Verhütungspflaster

Löst das Antibabypflaster die Antibabypille ab? Als Alternative zur Antibabypille gibt es seit dem 11.August 2003 auf dem deutschen Markt ein Antibabypflaster (Evra®), mit dem sich Frauen vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen können. Den Vertrieb des neuen Produkts hat die Firma Janssen Cilag Pharma – eine Tochterfirma von Johnson & Johnson – übernommen. Das Pflaster ist vor allem für jene Frauen gedacht, die ab und zu die Einnahme der Pille vergessen.

Erfahrungen mit Medikamentenpflaster

Seit einigen Jahren schon werden Pflaster zur Applikation von verschiedenen Medikamenten eingesetzt. So geben Herzpflaster einen Wirkstoff ab, der die Sauerstoffversorgung bei Herzkranken verbessert. Pflaster gegen Reisekrankheit enthalten einen Extrakt der Tollkirsche, der vor Übelkeit und Erbrechen schützen soll. Nikotin-Pflaster helfen, sich das Rauchen abzugewöhnen. Ein Pflaster mit Fentanyl, einem synthetischen Verwandten des Morphiums, wird zur Behandlung schwerer Schmerzen eingesetzt. Auch mit Hormon-Pflastern wurden bereits Erfahrungen gesammelt. Sie mindern die Beschwerden von Frauen in den Wechseljahren.

Wirkung

Der Klebstoff des Pflasters wird zugleich Trägersubstanz für die Hormone Äthinyl-Östradiol sein, einem synthetischen Östrogen (Ethinylestradiolum) und Gestagen (Norelgestromin). Beide Wirkstoffe (20 Mikrogramm Östrogen und 150 Mikrogramm Gestagen) werden kontinuierlich vom Pflaster an die Haut abgegeben. Von dort gelangen sie in den Blutkreislauf.
Bei Frauen, die schwerer sind als 90kg, ist die Sicherheit dieser Verhütungsmethode allerdings eingeschränkt.

Anwendung

Das Pflaster, welches etwa 4,5 mal 4,5 Zentimeter groß ist, kann auf das Gesäß, den Bauch, den Oberkörper (außer im Brustbereich) und die Außenseite des Oberarms geklebt werden. Mit dem Pflaster kann man uneingeschränkt baden und duschen. Das Verhütungspflaster wird allwöchentlich immer am gleichen Tag auf die Haut geklebt. Somit sind drei Pflaster pro Zyklus erforderlich. In der darauf folgenden „pflasterfreien“ Woche setzt die Monatsblutung ein.

Nebenwirkungen

Nach der Einnahme einer Antibabypille steigt die Hormonkonzentration im Blut stark an. „Beim Verhütungspflaster gibt es solche Spitzen nicht“, sagt Professor Herbert Kuhl, Hormonforscher an der Universität Frankfurt. Das entlaste die Leber. Durch die Aufnahme über die Haut werde der Magen-Darm-Trakt geschont. Insgesamt, so Kuhl, könnten die Hormone niedriger dosiert werden.
Das Pflaster ist relativ groß und muß auf die Haut geklebt werden. Auch wenn der Farbton an die Haut angepaßt ist, kann es für einige Frauen ein kosmetisches Problem darstellen. Reizungen der Haut wurden bei ca. 20 Prozent der Frauen beobachtet. Zudem kam es relativ häufig zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Spannungen in der Brust. Auch klagten die Benutzerinnen etwas häufiger über Menstruationsschmerzen.

Der Pearl Index des Verhütungspflasters wird vom Hersteller als < 1 angegeben.