiger man sich mit unbehandelten infizierten Menschen in geschlossenen Räumen aufhält, umso größer ist das Infektionsrisiko. Eine Übertragung im Freien aufgrund eines flüchtigen Kontakts ist sehr selten.
  • Je mehr ein unbehandelter erkrankter Mensch hustet, desto mehr Erreger scheidet er aus. Eine möglichst frühzeitige Behandlung ist daher besonders wichtig.
  • Ein geschwächtes Immunsystem, eine schlechte Ernährungslage und Gesundheitsversorgung erhöhen die Empfänglichkeit für Krankheitserreger allgemein und so auch für Tuberkulose-Bakterien.

Zwischen Ansteckung und Ausbruch einer Tuberkulose können wenige Wochen bis Jahre liegen (Inkubationszeit). In vielen Fällen kommt die Krankheit nicht zum Ausbruch und ist so lange auch nicht ansteckend. Infizierte Kinder erkranken deutlich häufiger als Erwachsene.


Wie macht sich eine Tuberkulose bemerkbar?

Im Allgemeinen wird die "primäre" von der "postprimären" (post = nach) Tuberkulose unterschieden.

Eine primäre Tuberkulose ist eine Erstinfektion, die je nach Eintrittsweg der Erreger in den Atemwegen, der Lunge, im Darm oder auf der Haut zu knötchenförmigen Gewebeveränderungen führt. Die Tuberkulose-Bakterien können über Jahre hinweg im Körper überdauern, ohne dass Symptome auftreten. Andere Erkrankungen, die mit einer Schwächung des Immunsystems einhergehen, können eine Tuberkulose dann zum Ausbruch bringen - oder einen neuen Krankheitsschub verursachen. Die postprimäre Tuberkulose bezeichnet das Übergreifen einer primären Tuberkulose auf andere Organe.

Als Symptome einer Tuberkulose können auftreten: ungewöhnliche Gewichtsabnahme, vermehrtes nächtliches Schwitzen, Fieber, Appetitmangel und eine anhaltende Schwäche wie bei einem grippalen Infekt. Kinder zeigen oft nur schwach ausgeprägte Symptome.

Eine offene Lungentuberkulose liegt vor, wenn die Bakterien zu den Atemwegen durchbrechen und somit ausgeschieden werden können. Charakteristisch sind dann Atembeschwerden und Brustschmerzen, die von häufigem Husten begleitet sind - teilweise mit blutigem Auswurf.

Hält ein Husten länger als drei Wochen an, ist es ratsam, einen Arzt wegen einer möglichen Infektion mit Tuberkulose-Bakterien aufzusuchen.


Wie wird eine Tuberkulose festgestellt?

Eine Infektion mit Tuberkulose-Bakterien lässt sich in den meisten Fällen mit einem einfachen Hauttest nachweisen (Tuberkulintest). Dabei werden mittels einer feinen Nadel so genannte Tuberkuline in die Haut gespitzt, worauf die Haut im Fall einer Infektion innerhalb von zwei bis drei Tagen spezifisch reagiert.

Im Fall einer positiven Hautreaktion erfolgt meist eine Röntgenuntersuchung der Lunge. Da ein negativer Hauttest jedoch aufgrund der langen Inkubationszeit nicht immer gleichbedeutend ist mit einer Nichtinfektion, werden nicht selten bakterielle Suchtests durchgeführt. Im Labor werden dann Bakterienkulturen aus dem Sputum, dem Auswurf oder Magensaft der Betroffenen angelegt und untersucht.


Die Behandlung einer Tuberkulose

Wird eine Tuberkulose rechtzeitig erkannt, lässt sie sich im Allgemeinen gut behandeln. Entscheidend für eine erfolgreiche Therapie ist, dass sie bis zum endgültigen Ausheilen der Erkrankung durchgeführt wird. Das kann bis zu anderthalb Jahren dauern.

Die Behandlung mit Medikamenten wird stets mit einer Kombination von Wirkstoffen durchgeführt, von denen folgende die wichtigsten sind: Isoniazid (INH), Rifampicin (RMP), Ethambutol (EMB) und Streptomycin (SM). Je nach Resistenzstatus der Erreger können weitere Wirkstoffgruppen infrage kommen.

Im Allgemeinen geht man davon aus, dass sich drei bis vier Wochen nach dem Beginn einer korrekt durchgeführten Behandlung keine lebensfähigen Tuberkulose-Bakterien mehr im Körper finden lassen. Die Krankheit ist dann auch nicht mehr ansteckend.

Ein erneuter Ausbruch der Tuberkulose ist meist die Folge einer unregelmäßigen Einnahme der verordneten Medikamente oder der vorzeitige Abbruch einer Behandlung.


Wie verläuft eine Tuberkulose?

Unbehandelt ist eine zum Ausbruch gekommene Tuberkuloseerkrankung meist tödlich. Dank moderner medikamentöser Behandlungsverfahren lassen sich die Symptome heute weitgehend beherrschen. Finden sich drei bis vier Wochen nach dem Beginn einer korrekt durchgeführten Behandlung keine lebensfähigen Tuberkulose-Bakterien mehr im Körper, ist die Krankheit nicht mehr ansteckend. Dann können die Erkrankten wieder am sozialen Leben teilhaben - vorausgesetzt, sie nehmen ihre Medikamente weiterhin nach Vorschrift ein.


Wie kann man vorbeugen?

Eine gezielte Vorbeugung gegen eine Infektion mit Tuberkulose-Bakterien gibt es nicht. Hilfreich gegen alle Infektionskrankheiten ist es allerdings, alles zu vermeiden, was das Immunsystem des Körpers schwächen könnte.

Bestand Kontakt mit infizierten Menschen, können unter strenger ärztlicher Aufsicht vorsorglich Antituberkulotika eingenommen werden.


Wenn Sie weitere Fragen zum Thema Tuberkulose haben, können Sie diese in der Hausarzt-Expertenrat stellen.

Quellen:
Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Tuberkulose. Heft 35, Robert Koch-Institut, Berlin 2006
Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP): Tuberkulose - DZK-Richtlinien zur medikamentösen Behandlung der Tuberkulose im Erwachsenen- und Kindesalter. (Stand 2001)

 

Autor: Peter Gelhard 
Letzte Änderung am: 27.10.2008
 
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