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Zöliakie (Sprue)

 Menschen mit Zöliakie benötigen glutenfreies Brot

Menschen mit Zöliakie benötigen glutenfreies Brot
(Quelle: BananaStock)

Zöliakie ist eine Erkrankung der Dünndarmschleimhaut, die durch eine Unverträglichkeit gegen das Klebereiweiß Gluten ausgelöst wird. Gluten ist Bestandteil vieler Getreidesorten. Zöliakie ist genetisch bedingt und kommt in weiten Teilen der Erde vor. Lediglich in einigen ost-asiatischen Ländern wie China und Japan erkranken die Einwohner aufgrund ihrer getreidearmen Ernährung nicht an Zöliakie. In Deutschland kommt ein Erkrankter auf 1.000 bis 2.000 Einwohner, wobei die Zahl der Personen mit entsprechender Veranlagung ein Vielfaches beträgt. Schätzungen gehen von einem Fall je 200 bis 500 Einwohner aus. Frauen sind häufiger von Zöliakie betroffen als Männer. Die Krankheit tritt in den meisten Fällen im Säuglingsalter auf (frühkindliche Zöliakie), sie kann jedoch auch zunächst symptomfrei und damit unbemerkt verlaufen und erst im Jugend- oder Erwachsenenalter komplett ausbrechen. Hierfür ist oft eine Infektion der Auslöser. Neuerkrankungen bei Erwachsenen finden gehäuft zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr statt. Zöliakie wird auch als einheimische Sprue oder gluteninduzierte Enteropathie bezeichnet.


Was sind die Ursachen von Zöliakie (Sprue)?

Ursache für Zöliakie ist ein Gendefekt, der eine Unverträglichkeit gegen Gluten hervorruft. Gluten ist ein Eiweißstoff, der sich in vielen Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel und Grünkern befindet. Aufgrund der genetischen Veranlagung verdaut der Körper das Gluten nicht als normalen Nahrungsbestandteil, sondern sieht es als Schadstoff an, der neutralisiert werden muss. Er bildet daher so genannte Antikörper gegen das Gluten, genauer gesagt gegen das darin enthaltene Gliadin.

Im Dünndarm eines Menschen findet die Aufspaltung der Nahrung in seine Bestandteile statt. Alle für den Organismus verwertbaren Nährstoffe werden über die Schleimhaut des Dünndarms in den Blutkreislauf aufgenommen. Die Dünndarmschleimhaut ist zu diesem Zweck mit mikroskopisch kleinen Falten ausgestattet, den so genannten Zotten. Beim Vorliegen einer Zöliakie scheinen die vom Körper gebildeten Antikörper die Dünndarmzotten anzugreifen und sie nach und nach zu zerstören. Als Folge können Nährstoffe nicht mehr in ausreichender Menge ins Blut aufgenommen werden (Malabsorption), was zu einer Unterversorgung des Organismus führt. Insbesondere ein Mangel an Eisen und Vitaminen ist für zahlreiche Symptome der Erkrankung verantwortlich. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer Auto-Immunerkrankung, da sich die Immunabwehr des Körpers gegen sich selbst richtet. Dies gilt inzwischen als sehr wahrscheinlich.

Neben der Auto-Immunerkrankung wird auch der Defekt von bestimmten Enzymen in der Dünndarmschleimhaut als mögliche Ursache für Zöliakie diskutiert.


Welche Symptome verursacht Zöliakie (Sprue)?

Bei betroffenen Säuglingen zeigen sich die ersten Symptome der frühkindlichen Zöliakie zirka drei bis sechs Monate nach Einführung der Beikost mit getreidehaltigen Produkten. Die Beschwerden sind zahlreich und beinhalten chronischen Durchfall mit teilweise fettigen Stühlen, einen aufgeblähten Bauch (Trommelbauch), Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen sowie Vitamin- und Eisenmangel. Aufgrund der reduzierten Aufnahme von Nährstoffen entstehen beim Kind Entwicklungs- und Wachstumsrückstände begleitet von einer Gewichtsabnahme. Die Kinder sehen an den Extremitäten mager aus und am Gesäß bilden sich typische Hautfalten (Tabaksbeutelgesäß). Neben den körperlichen Symptomen leiden die Kinder auch unter Weinerlichkeit, Missmutigkeit und Zurückgezogenheit.

Bei Erwachsenen können darüber hinaus Symptome wie Abgeschlagenheit, ein allgemeines Krankheitsgefühl, Blutarmut (Anämie) sowie Wasseransammlungen im Körper (Ödeme) hinzukommen. Verschiedene Formen des Knochenabbaus (Osteomalazie, Osteopenie, Osteoporose) und daraus resultierende Knochenschmerzen kommen ebenfalls vor. Frauen erleiden mitunter Frühgeburten oder Fehlgeburten.

Die Symptome bei Erwachsenen sind oft weniger eindeutig, dafür aber zahlreicher als bei Kindern, was die Diagnose erschwert. Man bezeichnet die Erkrankung in diesen Fällen als stumme oder atypische Zöliakie.


Wie erfolgt die Diagnose von Zöliakie (Sprue)?

Zur Diagnose der Zöliakie ist es ratsam, zunächst eine Blutuntersuchung vorzunehmen, um das Vorhandensein der spezifischen Antikörper nachzuweisen. Dabei kann gleichzeitig auch der Mangel an Eisen und Vitaminen festgestellt werden. Ist diese Untersuchung positiv, wird zur Absicherung der Diagnose eine Gewebeprobe der Dünndarmschleimhaut des Betroffenen entnommen. Dieser auch als Biopsie bezeichnete Eingriff ist relativ ungefährlich und dauert nur zehn bis 15 Minuten. Dabei wird bei leichter Betäubung ein dünner Schlauch durch den Mund in den Magen eingeführt und weiter bis zum Ende des Zwölffingerdarms geleitet. An dieser Stelle und am Anfang des Dünndarms werden dann verschiedene Gewebeproben genommen. Bei der anschließenden Untersuchung unter dem Mikroskop wird überprüft, ob die Zotten geschädigt sind. So ist ein eindeutiger Nachweis der Zölikie möglich. In unklaren Fällen kann die Biopsie nach zirka zwei Jahren erneut durchgeführt werden, um die Diagnose zu bestätigen. Der Nachweis der Antikörper im Blut alleine reicht zur sicheren Diagnosestellung nicht aus, ebenso unzureichend ist ihr Nachweis in Stuhlproben oder ein Belastungstest mit Xylose.


Wie erfolgt die Therapie bei Zöliakie (Sprue)?

Die einzige Möglichkeit der Therapie bei Zöliakie ist der lebenslange Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel. Obwohl sehr viele Nahrungsmittel Getreide oder daraus hergestellte Produkte enthalten, können Betroffene sich abwechslungsreich ernähren. Glutenfreie Kost basiert auf Kartoffeln, Reis oder Mais, Buchweizen, Hirse und Sojabohnen. Auch Nüsse, Kastanien und Johannisbrotmehl werden vertragen. Viele Nahrungs- und Genussmittel wie Brot, Mehl, Teigwaren, Bier und Kuchen gibt es im Handel in einer glutenfreien Variante. Fluggesellschaften und Hotels bieten nach Voranmeldung häufig glutenfreie Menus an. Wenn Betroffene sich an die Diät halten, verschwinden die Symptome meistens innerhalb kurzer Zeit. Manche Betroffene können geringe Mengen Gluten vertragen, die Toleranzgrenze ist jedoch sehr unterschiedlich.

Um den Mangel an Vitaminen und Eisen auszugleichen, der durch die Malabsorption entsteht, werden zu Beginn der Therapie entsprechende Präparate gegeben. Die Behandlung der Zölikakie selber mit Medikamenten ist nicht möglich, da die genauen Mechanismen bei der Schädigung der Dünndarmzotten noch nicht bekannt sind.


Wie ist der Verlauf bei Zöliakie (Sprue)?

Betroffene mit Zöliakie können ein ganz normales Leben führen, wenn sie glutenhaltige Nahrungsmittel und -bestandteile konsequent meiden. Sie sind dann beschwerdefrei. Unbehandelte und unentdeckte Zöliakien sind gefährlich, da durch sie das Risiko für bösartige Lymphome stark ansteigt. Betroffene sind außerdem gefährdet, an Osteoporose zu erkranken. Wenn Symptome früh erkannt werden und dadurch eine rechtzeitige Diagnose gestellt werden kann, ist die Prognose nach der Ernährungsumstellung jedoch gut.

Bei Kindern kann eine unbehandelte Zöliakie zu Kleinwuchs und durch den Vitaminmangel zu Rachitis und Gerinnungsstörungen führen. Tritt die Zöliakie erst im jugendlichen Alter auf, kann es zu Knochenschmerzen und Verzögerungen in der Pubertät kommen. Bei Mädchen kann dann beispielsweise die Regelblutung ausbleiben.

Durch den Vitaminmangel kann es außerdem zu einer Schwächung des Immunsystems und damit zu einer höheren Infektanfälligkeit kommen. Eine unbehandelte Zöliakie kann durch die fortschreitende Abmagerung (Kachexie) auch zum Tod führen.


Wie kann man Zöliakie (Sprue) vorbeugen?

Zöliakie kann nicht vorgebeugt werden. Entscheidend ist lediglich die frühe Erkennung und Behandlung, um Folgeschädigungen zu vermeiden.


Ihre Fragen zum Thema Zöliakie beantworten Ihnen unsere Experten der Ernährungs-Expertenrat in der Gesundheitsberatung.


Weitere Informationen erhalten Sie auch bei der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V.


Quellen:
Deutsche Zöliakie-Gesellschaft, http://www.dzg-online.de
Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte e.V., http://www.kinderaerzteimnetz.de
Merkblatt des Zentrallabors der Universitätsklinik Mainz, http://www-klinik.uni-mainz.de (Stand: 18.04.2006)
Sitzmann, F.C. et al.: Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2007.
Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 261. Auflage. De Gruyter, Berlin 2007.
Fink, E.: Ernährung und Diätetik. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2008.

 

Autor: Dr. med. Ralf D. Fischbach 
Letzte Änderung am: 30.08.2013
 
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