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Beschneidung der Vorhaut

Nach einer Beschneidung der Vorhaut müssen Männer für einige Tage auf Baden und Geschlechtsverkehr verzichten

Nach einer Beschneidung der Vorhaut müssen Männer für einige Tage auf Baden und Geschlechtsverkehr verzichten
(Foto: Photodisc)

Die Beschneidung der Vorhaut (Zirkumzision) wird aus verschiedenen Gründen durchgeführt. In Deutschland wird die Operation in erster Linie aus medizinischen, hygienischen oder kosmetischen Gründen vorgenommen. Im Judentum ist die Beschneidung bei Jungen am achten Tag nach der Geburt Teil einer religiösen Zeremonie. Im Islam dagegen werden männliche Heranwachsende traditionell bis spätestens zum 14. Lebensjahr beschnitten. Schätzungen zufolge sind weltweit etwa 20 bis 40 Prozent der Männer beschnitten, in Deutschland geht man davon aus, dass die Häufigkeit bei ungefähr 15 Prozent liegt.


Was passiert vor der Beschneidung der Vorhaut?

Vor der Beschneidung der Vorhaut werden verschiedene Laboruntersuchungen durchgeführt und festgestellt, ob die Blutgerinnung eines Jungen oder Mannes gestört ist. In manchen Fällen muss durch ein Elektrokardiogramm (EKG) geklärt werden, ob Herzerkrankungen bestehen, die bei einem operativen Eingriff erhöhte Risiken mit sich bringen könnten.


Wie läuft die Entfernung der Vorhaut ab?

Zur Entfernung der Vorhaut gibt es unterschiedliche Methoden.

Operative Beschneidung

Bei der operativen Beschneidung wird die Vorhaut unter lokaler Betäubung oder unter Vollnarkose operativ entfernt. Es kann nur der vordere Teil der Vorhaut entfernt werden (Plastische Zirkumzision) oder die ganze Vorhaut (Radikale Zirkumzision). Bei einer vollständigen Vorhautentfernung wird die Haut des Penisschafts anschließend unterhalb der Eichel mit selbstauflösenden Fäden angenäht.

Plastibellmethode

Die Plastibellmethode kommt hauptsächlich bei Kindern zum Einsatz, die unter einer Vorhautverengung leiden. Dabei wird die Vorhaut mithilfe einer Kunststoffglocke abgeschnürt. So stirbt das Gewebe der Vorhaut ab und löst sich nach etwa acht bis zehn Tagen von selbst.


Worauf muss man nach der Beschneidung der Vorhaut achten?

Nach einer operativen Beschneidung kann die Wundheilung durch desinfizierende Sitzbäder beschleunigt werden. Man sollte außerdem auf mögliche Beschwerden wie Rötungen und Schwellungen achten und diese gegebenenfalls ärztlich kontrollieren lassen. Duschen sollte man erst drei Tage nach dem Eingriff wieder. Baden empfiehlt sich erst, nachdem sich die Fäden aufgelöst haben, was für gewöhnlich nach acht bis zehn Tagen der Fall ist. Der Penis ist in der Regel etwa zwei Wochen nach einer Beschneidung verheilt. Dennoch ist es für Männer ratsam, für die ersten drei Wochen auf Geschlechtverkehr zu verzichten und im Anschluss bei den ersten sexuellen Aktivitäten sehr vorsichtig zu sein.


In welchen Fällen wird eine Beschneidung der Vorhaut durchgeführt?

Eine Beschneidung der Vorhaut kann auf persönlichen Wunsch durchgeführt werden, allerdings werden die Kosten von gesetzlichen Krankenkassen nur übernommen, wenn die Behandlung medizinisch notwendig ist. Dies ist der Fall, wenn wiederkehrende Entzündungen an Glied und Eichel (Balanitis) Probleme bereiten oder eine Verengung der Vorhaut (Phimose) vorliegt.

Eine Vorhautverengung kann zu folgenden Beschwerden führen:


  • Die Vorhaut kann bei einer Erektion gar nicht oder nur zum Teil zurückgezogen werden
  • Schmerzen bei einer Erektion
  • Der Harnstrahl ist beim Wasserlassen abgeschwächt oder verdreht
  • Beim Urinieren bildet sich ein "Ballon" an der Vorhaut
  • Die Blase kann nicht entleert werden (Harnverhalt)
  • Nach dem Zurückstreifen der Vorhaut bildet sich ein Schnürring, auch Spanischer Kragen genannt, der die Eichel abschnürt (Paraphimose)



Gibt es gesundheitliche Vorteile durch eine Beschneidung der Vorhaut?

Die Beschneidung der Vorhaut bringt verschiedene gesundheitliche Vorteile mit sich. Da die Reinigung des Gliedes vereinfacht wird, können Entzündungen der Eichel und der Harnröhre leichter vermieden werden. Außerdem sinkt das Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken, wenn der Penis beschnitten ist. Dies gilt für Syphilis, Feigwarzen und auch HIV. Unbedingt zu beachten ist allerdings, dass eine Beschneidung nicht vor einer HIV-Infektion und anderen Geschlechtskrankheiten schützt, sondern nur das statistische Risiko einer Infektion verringern kann.


Welche Komplikationen können bei einer Beschneidung auftreten?

Komplikationen während und nach einer Beschneidung sind sehr selten. Leichte Schmerzen nach der Beschneidung sind möglich, können aber gut mit Schmerzmitteln behandelt werden. Zum Teil kommt es zu Rötungen und Schwellungen. Gelegentlich treten Nachblutungen auf, selten kommt es zur Bildung unregelmäßiger Wundränder. Vereinzelt kommt es durch Operationsfehler zu Infektionen, Harnröhrenverengungen, Harnröhrenfisteln oder Verletzungen der Eichel.


Gibt es Alternativen zur Beschneidung der Vorhaut?

Im Säuglings- und Kleinkindalter kommen Verengungen der Vorhaut sehr häufig vor. Nur in der Hälfte der Fälle ist eine Beschneidung notwendig. Häufig kann die Vorhaut im weiteren Entwicklungsverlauf durch vorsichtiges Zurückschieben, zum Teil mithilfe von speziellen Cremes, gedehnt werden, bis ein vollständiges Zurückschieben möglich ist. Eine weitere Alternative ist die Erweiterungsplastik. Dabei wird die Vorhaut in Längsrichtung eingeschnitten und wieder vernäht. Bei Problemen mit dem Vorhautbändchen kann dieses durchtrennt und wieder angenäht werden.


Quellen:
Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Urologie und dem Berufsverband der deutschen Urologen: www.urologenportal.de (Stand Juni 2009)
Sökeland J. et al.: Taschenlehrbuch Urologie, Thieme, Stuttgart 2007
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie: Phimose und Paraphimose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 006/052 (Stand: April 2008)

 

Autor: Christian Emmerling 
Letzte Änderung am: 23.01.2014
 
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