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Vergiftungen bei Kindern

Plötzlich auftretende Krankheitssymptome bei Kindern können auf eine Vergiftung hinweisen


Plötzlich auftretende Krankheitssymptome bei Kindern können auf eine Vergiftung hinweisen
(Quelle: DAK/Wigger)

Vergiftungen sind besonders bei Kleinkindern ein typischer Notfall. Die häufigste Ursache für eine Vergiftung ist die Einnahme von Arzneimitteln. Eine Vergiftung mit Haushaltsmitteln – Reinigungsmittel, Säuren, Laugen, Lösungsmittel, Waschmittel, Farben und Kosmetika – kommt am zweithäufigsten vor. Auch Pflanzenschutz- und Düngemittel sowie andere chemische Substanzen können die Ursache von Vergiftungen sein. Zudem löst der Verzehr von Pflanzen, giftigen Pilzen, Alkohol und Nikotin häufig Vergiftungsnotfälle aus. Typische Unfallorte sind die Küche, das Schlaf- und Wohnzimmer, das Bad sowie der Garten.

Mehr als zwei Drittel der Vergiftungen verlaufen wegen der Ungefährlichkeit der eingenommenen Substanzen – zum Beispiel Seife, Knetgummi oder Tinte – harmlos und es treten keine Vergiftungserscheinungen auf. Bei rund einem Viertel der Vergiftungsnotfälle treten zwar Symptome auf, doch es besteht keine Lebensgefahr. Bei ungefähr jeder zehnten Vergiftung kommt es zu schweren Symptomen. Spätfolgen einer schweren Vergiftung können Hirn- und Nervenschäden sowie Leber- und Nierenschäden sein. Trotz des meist leichten Vergiftungsverlaufs, sollte grundsätzlich die Giftnotrufzentrale (in Deutschland Ortsvorwahl plus 19240) befragt werden, wenn ein Vergiftungsverdacht besteht.

Neben der Substanz spielt die Dosis für den Verlauf der Vergiftung eine entscheidende Rolle: Verzehrt ein Kind beispielsweise weniger als ein Drittel einer ungerauchten Zigarette, besteht kaum Gefahr. Bei dem Verzehr von der Hälfte der Zigarette kann es jedoch schon zu Vergiftungserscheinungen kommen.


Symptome

Die Symptome einer Vergiftung sind je nach Ursache sehr unterschiedlich. Allgemeine Vergiftungserscheinungen können sein:

Treten bei Kleinkindern plötzlich unklare Bewusstseinstrübungen, eine Bewusstlosigkeit oder unklare Symptome auf, kann dies auf eine Vergiftung hinweisen. Es sollte dann die Spielumgebung des Kindes nach möglichen Ursachen abgesucht werden und das Kind sollte nach Möglichkeit dahingehend befragt werden.


Erste Hilfe bei Vergiftungen

Besteht der Verdacht auf eine Vergiftung oder zeigt ein Kind Vergiftungserscheinungen, sollte Ruhe bewahrt werden. Zunächst ist es wichtig, die Giftnotrufzentrale (in Deutschland Ortsvorwahl plus 19240) anzurufen. Ist bekannt, wie sich das Kind vergiftet hat, ist es ratsam, der Giftnotrufzentrale möglichst alle bekannten Informationen zu der Substanz zu nennen (beispielsweise die genaue Bezeichnung eines Medikaments und die Mengenangabe der Packung). Zudem sind die Angabe des Vergiftungszeitpunkts, des Alters und Gewichts des Kindes sowie der Symptome wichtig. Um der Giftnotrufzentrale eine Rückrufmöglichkeit zu bieten, empfiehlt es sich, die eigene Telefonnummer bereit zu halten.

Bei Bewusstseinseinschränkungen steht die Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen, also Atmung und Herzfunktion, an erster Stelle. Der Notarzt sollte schnellstmöglich verständigt werden. Ist das Kind bewusstlos, sollte es in die stabile Seitenlage gelegt werden. Bei Atemstillstand muss es beatmet und bei Herz-Kreislauf-Stillstand muss eine Herzdruckmassage durchgeführt werden. Diese Erste-Hilfe-Maßnahmen können in Erste-Hilfe-Kursen erlernt werden.

Es ist ratsam, weitere Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Vergiftungen nur in Absprache mit der Giftnotrufzentrale durchzuführen.

Vergiftung über den Mund

Hat das Kind die giftige Substanz gegessen oder getrunken, ist es wichtig, ihm in den Mund zu schauen und mögliche Reste – beispielsweise von Tabletten oder Beeren – mit den Fingern oder einem feuchten Tuch zu entfernen. Grundsätzlich sollte das Kind nach einer Vergiftung nichts trinken, um weiteren Schäden vorzubeugen. Das Nachtrinken ist nur bei Verätzungen sinnvoll. Kinder, die etwas Ätzendes zu sich genommen haben, zeigen starke Schmerzen im Mund und weiß bis blutig angeschwollene Schleimhäute. In diesem Fall sollte das Kind Wasser, ungesüßten Tee oder stark verdünnte Säfte in kleinen Schlucken trinken – jedoch nicht so viel, dass es erbrechen muss. Dies würde die verätzte Speiseröhre zusätzlich schädigen.

Erbrechen sollte nur auf Rat der Giftnotrufzentrale ausgelöst werden, niemals nach eigenem Ermessen. Auch ist es ratsam, die Gabe von Kohletabletten, Abführmitteln oder Entschäumer mit der Giftnotrufzentrale abzusprechen.

Vergiftungen in den Augen

Hat das Kind die giftige Substanz in ein Auge bekommen, sollte dieses zehn bis 15 Minuten unter dem laufenden Wasserhahn mit lauwarmem Wasser ausgespült werden. Dabei ist es wichtig, dass das Auge geöffnet bleibt. In der Regel müssen die Augenlieder dafür mit zwei Fingern auseinander gehalten werden. Im Anschluss ist es ratsam, mit dem Kind einen Augenarzt aufzusuchen.

Vergiftungen über die Haut

Gifte, die über die Haut aufgenommen werden, müssen abgewaschen werden. Dafür sollte das Kind ganz entkleidet werden und mit lauwarmem Wasser und Seife wiederholt abgeduscht werden.


Vergiftungen vorbeugen

Um Vergiftungen vorzubeugen, ist es ratsam, Kindern frühzeitig die Gefahren in der Wohnung und dem Garten zu vermitteln. Zudem sollten gefährliche Substanzen außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden und keinesfalls in Getränkeflaschen oder andere Lebensmittelbehälter umgefüllt werden. Des Weiteren ist es nicht zu empfehlen, Medikamente – auch im akuten Krankheitsfall in der Familie – offen herumliegen zu lassen. Bei Arbeiten mit gefährlichen Substanzen wie Farben oder Terpentin sollte das Kind nicht unbeaufsichtigt gelassen werden.

Um im akuten Vergiftungsfall angemessen reagieren zu können, ist die regelmäßige Teilnahme an Erste-Hilfe-Kursen ratsam. Zudem empfiehlt es sich, die Rufnummer von der Giftnotrufzentrale am Telefon bereitzuhalten.

Quellen:
Online-Informationen des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V.: www.kinderaerzte-im-netz.de (Stand: Dezember 2008)
Renz-Polster, Dr. H. et al.: Gesundheit für Kinder. Kösel, München 2007
Sitzmann, F. C.: Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2002

 

Autor: Theresa Nikley 
Letzte Änderung am: 03.05.2012
 
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