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Vogelgrippe (aviäre Influenza)

Der Auslöser der Vogelgrippe wird häufig über Geflügel übertragen

Der Auslöser der Vogelgrippe wird häufig über Geflügel übertragen
(Quelle: Bernd Boscolo/PIXELIO)

Die Vogelgrippe ist eine Erkrankung, die durch bestimmte Influenza-A-Viren ausgelöst wird und weltweit verbreitet ist. Wie der Name schon sagt, sind hauptsächlich Vögel davon betroffen. Seit 2003 breitet sich vermehrt bei Geflügel und vereinzelt auch bei Menschen ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H5N1 aus. Dieses Virus kann von Vögeln auf andere Tiere und Menschen übergehen. Am ehesten können sich Menschen bei Hühnern und Puten anstecken. Das Infektionsrisiko ist jedoch gering, es besteht nach bisherigen Erkenntnissen nur bei engem Kontakt mit erkrankten Tieren. In Europa betrifft das in erster Linie Geflügelhalter, Tierärzte und Menschen anderer Berufsgruppen, die häufigen und direkten Kontakt zu lebenden oder toten Hühnervögeln haben.

Von Ende 2003 bis April 2008 sind der WHO weltweit 381 Erkrankungen von Menschen an dem der Influenza-A-Virus des Typ H5N1 gemeldet worden - 240 davon endeten tödlich. Am häufigsten ist die Vogelgrippe in Südostasien verbreitet (Indonesien, Vietnam). In Europa sind bisher nur vereinzelt Menschen an Vogelgrippe erkrankt.


Was löst die Vogelgrippe aus?

Verschiedene Unterarten (H-Subtypen) des Influenza-A-Virus können eine Vogelgrippe verursachen. Derzeit ist das Influenza-A-Virus vom Typ H5N1 Auslöser der Vogelgrippe bei Tieren und Menschen. Menschen, die bisher an diesem Virus erkrankt sind, hatten alle zuvor engen Kontakt mit infiziertem Geflügel oder dessen Ausscheidungen (Blut, Kot). In einem Fall soll das Vogelgrippe-Virus von Mensch zu Mensch übertragen worden sein. Dieser Übertragungsweg des derzeit verbreiteten H5N1-Virus ist nach Meinung der Experten aber die Ausnahme.

Von der Ansteckung bis zu den ersten grippeähnlichen Anzeichen dauert es länger als bei einer "normalen" Grippe - also mehr als drei Tage. Nach bisherigen Beobachtungen liegt die Inkubationszeit bei etwa einer Woche.


Übertragung

Bisherige Erfahrungen haben gezeigt, dass für Menschen nur eine Ansteckungsgefahr besteht, wenn sie engen Kontakt mit infiziertem Haus- oder Nutzgeflügel haben - zum Beispiel, wenn sie das Geflügel schlachten oder den Stall säubern. Dabei können die Viren aus dem Kot oder Blut der Vögel auf den Menschen übertragen werden. Im Vogelkot kranker Hühner und Puten sind die Viren in besonders großer Zahl vorhanden. Es wird angenommen, dass die Viren beim Einatmen in den menschlichen Körper gelangen. Auch die Handhygiene scheint eine entscheidende Rolle bei der Infektion zu spielen.

Da Enten, Schwäne und Gänse das Virus ebenfalls häufig in sich tragen, wird in Regionen mit Vogelgrippe geraten, Abstand zu diesen Tieren zu halten.

Das Risiko, sich über Lebensmittel (Geflügelfleisch) zu infizieren, wird als wesentlich geringer eingeschätzt als durch direkten intensiven Kontakt mit erkranktem Geflügel. In Deutschland gelten Geflügelfleisch und Eier als frei von Vogelgrippeviren. Dennoch wird vorsichtshalber empfohlen, Geflügelfleisch nur gut durchgekocht oder durchgebraten zu verzehren. Gleiches gilt für Eier.


Wie äußert sich eine Vogelgrippe?

Als typische Anzeichen für die Vogelgrippe gelten hohes Fieber, Husten und Atemnot. Auch Übelkeit, Erbrechen und insbesondere Durchfall können auftreten.

Andere Anzeichen wie Hals-, Kopf- und Muskelschmerzen kommen vor, sind aber eher selten. Im Blutbild zeigt sich häufig ein Mangel an Leuko-, Lympho- und Thrombozyten.


Diagnose der Vogelgrippe

Die Vogelgrippe hat ähnliche Symptome wie eine "normale" Grippe. Daher wird der Arzt den Betroffenen zunächst nach den Risikofaktoren befragen. Wenn der Erkrankte etwa eine Woche vor Krankheitsbeginn Kontakt mit an Vogelgrippe erkrankten Tieren, deren Ausscheidungen oder aus ihnen hergestellten, rohen oder nicht vollständig gegarten Produkten hatte, ist eine Vogelgrippe wahrscheinlich. Es stehen verschiedene Laboruntersuchungen zur Verfügung, um die Erkrankung festzustellen. Untersucht wird dabei der Nasen-Rachen-Schleim, Bronchialsekret und das Blut. Spezielle Verfahren helfen, den Erreger selbst festzustellen. Alternativ wird nach H5-Antikörpern gesucht - ein Beweis dafür, dass das Vogelgrippevirus bereits eingedrungen ist und den Organismus zur Gegenwehr aufruft.


Wie eine Vogelgrippe behandelt wird

Viruskrankheiten können mit Virus abtötenden Medikamenten (Virostatika) behandelt werden. Gegen Vogelgrippe scheinen so genannte Neuraminidaseinhibitoren wirksam zu sein.

Derzeit werden Oseltamivir und Zanamivir bei Menschen eingesetzt, die an Vogelgrippe erkrankt sind. Die Symptome - wie Fieber und Husten - können mit Medikamenten, die üblicherweise bei diesen Beschwerden eingesetzt werden, behandelt werden.


Verlauf der Vogelgrippe

Typisch bei einer H5N1-Infektion ist, dass die Betroffenen in einem frühren Stadium eine Lungenenzündung (Pneumonie) bekommen, die letztlich bei vielen zum Tod führt. Im weiteren Krankheitsverlauf erhöhen sich häufig die Leberwerte. Das Blutbild zeigt stark verminderte Leukozyten (Leukopenie), Erythrozyten (Anämie) und Thrombozyten (Thrombozytopenie). Bei vielen der mit dem Vogelgrippevirus Infizierten führte ein Versagen mehrerer Organe zum Tod (Multiorganversagen). Dass die Vogelgrippe recht häufig tödlich verläuft, ist bei neuartigen Viruserkrankungen wie dieser nicht ungewöhnlich: Gegen neue Virenstämme wie H5N1 besitzen Menschen so gut wie keine Abwehrkräfte.

Nach Meinung von Experten könnte es für die Gesamtbevölkerung gefährlich werden, wenn sich das H5N1-Virus so verändert, dass es künftig leichter von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Das könnte geschehen, wenn sich die Viren, die eine "normale" Grippe beim Menschen (Humangrippe) auslösen, sich mit denen der Vogelgrippe genetisch vermischen.


Der Vogelgrippe vorbeugen

In Regionen mit Vogelgrippe sollte Folgendes vermieden werden:

  • direkten Kontakt zu lebendem oder totem Geflügel
  • Kontakt zu Hühner- und Putenkot
  • Besuch von Vogel- oder Geflügelmärkten

Außerdem ist es ratsam, die Hände gründlich mit Wasser und Seife oder Händedesinfektionslösungen reinigen - vor allem vor dem Essen.

Das Risiko, sich über Lebensmittel (Geflügelfleisch) zu infizieren, wird als wesentlich geringer eingeschätzt als durch direkten intensiven Kontakt mit erkranktem Geflügel. In Deutschland gelten Geflügelfleisch und Eier als frei von Vogelgrippeviren. Dennoch wird vorsichtshalber empfohlen, Geflügelfleisch auch hier nur gut durchgekocht oder durchgebraten zu verzehren. Gleiches gilt für Eier.

Einen zugelassenen Impfstoff für Menschen gegen Influenza-A-Viren des Typs H5N1 gibt es derzeit nicht.


Wenn Sie weitere Fragen zum Thema Vogelgrippe haben, können Sie diese in der Hausarzt-Expertenrat stellen.

Quellen:
Online-Information der Ärtzekammer: Fragen und Antworten zur Vogelgrippe (Stand: April 2008)
Online-Information des Friedrich-Loeffler-Institut: Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit: Informationen zur aviären Influenza (Stand 08.01.08)
Falldefinition Influenzavirus A/H5N1 (Vogelgrippe, aviäre Influenza), Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: 01.08.2007)
RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Influenza. Robert Koch-Institut, Berlin (Stand 18.02.2008)
Online-Information der World Health Organisation (WHO): Avian influenza (Stand: 17.04.08)

 

Autor: Melanie Wilberg 
Letzte Änderung am: 27.10.2008
 
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